Wann Kinder mit dem Sport pausieren sollten20. April 2022 Foto: saran – stock-adobe.com Kinder verletzen sich im Sport anders als Erwachsene. In den verschiedenen Phasen des Heranwachsens sind Knochen, Muskeln, Sehnen anders belastbar. Der Stoffwechsel ändert sich in dieser Zeit ständig. Prävention und Therapie kindlicher Sportverletzungen ist eines der Themen auf dem 37. GOTS-Kongress im Mai in Berlin. Die Belastung des kindlichen wachsenden Bewegungsapparates – je nach Sportart – muss in den unterschiedlichen Wachstumsphasen unbedingt berücksichtigt werden, betont die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS). „Denn der Knochen wächst und die Strukturen, zum Beispiel Sehnen und Bänder, hinken hinterher“, so Prof. Holger Schmitt, Chefarzt im Deutschen Gelenkzentrum Heidelberg (ATOS Klinik Heidelberg), der zu diesem Thema auf dem Kongress referieren wird. Das könne zum Beispiel zu Sehnenproblemen mit Entzündungsreaktionen führen. In diesem Fall müsse die Belastung sofort wieder zurückgeschraubt werden. Auch Haltungsschäden und Wirbelsäulenerkrankungen, wie zum Beispiel die Skoliose, haben einen Einfluss darauf, welchen Sport Kinder und Jugendliche ausüben können, welche Risiken sie haben, wann sie Sport machen und wann besser nicht, betont die Fachgesellschaft. Schmitt: „Grundsätzlich gilt: Sport und Bewegung sind äußerst wichtig. Nur bei Schmerz sollte man Kinder sofort pausieren lassen, bis Untersuchungen die Ursache gefunden haben. Häufig liegt es an Rumpf- und Kraftproblemen, dass nicht genug stabilisiert werden kann. Das lässt sich durch Pausen und richtiges aufbauendes Training schnell beheben.“ Im Grundschulalter stehen bei Kindern knöcherne Verletzungen im Vordergrund, so die GOTS und führt aus: Stürze beim Spielen verursachen meist Knochenbrüche an Hand- oder Sprunggelenk. Ab ca. 14 Jahren gibt es eher Probleme an der Apophyse, der Wachstumsfuge der Knochen, vor allem in den Lauf- und Sprungsportarten. Hier kommt es am häufigsten zum sogenannten „Morbus Schlatter“ im Kniegelenk. Die Entzündung von Knochen und Knorpel am Schienbeinkopf wird oft durch Überbeanspruchung des Beins verursacht. Schmerzen und Schwellung sind die Folge. Vier Wochen Sport-Pause können schon hilfreich sein. Sind die Wachstumsfugen geschlossen, bei Mädchen ab 14/15, bei Jungen ab 16/17 Jahren, treten Bänderverletzungen in den Vordergrund, so die Fachgesellschaft weiter. Gerade Mädchen in Stop and Go-Sportarten seien häufig von Kreuzbandverletzungen am Knie betroffen. Die GOTS empfiehlt, dass Kinder bevor sie mit Leistungssport beginnen, immer einen gründlichen Check bei Kinderärzten und Sportmedizinern erhalten. Risiken müssten abgeschätzt und ein dosierter Trainingsaufbau angegangen werden. Auch auf dem Kongress gehe es unter anderem um den chronischen Einfluss des Leistungssports auf die Wachstumsfuge bei Kindern: Die Mediziner besprechen etwa wichtige Fälle aus der Kindersportorthopädie – wie zum Beispiel den Fall eines Mädchens aus dem Eiskunstlauf, welches nach dem Verschluss der Wachstumsfuge plötzlich ein krummes Bein bekam. Wichtig ist den Experten der GOTS, dass Sport regelmäßig, altersgerecht und mit durchdachtem Training ausgeübt wird. Schmitt: „Ich würde mir wünschen, dass der Schulsport wieder mehr hochgefahren und nicht als lästiges Anhängsel in der Ausbildung betrachtet wird. Denn besonders hier können Kinder den richtigen Umgang mit dem Sport und die Prävention vor Verletzungen erlernen.“ Der Kongress findet vom 19.-20 Mai in Präsenz in Berlin statt. Weitere Infos hier.
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