Teamwork von Ohr und Gehirn: Warum Geräusche stören oder beruhigen25. Mai 2026 Symbolbild © Farida9377/stock.adobe.com Das Meeresrauschen oder der Wind in den Bäumen werden angenehmer empfunden als ein Martinshorn oder eine laute Unterhaltung im Zug. Warum man Geräusche unterschiedlich wahrnimmt und was Töne mit dem Wohlempfinden zu tun haben, erklärt Eberhard Schmidt, Präsident der Bundesinnung der Hörakustiker. Auch wenn jeder Mensch Geräusche individuell wahrnimmt und den einen nervt, was den anderen gar nicht stört, gibt es doch Geräusche, die grundsätzlich eher als angenehm oder unangenehm empfunden werden. „Vor allem laute Geräusche oder hochfrequente Töne werden von Menschen eher negativ wahrgenommen, da sie als potenzielle Gefahr eingeordnet werden“, erklärt der Hörakustiker-Meister Schmidt. Auch plötzliche, verzerrte oder unregelmäßige Geräusche haben diese Wirkung. Der Körper schüttet Stresshormone wie Adrenalin oder Cortisol aus, die Aufmerksamkeit und die Herzfrequenz erhöhen sich. Man ist unmittelbar in Alarmbereitschaft. Leise, weiche, tiefe, klare und gleichmäßige Geräusche – wie rhythmische, ruhige Musik oder Naturgeräusche – haben hingegen einen gegenteiligen Effekt. Sie signalisieren, dass keinerlei Gefahr besteht und beruhigen das Nervensystem. Der Blutdruck sinkt und Stresshormone reduzieren sich. Entspannung ist angesagt. Nervige Töne – reine Wahrnehmungssache? Auch wenn Geräuschverarbeitung vorrangig im Gehirn stattfindet und dort entschieden wird, ob Geräusche als angenehm oder störend interpretiert werden, so spielen auch die Ohren bei derGeräuschwahrnehmung eine wichtige Rolle. Zum einen sitzen im Innenohr winzige Sinneszellen, Haarzellen, die bei jeder eintreffenden Schallwelle in Schwingung geraten. Hochfrequente, schrille Töne lassen diese Haarzellen am Eingang der Hörschnecke besonders stark vibrieren, was ein unangenehmes Gefühl erzeugt. Tiefe, weiche und gleichförmige Geräusche reizen die Haarzellen weniger und haben einen eher beruhigenden Effekt. Zum anderen sitzen im Mittelohr zwei kleine Muskeln, die sich bei plötzlichen Geräuschen reflexartig zusammenziehen und eintreffende Töne dämpfen, so dass sie weniger schrill ins Innenohr gelangen. Sind diese Muskeln auf Dauer beansprucht, kann das sehr anstrengend sein. Wenn Töne nicht mehr nerven, sondern nicht mehr gehört werden „Das Ohr nimmt die eintreffenden Schallwellen auf, das Gehirn bewertet, ob der Ton auf eine Gefahr hindeutet oder nicht und interpretiert ihn als nervig oder angenehm“, so Schmidt. Merkt man hingegen, dass bestimmte Töne gar nicht mehr wahrgenommen werden, ist der Gang zum Hörakustiker zu empfehlen. Er prüft, ob eine beginnende Schwerhörigkeit vorliegt und kann Betroffene bei Bedarf mit einem passgenauen Hörsystem versorgen.
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