Studie: Warum wir bei abdominalen Schmerzen am stärksten (mit)fühlen2. Februar 2026 Foto: © DimaBerlin/stock.adobe.com Die Art eines Schmerzes beeinflusst, als wie unangenehm man ihn empfindet: Solche, die aus dem Inneren des Körpers kommen, etwa Schmerzen im Abdomen, werden als schlimmer wahrgenommen als somatische Schmerzen. Das beeinflusst auch das Mitgefühl mit anderen Menschen. Forschende von der Ruhr-Universität Bochum haben gezeigt, dass Schmerzen nicht nur dann als unterschiedlich stark wahrgenommen werden, wenn man sie selbst empfindet. Die Art des Schmerz hat auch Einfluss auf das Mitgefühl mit anderen Menschen, die ein solcher Schmerz betrifft. Die gilt insbesondere bei vertrauten Personen ‒ mit deren abdominalen Schmerzen leidet man stärker mit. Darüber berichtete kürzlich ein Team um Dr. Milena Pertz aus der Abteilung für Medizinische Psychologie Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie am Zentrum für Medizinische Psychologie und Translationale Neurowissenschaften der Ruhr-Universität Bochum im „Journal of Pain“. Eigenerfahrung, Mitgefühl mit Nahestehenden und Fremden Die Forschenden schlossen 30 gesunde Personen in die Studie ein, die alle seit mindestens drei Monaten in einer festen Beziehung waren. Die Studie führten die Wissenschaftler an vier Tagen durch. Am ersten Tag ermittelte man mit Fragebögen und Aufgaben die grundsätzliche Empathie der Teilnehmenden. Am zweiten Tag unterzogen sich die Teilnehmenden verschiedenen Schmerzerfahrungen durch einen Hitzeschmerz, der auf die Haut des Unterbauchs gegeben wurde, und einen Bauchschmerz von innen, den die Wissenschaftler durch Druck auslösten. Diese Schmerzen bewerteten die Probanden sowohl aus ihrer eigenen Perspektive als auch aus der Perspektive ihres Partnes und einer unbekannten Person. Sechs Tage später bat man die Teilnehmer, sich die Schmerzerfahrung für sich selbst, ihren Partner und die unbekannte Person nochmals vorzustellen. Die Forschenden ermittelten, als wie unangenehm die Teilnehmenden den Schmerz bewerteten, wie aufgewühlt sie sich durch die Vorstellung fühlten und wie viel Mitgefühl sie empfanden. Zwei weitere Tage erfolgte eine Online-Abfrage, wie die empathische Reaktion in der Erinnerung an die Schmerzerfahrung ausfiel. Auch in der Erinnerung stärker „Die Studie zeigt, dass innere, sogenannte viszerale Schmerzen stärkere kognitive, affektive und empathische Reaktionen hervorrufen als Schmerzen, die von außen kommen“, berichtet Pertz. Dies war sowohl aus der eigenen Perspektive der Fall als auch, wenn die Teilnehmenden sich die Schmerzreize für andere Personen vorstellten. Die Teilnehmer bewerteten die viszeralen Schmerzen als intensiver und unangenehmer als den Hitzeschmerz und empfanden mehr Mitgefühl und persönliche Betroffenheit. Das gilt laut den Forschenden sowohl bei eigener Erfahrung als auch bei der Vorstellung, dass der Partner oder eine unbekannte Person diese Schmerzen erlitten. „Der Effekt war am stärksten, wenn die Perspektive des Partners oder der Partnerin eingenommen wurde“, erklärt Pertz. „Auch in der Erinnerung acht Tage nach dem Erleben des Schmerzes blieb dieser Unterschied erhalten.“Nach Ansicht der Autoren helfen diese Ergebnisse zu verstehen, wie innere körperliche Bedrohungen psychosoziale Prozesse beeinflussen. Die Studie ebne auch den Weg für zukünftige Forschungen zu Vorhersagefaktoren für empathische Reaktionen sowohl bei Patienten mit Schmerzen als auch bei Menschen, die sich um diese kümmern. Dazu gehören Bezugspersonen, Pflegekräfte und medizinisches Fachpersonal. Erst kürzlich hatte sich ein Forschungsteam aus Essen mit Nocebo-Effekten bei Schmerz beschäftigt (wir berichteten). Es stellte fest, dass solche Effekte bei viszeralen Schmerzen deutlich ausgeprägter sind. Die Wissenschaftler hatten beobachtet, dass solche Nocebo-Effekte durch Kommunikation, aber auch durch somatische Schmerzerfahrungen von der Körperoberfläche verstärkt werden können. Mehr zum Thema abdominaler Schmerz: Reizdarmsyndrom: Stärkere Linderung abdominaler Schmerzen durch individualisierte Lebensmittelvermeidung
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