Was ist wirklich relevant in Diagnose und Therapie der Meibomdrüsendysfunktion?

Claus Cursiefen überreichte Elisabeth Messmer ihre Urkunde zur Keynote Lecture. Bild:©Schulz/Biermann Medizin

Prof. Elisabeth Messmer gab in ihrer Keynote Lecture einen umfassenden Überblick über die Differenzialdiagnostik der Blepharitis sowie über etablierte und neue therapeutische Ansätze.

Zu Beginn ordnete Messmer das Krankheitsbild klinisch ein. Grundsätzlich werde die Blepharitis in eine anteriore und eine posteriore Form unterteilt, jeweils mit oder ohne entzündliche Komponente. Die anteriore Blepharitis betrifft vor allem die Region der Wimpernbasis und ist häufig mit einer bakteriellen Besiedlung durch Staphylococcus-Spezies, assoziiert. Auch die seborrhoische Blepharitis zählt zur anterioren Form und tritt nicht selten im Zusammenhang mit einer seborrhoischen Dermatitis auf. Eine weitere Form ist die Demodex-assoziierte Blepharitis, die sowohl anteriore als auch posteriore Veränderungen hervorrufen kann, etwa eine Meibomdrüsendysfunktion oder fehlgerichtete Wimpern. Die Meibomdrüsendysfunktion stellt die posteriore Form der Blepharitis dar und gilt als besonders häufig. Zugleich ist sie eine der wichtigsten Ursachen des Trockenen Auges.

Diagnostik der Blepharitis: Anamnese und klinische Untersuchung

Für die Diagnosestellung ist Messmer zufolge eine sorgfältige Anamnese von großer Bedeutung. Typische Beschwerden sind okuläre Irritationen, Brennen, vermehrtes Tränen, Juckreiz sowie verklebte Lider. Charakteristisch sei, dass die Symptome vor allem morgens auftreten. Entscheidend sei es daher, den Patienten genau zuzuhören.

Gleichzeitig spiele die klinische Inspektion eine zentrale Rolle, denn häufig liefere bereits die Blickdiagnose wichtige Hinweise. Im Rahmen der Untersuchung sollten insbesondere die Lidränder beurteilt, die Meibomdrüsenöffnungen inspiziert sowie Qualität und Ausdrückbarkeit des Meibums überprüft werden. Darüber hinaus sind die Stabilität des Tränenfilms und mögliche Zeichen einer Schädigung der okulären Oberfläche in die Diagnostik einzubeziehen.

Blepharitis-Therapie: Basismaßnahmen, Eskalation und neue Ansätze

Messmer erklärte weiter, dass im therapeutischen Management der Blepharitis zunächst die umfassende Patientenaufklärung im Vordergrund stehe. Sie betonte, dass es sich meist um eine chronische Erkrankung handelt, die daher auch eine langfristige Behandlung erfordere. Die Basistherapie umfasse dabei eine konsequente Lidrandhygiene in Kombination mit Tränenersatzmitteln, die je nach Bedarf Lipidkomponenten enthalten können. Die Lidkantenpflege sollte nach Empfehlung Messmers regelmäßig morgens und abends erfolgen. Sie beinhaltet eine Behandlung mit heißen, feuchten Kompressen, gefolgt von einer Lidmassage an Ober- und Unterlid sowie einer anschließenden Reinigung der Lidkante, beispielsweise mit einem feuchten Wattestäbchen.

Wenn diese Basistherapie nicht ausreicht, können laut Messmer weitere therapeutische Maßnahmen erforderlich werden. Dazu zählen sowohl topische als auch systemische Antibiotika mit antiinflammatorischer Wirkung. Auch eine gezielte Behandlung einer Demodex-Hyperinfestation kann notwendig sein, etwa mit Teebaumölpräparaten. Ergänzend können, so Messmer weiter, eine professionelle Lidrandhygiene in der augenärztlichen Praxis oder apparative Verfahren wie die Intense-Pulsed-Light-Therapie eingesetzt werden. Diese habe in mehreren Studien eine Verbesserung der Meibomdrüsenfunktion und der Symptomatik gezeigt.

Darüber hinaus verwies Messmer auf neue pharmakologische Ansätze, die sich derzeit in Entwicklung oder klinischer Prüfung befinden. Dazu gehört unter anderem eine Selensulfid-haltige Augensalbe, die insbesondere bei seborrhoischen Komponenten der Blepharitis therapeutisches Potenzial haben könnte. Ein weiterer innovativer Ansatz sei der antiparasitäre Wirkstoff Lotilaner zur Behandlung der Demodex-assoziierten Blepharitis. In klinischen Studien konnte Lotilaner die Milbenlast signifikant reduzieren und gleichzeitig die klinischen Symptome verbessern.

Insgesamt machte Messmer deutlich, dass die Blepharitis ein heterogenes und häufig chronisch verlaufendes Krankheitsbild darstellt. Entscheidend für einen nachhaltigen Therapieerfolg seien eine präzise Differenzialdiagnose, eine konsequente Basistherapie sowie – falls erforderlich – der gezielte Einsatz weiterführender Behandlungsoptionen.

(sas/BIERMANN)