Was wir aus der COVID-19-Pandemie für den Kampf gegen Sepsis lernen können18. Juni 2021 Foto: ©DOC RABE Media – stock.adobe.com Die Maßnahmen, die im Rahmen der COVID-19-Pandemie ergriffen wurden, könnten auch die globale Krankheitslast durch Sepsis verringern. Fachgesellschaften weltweit rufen daher dazu auf, die Lehren aus der Pandemie auch für den Kampf gegen Sepsis zu nutzen. Die Sepsis-Stiftung unterstützt diesen Aufruf. Unter dem Titel „Reducing the global burden of sepsis: a positive legacy for the COVID-19 pandemic?” haben sich die Global Sepsis Alliance (GSA) sowie die weltweit größten Fachgesellschaften für Intensivmedizin, die European Society for Intensive Care Medicine (ESICM) und die Society for Critical Care Medicine (SCCM), zusammengeschlossen. Was viele nicht wissen: Auch 85 Prozent der Menschen, die einen schweren COVID-19-Verlauf erleiden, zeigen die typischen Zeichen einer Sepsis. Darauf weisen die drei Organisationen auf Basis der Sepsis Definition, der Stellungnahmen der WHO und aktuellen Publikationen hin. „Das gemeinsame Kennzeichen einer Sepsis ist, dass eine überschießende Immunantwort des Körpers auf eine Infektion die eigenen Organe schädigt“, betont der Initiator dieses Aufrufs Konrad Reinhart, der auch Vorstandsvorsitzender der Sepsis-Stiftung und Senior Professor an der Charité ist. „Dies kann zu einer schweren Funktionsstörung der Lunge, der Niere, des Herz-Kreislaufsystems oder des Gerinnungssystems mit der Notwendigkeit der Behandlung auf der Intensivstation führen“, betont der Experte und erklärt weiter: „Das Versagen mehrerer lebenswichtiger Organe ist die Hauptursache für die hohen Sterberaten bei COVID-19 und Sepsis durch andere Erreger.“ Als ermutigend bezeichnet Reinhart die Tatsache, dass in einer Reihe von Studien bei schwer an COVID-19 Erkrankten die medikamentöse Hemmung des Immunsystems zu einer Reduzierung der Sterblichkeit, der Aufenthaltsdauer im Krankenhaus und der Sepsisfolgen führte. In dem Aufruf wird deshalb gefordert, die klinische Forschung auf diesem Gebiet weiter auszubauen. Die innovativen Therapieansätze, die hier entwickelt wurden, könnten sich auch als effektiv bei der Behandlung von schweren Infektionen und Sepsis aus anderen Ursachen erweisen. In dem Statement wird auch deutlich gemacht, dass Überlebende von COVID-19 sehr häufig und in ähnlicher Weise wie Patienten, die eine Sepsis überlebt haben, unter schwerwiegenden körperlichen, psychischen und kognitiven Langzeitfolgen leiden. „Für diese Menschen fehlen derzeit interdisziplinäre und sektorenübergreifender Behandlungs- und Rehabilitations- sowie Forschungskonzepte, die für andere schwerwiegende Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt gut etabliert sind“, so Reinhart. Die Pandemie hat deutlich gemacht, wie wichtig die Aufklärung zur Infektionsprävention und Früherkennung sowie die Verfügbarkeit optimaler Diagnose- und Behandlungsangebote für die Vermeidung und die Erhöhung der Überlebenschancen bei COVID-19 und Sepsis sind. „Es ist eine der zentralen Lehren aus der Pandemie, dass für die Gewährleistung dieser Maßnahmen den politischen Entscheidungsträgern eine zentrale Rolle zukommt. Diese Erfahrung kann auch für die Bekämpfung von Sepsis aus anderen Ursachen dienen“, betont Reinhart. Angesichts von jährlich 11 Millionen Sepsistoten und bis jetzt 3,5 Millionen Toten durch COVID-19 fordern die drei Organisationen die Politik auf, das Engagement aufrechtzuerhalten. Denn auch in Deutschland ist die Sepsislast seit Jahren unverändert hoch: Mindestens 75.000 Menschen versterben jährlich daran, bis zu 20.000 dieser Todesfälle gelten als vermeidbar. Die Sepsis-Stiftung fordert daher seit Jahren mit der Unterstützung namhafter weiterer Organisationen und im Einklang mit der im Jahr 2017 beschlossenen WHO-Resolution zur Integration von Sepsis in die nationalen Gesundheitsstrategien ihrer Mitgliedsstaaten die Einführung eines Nationalen Sepsisplans.
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