Weibliche Inkontinenz: Unangenehme Blasendruckmessungen könnten vermieden werden

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Für Frauen mit anhaltender Harninkontinenz könnten invasive Blasendruckmessungen vermeidbar sein, da einige nicht invasive Untersuchungen die Behandlung ebenso gut steuern könnten, so eine neue Studie der Universität Aberdeen, Schottland.

Bei den betroffenen Frauen werden invasive urodynamische Untersuchungen seit über 40 Jahren in der klinischen Praxis häufig eingesetzt. Diese Tests beurteilen, wie gut die Blase Urin speichert und abgibt, und können für viele unangenehm sein. Die Untersuchungen umfassen das Füllen der Blase mit Wasser über einen in die Blase eingeführten Katheter. Ein weiterer Katheter wird in die Vagina oder den Enddarm eingeführt, um den Druck in Blase und Bauchraum zu messen.

Eine umfassende klinische Beurteilung (CCA) bei weiblicher Inkontinenz soll laut der aktuellen Studie ebenso nützliche Informationen für die Behandlung liefern, ohne dass invasive Untersuchungen erforderlich sind. Die CCA umfasst einen detaillierten medizinischen Fragebogen, eine gründliche körperliche Untersuchung, ein Blasentagebuch und einen Hustentest zur Beurteilung von Belastungsinkontinenz. Sie kann auch eine Urinanalyse und einen Test zur Messung der nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibenden Urinmenge umfassen.

Die Ergebnisse der FUTURE-Studie wurden am 22. März auf dem Kongress der European Association of Urology (EAU) in Madrid (Spanien) vorgestellt und in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht.

Kein signifikanter Unterschied

Um zu untersuchen, ob urodynamische Untersuchungen im Vergleich zu CCA-gestützten Behandlungsplänen zu einem Behandlungserfolg führen, wurden im Rahmen der Studie 1099 Frauen in 63 Krankenhäusern im Vereinigten Königreich rekrutiert. In die Studie wurden Frauen aufgenommen, die an einer überaktiven Blase oder Harninkontinenz litten, die vorwiegend durch plötzlichen Harndrang gekennzeichnet war und nicht auf Erstlinienbehandlungen ansprach. Die Teilnehmerinnen wurden randomisiert entweder einer invasiven urodynamischen Untersuchung plus CCA oder nur einer CCA unterzogen. Während einer 15- bis 24-monatigen Nachbeobachtung wurden die Teilnehmerinnen gebeten, über den Erfolg der angebotenen Behandlung zu berichten.

Die Studie ergab keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Untersuchungsformen. 23,6 Prozent der Frauen berichteten in der Urodynamik-Gruppe von einer deutlichen Besserung ihrer Symptome, gegenüber 22,7 Prozent in der Gruppe mit ausschließlicher CCA. Dies zeigt laut den Forschern, dass beide Untersuchungen zu ähnlichen Ergebnissen führen. Frauen, die sich ausschließlich einer CCA unterzogen, berichteten ebenfalls von einer früheren Besserung ihrer Symptome. Bei 13 Prozent der Frauen, die sich einer Urodynamik unterzogen, änderte sich die Diagnose in urodynamische Belastungsinkontinenz, und ihr Behandlungsplan wurde entsprechend angepasst.

Selektivere Entscheidungen empfohlen

Die Forscher schlagen vor, dass Ärzte nun selektiver entscheiden können, wen sie zu invasiven urodynamischen Untersuchungen überweisen. Der leitende Forscher Prof. Mohamed Abdel-Fattah kommentiert: „Invasive urodynamische Untersuchungen können peinlich und unangenehm sein. Unsere Studie zeigt, dass viele Frauen, die Schwierigkeiten haben, eine wirksame Behandlung für diese Art von Harninkontinenz zu finden, diese Erfahrung nicht mehr machen müssen, um eine Verbesserung ihrer Symptome und ihrer Lebensqualität zu erreichen.“

Frauen, die sich einer invasiven urodynamischen Untersuchung unterzogen, erhielten zwar basierend auf dem Testergebnis eine individuellere Behandlung, doch führte dies nicht zu einer besseren Erfolgsquote nach der Behandlung, einer besseren Lebensqualität der Frauen oder weniger Nebenwirkungen. Es sei klar, so die Autoren, dass in dieser Frauengruppe allein umfassende klinische Untersuchungen genügend Informationen liefern, um einen erfolgreichen Behandlungsplan für diejenigen zu erstellen, die auf Erstlinienbehandlungen nicht ansprechen. Ärzte können daher bei der Überweisung zur urodynamischen Untersuchung deutlich selektiver vorgehen.

Außerdem könne eine CCA von einer Fachkrankenschwester oder einem Krankenhausarzt durchgeführt werden und erfordert keine spezielle Ausrüstung. Invasive urodynamische Untersuchungen erfordern jedoch eine Überweisung an eine Fachklinik, erfordern mehrere Mitarbeiter und spezielle Geräte und können mit einer Wartezeit von mehreren Wochen oder Monaten verbunden sein, betonen die Autoren abschließend.