Weit verbreiteter Jodmangel mindert die Intelligenz bei Kindern20. April 2018 Foto: © 13smile – Fotolia.com Wissenschaftler befürchten, dass bis zu 50 Prozent aller Neugeborenen in Europa aufgrund von Jodmangel in der Gehirnentwicklung beeinträchtigt sind. Der Mikronährstoff Jod ist essenziell für die Entwicklung von Intelligenz bei Kindern und Jugendlichen. Mit der heutigen Krakauer-Erklärung zu Jod (Kraków Declaration on Iodine) fordern Wissenschaftler des EU-geförderten Projektes EUthyroid und mehrere Interessengruppen Entscheidungsträger in Europa auf, jetzt politische Maßnahmen zu setzen, die dem weitverbreiteten Jodmangel entgegenwirken. Gestern hatten europäische Wissenschaftler aus 27 Ländern in Krakau (Polen) ihre Ergebnisse zu dem derzeitigen Stand von Jodmangelerkrankungen präsentiert, die innerhalb des Projekts EUthyroid (Projektnummer: 634453) entstanden sind, das vom Horizon2020 Forschungs- und Innovationsprogramm gefördert wurde. Trinkwasser und Nahrung liefern den wichtigen Mikronährstoff Jod, der für die Produktion von Schilddrüsenhormonen benötigt wird. Diese Botenstoffe regeln den Stoffwechsel im menschlichen Körper, fördern das körperliche Wachstum und die geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Während der Schwangerschaft haben Frauen einen erhöhten Jodbedarf, der häufig über ihre normale Ernährung nicht abgedeckt wird. Wissenschaftler sind besorgt, weil selbst ein leichter Jodmangel der Mutter zu einer Beeinträchtigung des Intelligenzquotienten (IQ) beim Kind führen kann. Trotz dieser essentiellen Rolle von Jod wissen die meisten werdenden Müttern nichts von den negativen Folgen von Jodmangel für ihre Kinder. Experten warnen, dass trotz der existierenden freiwilligen Programme zur Jodanreicherung in vielen europäischen Ländern bis zu 50 Prozent aller Neugeborenen einem leichten Jodmangel ausgesetzt sind. Folglich besteht das Risiko, dass diese Kinder ihr kognitives Entwicklungspotenzial nicht voll ausschöpfen können und beispielsweise Lernprobleme in der Schule durchmachen. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass niedrigere IQ-Werte in Teilen der Bevölkerung die Wirtschaftsleistung ganzer Nationen beeinträchtigen. Über die Gehirnentwicklung hinaus belasten die vielfältigen Auswirkungen von Jodmangel die öffentlichen Gesundheitssysteme erheblich. “Obwohl diese Auswirkungen bekannt sind, ignorieren politische Entscheidungsträger, Meinungsführer und die Bevölkerung Präventionsprogramme für Jodmangelerkrankungen in Europa weitgehend. Dabei stellen jodierte Lebensmittel eine etablierte und kosteneffiziente Maßnahme dar, um Jodmangel zu begegnen. Seit Jahrzehnten fordert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine regelmäßige Kontrolle der Jodversorgung in der Bevölkerung als einen wichtigen Schritt um den Jodmangel in Europa zu erheben und zu beseitigen. Dennoch erfüllen nur acht Länder in der EU diese minimale Anforderung”, heißt es in einer Pressemitteilung Wissenschaftliche Ergebnisse und Befürchtungen werden ignoriert Die Wissenschaftler sind zunehmend besorgt über das mangelhafte Engagement der politischen Entscheidungsträger zur Beseitigung des Jodmangels in Europa. Das Konsortium fordert daher gemeinsam mit unterschiedlichen Interessengruppen politische Entscheidungsträger, Verantwortliche im Gesundheitswesens und Wissenschaftler dazu auf, die bekannten wirksamen Strategien zur Verhinderung von Jodmangelerkrankungen in ganz Europa umzusetzen. Mit der Kraków Declaration on Iodine bündeln Experten ihre Kräfte, um Jodmangel zu beseitigen. Sie fordern: • Einheitliche Präventionsmaßnahmen: Verantwortliche in Industrie und Handel, sowie politische Entscheidungsträger sollten die Salzjodierung vereinheitlichen, um einen freien Handel mit Jod-angereicherten Lebensmitteln in Europa zu gewährleisten. Jodiertes Tierfutter sollte ebenso eine behördliche Zulassung bekommen, um den freien Handel innerhalb der EU sicherzustellen. • Kontrolle der Präventionsmaßnahmen: Nationale Regierungen und Gesundheitsbehörden müssen in regelmäßigen Abständen eine einheitliche Überwachung und Evaluierung von Jodierungsprogrammen durchführen, um eine optimale Jodversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. • Unterstützung der Präventionsmaßnahmen: Wissenschaftler sollten zusammen mit Vertretern des Gesundheitswesens, Patientenorganisationen, der Industrie und der Öffentlichkeit die notwendigen Präventionsmaßnahmen unterstützen. Nur so wird sichergestellt, dass geeignete Maßnahmen in einer sich rasch verändernden Gesellschaft getroffen werden, um effektiv Jodmangelerkrankungen zu verhindern. Zudem sollte das Wissen um Jodmangelerkrankungen durch geeignete Informationskampagnen weitergegeben werden.
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