Weitere Fehlentwicklungen unterbinden

© laurencesoulez – stock.adobe.com

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) unterstützt die Positionierung des Ärztlichen Pandemierates in Fragen der Professionalisierung in der SARS-CoV-2-Diagnostik. Der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) spricht sich aufgrund der Delta-Variante für eine Neuausrichtung der Teststrategie aus.

Die „Arbeitsgruppe 3 – Teststrategie“ des Ärztlichen Pandemierates hat auf die aktuellen Fehlentwicklungen um sogenannten „Jedermann-Testzentren“, die über die aktuelle Coronavirus-Testverordnung ermöglicht wurden, hingewiesen.

Dr. med. Michael Müller, Vorsitzender des Ausschusses diagnostische Medizin des SpiFa e.V. und Mitglied des ärztlichen Pandemierates der Bundesärztekammer:

„Der mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes in § 24 aufgehobene Arztvorbehalt für die Diagnostik von Infektionskrankheiten ist wieder zurückzunehmen. In der Not mag diese Regelung möglicherweise sinnvoll gewesen sein, hat aber auch Fehlentwicklungen zutage gefördert, die es in der Zukunft unbedingt zu vermeiden gilt. Ärztinnen und Ärzte sind es, die eine so wichtige Diagnose wie die zum Vorliegen einer Infektionskrankheit nach Infektionsschutzgesetz stellen und die davon betroffenen Patientinnen und Patienten behandeln können.“

„Wir verstehen, dass im Nachgang dieser bisher einmaligen weltweiten Pandemie jede Organisation auch den Blick auf das eigene Handeln und die Zukunft im Sinne von ‚lesson‘s learned‘ aus der Pandemie richten muss; so werden wir auch dies tun. Jedoch ist bereits heute klar, dass Medizin durch Ärztinnen und Ärzte gemacht wird und somit eine bestmögliche Patientenversorgung gewährleistet wird, dafür muss man sich nicht verstecken und der Arztvorbehalt für medizinische Entscheidungen ist daher im Infektionsschutzgesetz in bewährter Weise wieder vorzusehen.“, so Lars F. Lindemann, Hauptgeschäftsführer des SpiFa weiter.

Alle Positionen des SpiFa e.V. und seiner Mitgliedsverbände zur anstehenden Bundestagswahl 2021 sind unter www.MeinFacharztMeineWahl.de zu finden.

Fokussierung auf Risikogebiete und Testqualität

Mit dem Ziel, die Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus SARS-CoV-2 in Deutschland bestmöglich einzudämmen, konkretisiert der BDL seine Forderungen zur Neuausrichtung der Teststrategie in Deutschland in einem Drei-Punkte-Programm.

Diese Maßnahmen-Trias soll den Infektionsschutz speziell in der Urlaubszeit verbessern:

1. Alle Einreisenden aus allen Risikogebieten müssen im PCR-Verfahren getestet werden – innerhalb von 36 Stunden vor oder nach der Einreise sowie ein zweites Mal fünf Tage nach der Einreise im lokalen, ärztlich geführten Testzentrum. Um eine hohe Akzeptanz zu erreichen, sollen diese PCR-Tests für Reiserückkehrer kostenfrei sein.

2. Zwischen der Einreise aus den Risikogebieten und dem zweiten PCR-Test nach fünf Tagen gilt zwingend eine Quarantäne-Pflicht.

3. Gewerbliche Schnelltest-Zentren sollen geschlossen werden: Coronavirus-Infektionen asymptomatischer Personen werden durch Antigen-Schnelltests oder Selbsttests viel zu häufig nicht erkannt. Gerade bei der sehr ansteckenden Delta-Variante hat dies fatale Konsequenzen. Der Besuch im nichtärztlichen Testzentrum vermittelt hier falsche Sicherheiten. Fehler kommerzieller Betreiber haben zudem das Vertrauen in die betreffenden Einrichtungen zerstört. Die öffentlichen Mittel sollten stattdessen besser für zuverlässige und aussagekräftige Tests verwendet werden.

„Die medizinischen Labore verfügen über ausreichende Testkapazitäten im PCR-Verfahren und können auch alle positiven Proben auf bekannte Mutationen untersuchen“, versichert der BDL-Vorsitzende Dr. Andreas Bobrowski. „Nur mit einer zuverlässigen Diagnostik wird es uns gelingen, die Verbreitung der Delta-Variante zu verzögern und so Zeit für die Durchimpfung der Bevölkerung gewinnen“.

Teilen:
Quellen Spitzenverband Fachärzte Deutschl ands e. V. (SpiFa), 25.06.2021Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL)