Welche Rolle spielen Schlafstörungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie?

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Jugendliche, die mehr Stress in ihrem Alltag erleben, berichten auch häufiger über Schlafprobleme und psychische Auffälligkeiten. Zu diesem Ergebnise kommt die Arbeitsgruppe Entwicklungspsychologie und Entwicklungspathologie an der Universität Bielefeld.

„Ein zugrundeliegender Mechanismus zwischen diesen Problematiken stellt die hormonelle Reaktion der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse dar, kurz HPA-Achse genannt. Durch Ausschüttung von Glukokortikoid wie Cortisol reagiert der Körper auf akute Stressoren. Im Normalfall sinkt das Cortisollevel zeitnah nach dem Anstieg wieder. Bei häufigem oder langanhaltendem Stress kann es aber zu einer Dysfunktionalität der HPA-Achse kommen. Dabei steigt der Cortisolspiegel über das normale Maß an oder es kommt zu einer besonders geringen Cortisolaktivität. Beides konnte bereits im Zusammenhang mit Depressionen, verschiedenen Angststörungen oder auch Traumaerfahrungen festgestellt werden“, erklärt Maren-Jo Kater von der Bielefelder Forschungsgruppe.

Diese ist in einem experimentellen Stresstest der Frage nachgegangen, ob Jugendliche mit Hyporeaktivität belasteter sind als die mit normaler Stressreaktion. Dabei konnten sie feststellen, dass tatsächlich die Jugendlichen mit einer reduzierten Cortisolreaktion auf akuten Stress auch im Alltag häufiger Stress erleben und von mehr Schlafproblemen berichten. Zudem haben sie mehr internalisierende Probleme, wie Depressivitäts- und Angstsymptomatik, und eine geringere Lebensqualität.

Dies sind den Forschenden zufolge Hinweise auf hormonale Veränderungen durch verstärkte Belastungen in der Jugend, welche wiederum zu einem aktuellen oder zukünftigen Problemgeschehen beitragen können. Sowohl Schlafstörungen als auch psychische Störungen chronifizieren häufig vom Jugendalter bis in das Erwachsenenalter.

„Es stellt sich die Frage, ob die hormonale Veränderung ein Maß für das Chronifizierungsrisiko ist. Dies muss in weiteren Studien untersucht werden. Unabhängig davon sollten Schlafprobleme in der Jugend in therapeutischen und präventiven Maßnahmen angegangen werden, besonders, wenn über längere Zeit Stress erlebt wird, um eine Chronifizierung und komorbide psychische Störungen zu verhindern“, betont Kater.