Welt-Sepsis-Tag: Anästhesiologie will über Symptome aufklären und Forschung forcieren12. September 2023 Zum Welt-Sepsis-Tag machen DGAI und BDA auf die Symptome und Gefahren der lebensbedrohlichen Blutinfektion aufmerksam. Foto: Dr. Christian Hermanns/DGAI Es ist eine der häufigsten Todesursachen: Rund 230.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an einer Sepsis, mindestens 85.000 davon versterben – auch, weil das Wissen über Symptome im Allgemeinen sowie das fachspezifische Wissen über das, was bei einer Sepsis im Körper genau passiert, noch zu gering ist. Zum Welt-Sepsis-Tag, der alljährlich am 13. September stattfindet, wollen die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) sowie der Berufsverband Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten e.V. (BDA) daher auf die Bedeutung rechtzeitiger Erkennung und Forschung zum Thema aufmerksam machen. „A und O ist, die Sepsis frühzeitig zu diagnostizieren“, erklärt Prof. Gernot Marx, Leiter der Klinik für Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum Aachen und designierter Präsident der DGAI. In diesem Fall kann die Erkrankung meist gut behandelt werden. Doch viel zu häufig verstreichen wertvolle Stunden, bis die Sepsis erkannt und eine Behandlung eingeleitet wird. „Das muss sich ändern und dazu wollen wir beitragen“, so Marx. So wollen DGAI und BDA einmal mehr typische Symptome einer Sepsis in Erinnerung rufen. „Im Volksmund wird die Sepsis häufig als Blutvergiftung bezeichnet“, erläutert Marx. Doch mit einer Vergiftung habe die Krankheit eigentlich nichts zu tun. „Eine Sepsis ist der schwerste Verlauf einer Infektionserkrankung. Sie entsteht, wenn die Wirtsantwort auf die Infektion z.B. durch Bakterien, Pilze oder Viren derart aus dem Ruder läuft, dass es zum Auftreten schwerer Organfunktionsstörungen oder gar zum Organversagen kommt.“ Nie zuvor gekanntes Krankheitsgefühl Natürlich verläuft der weit überwiegende Teil von Infektionen völlig unauffällig. In seltenen Fällen jedoch kann eine Infektion eine Sepsis auslösen. Eines der Anzeichen ist dann, dass Erkrankte ein nie zuvor gekanntes Krankheitsgefühl haben oder darüber klagen. „Wenn auch noch der Pulsschlag übermäßig stark ansteigt, die Atmung deutlich erschwert ist, extreme Schmerzen auftreten oder sich die Haut feucht-kalt anfühlt, ist es höchste Zeit, Hilfe zu rufen“, erklärt Marx. Für die Experten in der Anästhesiologie ist es indes ebenso wichtig, die Umstände, die zu einer Sepsis führen, sowie Abläufe, die sich dabei im Körper abspielen, genau zu erforschen – und daraus Schlüsse für die Behandlung zu ziehen. Zu den neuesten Studien gehört daher zum Beispiel das deutschlandweite Projekt „DigiSep“ unter Leitung der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Essen. Dieses untersucht, wie Patienten von einer neuen, digitalen Methode zur Bestimmung des Erregers profitieren. Die DGAI hat dieses Projekt über ihr Forschungsnetzwerk TIFOnet realisiert – und damit den richtigen Nerv in der klinischen Forschung getroffen. „Deutlich mehr als die initial geplanten 20 Kliniken wollten im Verlauf der letzten zwei Jahre an der DigiSep-Studie teilnehmen, was das große klinische Interesse an Sepsis und digitaler Diagnostik widerspiegelt“, verdeutlicht Prof. Thorsten Brenner, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Essen und Sprecher der Sektion Intensivmedizin in der DGAI. Wie kommt es zum Organversagen? Einer, der sich im Rahmen seiner wissenschaftlichen Arbeit der Sepsis-Forschung verschrieben hat, ist Prof. Jan Roissant, Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Als Leiter des klinischen Forschungsverbunds „Organdysfunktion im Rahmen systemischer Inflammationssyndrome“ erforscht er die Entzündungsreaktionen und ein nachfolgendes Organversagen bei einer Sepsis und wird dafür in diesem Herbst von der DGAI mit dem von der Firma Franz Köhler-Chemie gestifteten Inflammation-Award 2023 ausgezeichnet. Zum Welt-Sepsis-Tag machen DGAI und BDA auf das World Sepsis Day Event 2023 zurUmsetzung der WHO Sepsis Resolution auf nationaler und internationaler Ebene aufmerksam. Die Hybridveranstaltung findet am 12. September 2023 in Berlin und online statt und bietet zahlreiche interessante Vorträge zum Thema. Die Sepsis Stiftung und die Global Sepsis Alliance haben zu diesem Anlass außerdem die „Berliner Deklaration zur Sepsis“ veröffentlicht und fordern darin die dringende Durchsetzung der WHO-Resolution zur Sepsis und die Wiederbelebung globaler Maßnahmen gegen Sepsis. Die DGAI zählt neben dem World Health Summit, der Virchow Foundation for Global Health und der Global Antibiotic Research & Development Partnership zu den Erstunterzeichnern der Deklaration.
Mehr erfahren zu: "Neu: „Schwerpunktversorgung Intensivmedizin“ am Universitätsklinikum Jena" Neu: „Schwerpunktversorgung Intensivmedizin“ am Universitätsklinikum Jena Als eine von wenigen Kliniken in Deutschland erhielt die Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Jena (UKJ) jüngst die Auszeichnung „Schwerpunktversorgung Intensivmedizin“.
Mehr erfahren zu: "Viele Kinder mit Grippe im Krankenhaus" Viele Kinder mit Grippe im Krankenhaus Der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) zufolge haben die meisten Kinder, die zurzeit wegen einer akuten Atemwegsinfektion ins Krankenhaus kommen, eine Grippe.
Mehr erfahren zu: "Schwerverletzte haben am UKL überdurchschnittlich gute Überlebensprognose" Schwerverletzte haben am UKL überdurchschnittlich gute Überlebensprognose Beim Standard der Versorgung und Behandlung Schwerverletzter Patienten zählt das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) zur bundesweiten Spitze. Dies geht aus dem TraumaRegister (TR) DGU® 2025 hervor, wie das Klinikum mitteilt.