Weltkrebstag: Neuerungen bei der Brustkrebs-Strahlentherapie in Österreich

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Krebserkrankungen sind für ein Viertel der jährlichen Todesfälle in Österreich verantwortlich. Laut Statistik Austria geht aber das Risiko an Krebs zu erkranken oder daran zu sterben tendenziell zurück.

Darauf weist die Medizinische Universität (MedUni) Wien anlässlich des heutigen Weltkrebstages hin. Demnach liegt dies unter anderem daran, dass durch die aktive heimische Krebsforschung stetig neue Verfahren und Erkenntnisse gewonnen werden und zusätzlich medizinische Innovationen rasch im klinischen Alltag umgesetzt werden können. Ein Beispiel dafür ist ein neuartiges Bestrahlungsregime, von dem rund ein Drittel der Brustkrebspatientinnen profitieren werden. Vorreiter bei der Umsetzung ist die Universitätsklinik für Radioonkologie von MedUni Wien und AKH Wien.

Die Krebsforscher des Comprehensive Cancer Center (CCC) von MedUni Wien und AKH Wien tragen auch hier zur Verbesserung von Verfahren bei. Ein Beispiel dafür ist die Teilnahme an einer großen, internationalen Studie zur Teilbrustbestrahlung mittels Brachytherapie bei Niedrigrisikopatientinnen (ohne beteiligte Lymphknoten).

Die Studie zeigte, dass eine Teilbrustbestrahlung mittels Brachytherapie genauso gut vor einem Wiederkehren der Erkrankung schützt, wie die traditionelle Ganzbrustbestrahlung, dabei aber wesentlich weniger Normalgewebe, wie etwa Haut, Lunge oder Herz belastet wird. Durch diese Erkenntnis konnte die Teilbrustbestrahlung auch in Österreich rasch als Standardtherapie etabliert werden. Neben der Brachytherapie konnte sich über die letzten Jahre auch die Teilbrustbestrahlung mittels Außenbestrahlung etablieren und wird derzeit innerhalb von ein bis drei Wochen ambulant mit bester Verträglichkeit durchgeführt.

Drastische Verkürzung der Behandlungsdauer bei hervorragender Verträglichkeit

Aber auch die herkömmliche Bestrahlung konnte in den letzten Jahren revolutioniert werden. Seit den 80er Jahren mussten sich Patientinnen nach brusterhaltender Operation, aber oft auch nach einer Mastektomie, täglich einer fünf- bis sechswöchigen Strahlentherapie unterziehen, was 25 – 30 Behandlungen bedeutete. Bereits 2013 konnten Langzeitdaten zur Hypofraktionierung zeigen, dass eine Reduktion der Behandlungsdauer auf 15 Bestrahlungen gleich gute Behandlungsergebnisse bei weniger Nebenwirkungen bringt.

Die aktuellsten Daten zur Therapieverkürzung, die in die neuesten Behandlungsleitlinien der Europäischen Gesellschaft für Radioonkologie (ESTRO) eingeflossen sind, zeigen nun, dass bei einem beträchtlichen Anteil von Brustkrebspatientinnen sogar lediglich fünf Strahlenbehandlungen ausreichen, um beste Behandlungsergebnisse zu erreichen. Auch hier kommt es bei fünf Behandlungen zu einer deutlichen Erhöhung der täglichen Bestrahlungsdosis, andererseits wird aber auch die Gesamtdosis und Gesamtbehandlung drastisch reduziert.

Daniela Kauer-Dorner, Universitätsklinik für Radioonkologie von MedUni Wien und AKH Wien sowie Mitglied des CCC: „Für unsere Patientinnen bedeutet das nun weniger Strahlenbelastung bei gleichwertigem Behandlungsergebnis, und dies mit weniger Nebenwirkungen (Hautreizungen und Müdigkeit) und weniger Zeitaufwand. Das ist vor allem für Frauen, die im Arbeitsleben stehen, Kinder zu betreuen haben oder weit entfernt vom Behandlungsort leben, von großer Relevanz.“

Rasche Umsetzung der Innovation

Die ESTRO-Leitlinie für die Verabreichung der ultrakurzen Radiotherapie ist im Januar erschienen. Die Universitätsklinik für Radioonkologie von MedUni Wien und AKH Wien bereitet die Umsetzung des Behandlungsregimes bereits für Anfang des zweiten Quartals 2022 vor. Joachim Widder, Leiter der Universitätsklinik für Radioonkologie von MedUni Wien und AKH Wien sowie Leiter des CCC dazu: „Das neue Bestrahlungsregime ist Ergebnis konsequenter klinischer Forschung und beruht auf höchster Evidenz. Es revolutioniert die Behandlung des frühen Brustkrebses, da es nicht nur den Patientinnen mehr Lebensqualität bei gleichem Behandlungsergebnis bietet, sondern die Radiotherapie noch effizienter macht als bisher.“

Prävention wesentlich

Neben der Weiterentwicklung von Diagnose, Therapie und Nachbehandlung ist es den VertreterInnen des CCC dennoch wichtig zu betonen, dass gerade beim Thema Krebs Vorbeugung besonders wichtig und sinnvoll ist. Widder: „Viele Krebserkrankungen wären vermeidbar. So erhöhen das Rauchen, Kauen oder Schnupfen von Tabak, aber auch das Passivrauchen, übermäßiger Konsum von Alkohol und ein ungesunder Lebensstil mit wenig Bewegung das Risiko, an Krebs zu erkranken signifikant. Mit der HPV-Impfung kann das Gebärmutterhalskarzinom und möglichweise noch andere Tumoren in einigen Jahrzehnten ganz verschwinden.“