Welttollwuttag: Warum Prävention und One Health entscheidend bleiben

(Symbolbild) Abb.: © Ehesan – stock.adobe.com

Tollwut gehört zu den tödlichsten Infektionskrankheiten der Welt und gleichzeitig zu denen, die sich am wirksamsten verhindern lassen. Dennoch verlieren jedes Jahr fast 60.000 Menschen ihr Leben durch die Krankheit. Der Welttollwuttag am 28. September rückt deshalb die Bedeutung konsequenter Prävention und langfristiger Bekämpfungsmaßnahmen in den Mittelpunkt.

Wie schnell erzielte Fortschritte wieder gefährdet sein können, zeigen die jüngsten Tollwutfälle in Teilen Mitteleuropas. Sie verdeutlichen, dass auch Regionen, in denen die Krankheit weitgehend zurückgedrängt wurde, weiterhin wachsam bleiben müssen. Eine zuverlässige Überwachung und nachhaltige Investitionen sind dabei ebenso entscheidend wie die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg.

Genau hier setzt der One Health-Ansatz an. Die Krankheit verbindet Fragen der Tiergesundheit, der menschlichen Gesundheit und des Umweltmanagements. Eine erfolgreiche Bekämpfung erfordert daher ein koordiniertes Vorgehen von Veterinär- und Gesundheitsbehörden, Wildtierexperten, politischen Entscheidungsträgern, lokalen Gemeinschaften und Partnern aus der Industrie.

Impfungen als Grundpfeiler der Tollwutprävention

Impfungen sind nach wie vor das wirksamste Mittel zur Bekämpfung der Tollwut. Entscheidend ist jedoch, einen ausreichenden Impfschutz in den Tierpopulationen aufzubauen und langfristig aufrechtzuerhalten. Dafür braucht es mehr als regelmäßige Impfkampagnen. Langfristiges Engagement, ausreichende Ressourcen und auf die lokalen Gegebenheiten zugeschnittene Strategien sind unerlässlich, damit der Schutz auch die am stärksten gefährdeten Tierpopulationen erreicht.

Eine wesentliche Herausforderung stellen dabei Tierpopulationen dar, die mit klassischen Impfmethoden nur schwer erreicht werden können. Eine besondere Rolle spielen Hunde, die weltweit weiterhin die wichtigste Quelle für Tollwutinfektionen beim Menschen sind. Vor allem freilebende und streunende Hunde sowie Wildtierpopulationen lassen sich mit klassischen Impfmethoden nicht immer ausreichend erreichen. Um solche Lücken im Impfschutz zu schließen und ein erneutes Auftreten der Krankheit einzudämmen, sind daher unterschiedliche Ansätze erforderlich. Dazu können auch orale Impfstrategien beitragen, mit denen sich der Impfschutz auf schwer erreichbare Tierpopulationen ausweiten lässt.

Prävention allein reicht nicht aus

Um Tollwut langfristig einzudämmen, müssen Impfmaßnahmen durch eine zuverlässige Überwachung ergänzt werden. So können neue Fälle frühzeitig erkannt, die weitere Ausbreitung verfolgt und Maßnahmen gezielt dort eingesetzt werden, wo sie am dringendsten benötigt werden.

Eine zeitnahe Laborbestätigung, transparente Meldemechanismen und ein koordinierter Informationsaustausch zwischen den Tiergesundheits- und öffentlichen Gesundheitsbehörden sind allesamt entscheidende Bestandteile eines wirksamen Überwachungssystems.

One Health: Zusammenarbeit als Schlüssel

Damit regionale und globale Programme zur Ausrottung der Tollwut erfolgreich sein können, muss die Zusammenarbeit über einzelne Sektoren hinausgehen. Regierungen und kommunale Einrichtungen sind dabei ebenso gefragt wie die Zivilgesellschaft, Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus dem Bereich der Tiergesundheit. Nur durch ihr Zusammenspiel lassen sich wirksame und wissenschaftlich fundierte Strategien entwickeln und erfolgreich umsetzen.

Die notwendigen Mittel, um die Belastung durch Tollwut deutlich zu verringern und durch Hunde übertragene Tollwut beim Menschen letztendlich auszurotten, stehen bereits zur Verfügung. Die Herausforderung liegt nicht in fehlenden wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern darin, bewährte Maßnahmen nachhaltig umzusetzen. Dafür bleiben Investitionen in Impfungen, Überwachung und sektorübergreifende Zusammenarbeit unerlässlich.

Der Welttollwuttag erinnert dementsprechend daran, was erreicht werden kann, wenn Präventivmedizin und One Health-Prinzipien in koordinierte Maßnahmen umgesetzt werden und warum dieses gemeinsame Engagement auch weiterhin notwendig bleibt.

Über die Autorin

Dr. Gowri Yale ist Tierärztin und international anerkannte Expertin für Tollwut. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der Prävention und Überwachung von Krankheiten sowie im öffentlichen Veterinärwesen. Durch ihre praktische Arbeit und ihr Engagement in der Aufklärung verfügt sie über fundierte Kenntnisse der mit Tollwut verbundenen Risiken und darüber, wie Menschen und Tiere wirksam geschützt werden können.