Weltweit größte Anlage zur Produktion von Lutetium-177 eröffnet

Staatsminister Florian Herrmann mit ITM-Geschäftsführer Steffen Schuster (v.l.) an einem Modell einer Heißen Zelle zur Herstellung von Lutetium-177. Foto: ITM

In Neufahrn bei München hat die Firma ITM Isotope Technologies Munich SE (ITM) gemeinsam mit Staatsminister Dr. Florian Herrmann eine neue Herstellungsanlage für Radionuklide zur Krebsbehandlung eröffnet. Diese soll die Kapazitäten verzehnfachen.

Laut ITM handelt es sich um die weltweit größte Anlage zur Herstellung von Lutetium-177, eines Isotops, das in der Krebstherapie eingesetzt wird. Aufgrund seiner medizinischen Eigenschaften habe Lutetium-177 als Ausgangsmaterial zur Herstellung vieler Radiotherapeutika in den vergangenen Jahren weltweit an Bedeutung in der Präzisionsonkologie gewonnen. Nach voller Inbetriebnahme der neuen Produktionsstätte NOVA werde ITM ihre Kapazitäten für die Versorgung von Kliniken, Pharmapartnern und der eigenen Medikamentenpipeline um das Zehnfache erhöhen. Damit will das Unternehmen dazu beitragen, die stark steigende Nachfrage für die Patientenversorgung weltweit zu decken.

„Radiopharmazeutische Forschung und Entwicklung spielen in der Medizin seit Jahren eine immer größere Rolle. Die nun durch ITM eröffnete, weltweit größte Anlage zur Produktion von Lutetium-177 für zielgerichtete Radionuklidtherapien gegen Krebs ist daher ein wichtiger Meilenstein – sowohl für das Unternehmen, den Forschungs- und Produktionsstandort Bayern insgesamt und natürlich die Patienten“, kommentierte Dr. Florian Herrmann, Leiter der Staatskanzlei und Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Medien.

„Radiopharmazeutika bilden eine essenzielle neue Klasse an Krebsmedikamenten, die das Potenzial haben, die Therapieergebnisse und Lebensqualität vieler Patienten zu verbessern. ITMs weiterer Produktionsstandort ist ein wichtiger Beitrag für die medizinische Forschung und die Medikamentenversorgung von Patienten in Deutschland und weltweit“, sagte Udo J. Vetter, Aufsichtsratsvorsitzender von ITM und Beiratsvorsitzender von Vetter Pharma.

Die Entwicklung und Produktion von medizinischen Radioisotopen durch ITM wurde unter anderem durch langjährige Zusammenarbeit mit dem Forschungsreaktor Garching (FRM II) und der Technischen Universität München (TUM) ermöglicht. ITM wird den neuen Produktionsstandort im NOVA Neufahrn Gewerbepark zusätzlich zu ihrer bereits bestehenden Herstellungsanlage IAZ am Hauptstandort in Garching bei München betreiben.

Alle zur Inbetriebnahme notwendigen technischen Zulassungsarbeiten sowie behördlichen Abnahmen haben nach Angaben des Unternehmens begonnen oder sind terminiert. Die ersten Testläufe der Anlage seien in den nächsten Monaten geplant, letzte behördliche Genehmigungen im kommenden Jahr.

Technologisch auf dem Stand der “Industrie 4.0” soll der neue Produktionsort auf rund 7.000 m2 einen hohen Grad an Automatisierung in Produktionsprozess und interner Logistik erreichen. Im Zusammenspiel mit seiner direkten Anbindung zum Münchner Flughafen ermögliche er somit den zeitnahen Versand der kurzlebigen therapeutischen Isotope und Radiopharmazeutika weltweit, heißt es seitens ITM. Der neue Standort biete Reinräume, Labore und Büros, die von bis zu 200 Mitarbeitenden für Forschung sowie die radiopharmazeutische Herstellung und aseptische Produktion mit höchsten Qualitätsstandards genutzt werden können.

Über die gezielte Radionuklidtherapie

Bei der gezielten Radionuklidtherapie werden sehr kleine Mengen radioaktiver Verbindungen zur Diagnose und Behandlung verschiedener solider Tumorerkrankungen verwendet. In vivo injiziert, sammeln sich Radiopharmazeutika direkt im betroffenen Organ oder Tumor an, wodurch umliegendes gesundes Gewebe weitgehend geschont wird. Die hohe Spezifität der radiopharmazeutischen Diagnostik und Therapie hat das Potenzial, selbst kleinste Gewebeveränderungen wie Tumormetastasen zu erkennen und gezielt zu behandeln. Aufgrund dieser Eigenschaften und ihres Sicherheitsprofils wird die Radionuklidtherapie daher bereits in der Behandlung unterschiedlicher Krebsarten wie neuroendokrine Tumoren (NETs) sowie bestimmter metastasierter Prostatatumoren eingesetzt.

(ITM/ms)