Weniger Herzrhythmusstörungen dank Strahlentherapie

Seit einigen Jahren kommt die Strahlentherapie auch zur Behandlung von schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen zum Einsatz. Wirksamkeit und Sicherheit des Verfahrens werden in der Registerstudie STOPSTORM erfasst. (Symbolfoto: ©wedmoments.stock/adobe.stock.com)

Eine hochpräzise Strahlentherapie kann die Zahl ventrikulärer Tachykardien deutlich senken. Das zeigt die erste größere prospektive europäische Registerstudie zur stereotaktischen Arrhythmie-Radioablation.

Die ersten Ergebnisse der Registerstudie namens STOPSTORM erschienen jetzt im „European Heart Journal“. Geleitet wird das europäische Konsortium von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH).

Die Behandlung mit der stereotaktischen Arrhythmie-Radioablation (STAR) richtet sich an Menschen mit ventrikulären Tachykardien. Diese können zum plötzlichen Herztod führen und sind mit wiederkehrenden Schocks eines implantierten Defibrillators, Krankenhausaufenthalten und einer stark eingeschränkten Lebensqualität verbunden. Die in der Studie erfassten Patienten hatten trotz leitliniengerechter Behandlung weiter anhaltende Rhythmusstörungen und kamen für eine weitere medikamentöse Behandlung oder eine Katheterablation nicht mehr infrage.

Deutlich weniger Rhythmusstörungen nach der Behandlung

In der jetzt veröffentlichten Zwischenanalyse wurden 193 Patientinnen und Patienten aus 28 Zentren in Europa ausgewertet. Damit liefert die Studie erstmals ein größeres europäisches Bild zu dieser bislang nur an vergleichsweise kleinen Fallzahlen untersuchten Behandlung. Bei 107 auswertbaren Personen mit einer Nachbeobachtungszeit von mindestens sechs Monaten verringerte sich die Zahl ventrikulärer Tachykardieereignisse nach STAR im Durchschnitt um 80 Prozent im Vergleich zu den sechs Monaten davor. Von den Patienten, die mindestens sechs Monate überlebten, blieben 72 Prozent nach der Behandlung frei von Schocks durch ihren implantierten Defibrillator.

„Für eine Patientengruppe mit fortgeschrittener Herzerkrankung und sehr begrenzten Behandlungsmöglichkeiten sind das wichtige Ergebnisse“, sagt PD Dr. Oliver Blanck, Koordinator des STOPSTORM-Konsortiums an der Klinik für Strahlentherapie des UKSH, Campus Kiel. „Wir sehen, dass die Zahl der gefährlichen Rhythmusstörungen und auch die Zahl belastender Defibrillator-Schocks nach der Behandlung deutlich zurückgehen kann.“

Hinweise auf ein beherrschbares Sicherheitsprofil

Auch die Sicherheit der Behandlung wurde untersucht. In der gesamten Patientenkohorte wurden zwölf schwerwiegende Nebenwirkungen als möglicherweise oder wahrscheinlich behandlungsbedingt eingestuft. Behandlungsbedingte Todesfälle wurden nicht beobachtet. Zugleich betonen die Studienautoren, dass es sich um eine sehr schwer erkrankte Patientengruppe mit insgesamt hoher Sterblichkeit handelt.

Enge Zusammenarbeit von Kardiologie, Rhythmologie und Strahlentherapie

STAR ist eine nicht-invasive Behandlungsoption. Dabei erfolgt der Eingriff nicht über einen Katheter im Herzen, sondern mithilfe einer einmaligen hochpräzisen Bestrahlung des krankheitsauslösenden Areals. Dafür arbeiten Kardiologie und Strahlentherapie besonders eng zusammen. „STOPSTORM gibt auch der Zusammenarbeit bislang eher getrennter Fachgebiete neue Impulse“, sagt Blanck. „Kardiologie, Rhythmologie und Strahlentherapie entwickeln hier gemeinsam eine neue Option für Menschen mit sonst kaum beherrschbaren Herzrhythmusstörungen.“

Prof. Roland Tilz, Direktor der Klinik für Rhythmologie, Campus Lübeck, ergänzt: „Für ausgewählte Patientinnen und Patienten, die von einer medikamentösen Therapie und Verödungstherapie nicht mehr profitieren, ist diese neuartige Behandlung eine hervorragende Alternative.“

Weitere Auswertungen des laufenden Registers geplant

In dem STOPSTORM-Register sind bereits mehr als 350 retrospektive und prospektive Fälle erfasst. Doch die Rekrutierung und die Nachbeobachtung laufen weiter. Das Ziel des Konsortiums: Auswahl, Zieldefinition, Behandlungsabläufe und Auswertung der Ergebnisse europaweit besser zu vereinheitlichen.

„Die Ergebnisse sind ein wichtiger Schritt, aber noch nicht der Endpunkt der Entwicklung“, sagt Prof. David Krug, Direktor der Klinik für Strahlentherapie des UKSH, Campus Kiel. „Wir wollen besser verstehen, welche Patientengruppen besonders profitieren, wie dauerhaft der Effekt ist und wie sich die Behandlung langfristig auf Sicherheit und Krankheitsverlauf auswirkt.“

Dr. Evgeny Lian, Bereichsleiter Elektrophysiologie der Klinik für Innere Medizin III – Kardiologie und Internistische Intensivmedizin, Campus Kiel, ergänzt: „Diese Daten eröffnen uns eine neue Perspektive. Unsere Forschung zielt darauf, den Weg von der Diagnostik bis zur Therapie vollständig nicht invasiv und präziser zu gestalten und die Behandlung so künftig mehr Betroffenen zugänglich zu machen.“

STOPSTORM wird durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union mit 7,16 Millionen Euro gefördert. Das Register wurde im Dezember 2022 eröffnet (wir berichteten).