Weniger Langzeit-Opioide durch medizinisches Cannabis

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Eine Kohortenstudie aus dem US-Bundesstaat New York liefert Hinweise darauf, dass die längere Verwendung (>30 Tage) von medizinischem Cannabis (MC) bei Schmerzpatienten mit Langzeit­opioidtherpie (LOT) zu einer Reduktion der Opioiddosis führt. Dies könnte auch das Risiko einer Opioidüber­dosierung der Patienten verringern, wie die Verfasser der Studie in „JAMA Network Open“ spekulieren.

Um die Veränderungen in der Opioid­dosierung bei Patienten mit chronischen Schmerzen zu bewerten, verwendeten Trang Nguyen und Mitarbeiter die Daten des New York State Prescription Monitoring Programms aus den Jahren 2017–2019. Ausgewählte Patienten (n=8165) waren zunächst mit einer LOT eingestellt und bekamen dann zusätzlich MC – entweder für einen Zeitraum von bis zu 30 Tagen (Nichtexpositionsgruppe; n=4124; mittleres Alter 54 Jahre; IQR 44–62; 57,5 % Frauen) oder von mehr als 30 Tagen (Expositionsgruppe; n=4041; mittleres Alter 57 Jahre; IQR 47–65; 58,8 % Frauen).

Zielparameter der Untersuchung war die Opioiddosis, gemessen als mittleres tägliches Morphin-Milligramm-Äquivalent (MME). Die Ergebnisse wurden, stratifiziert nach Opioiddosis vor Beginn der MC-Therapie, in drei Gruppen analysiert: MME <50, MME 50–89 und MME ≥90. Die tägliche MME zu Studienbeginn war in den Expositions- und Nichtexposi­tionsgruppen ähnlich. Der Beobachtungszeitraum betrug acht Monate nach Beginn des MC.

Während der Nachbeobachtung fanden die Studienautoren in der Expositionsgruppe eine signifikant stärkere Verringerung der Opioid­dosis. Auch stellten sie einen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zwischen der Ausgangs-Opioid­dosierung und den Unterschieden in der monatlichen MME-Reduktion zwischen der Expositions- und Nichtexpositionsgruppe fest. Dabei betrug der Unterschied -1,52 MME (95 %-Konfidenzintervall [KI] -1,67 bis -1,37) für die Patienten der niedrigsten Ausgangs-Opioiddosis, -3,24 MME (95 %-KI -3,61 bis -2,87) für die mittlere Ausgangsdosis und -9,33 MME (95 %-KI -9,89 bis -8,77) für die höchste.

Bei Personen der Expositionsgruppe reduzierte sich die tägliche MME im letzten Monat des Nach­beobachtungszeitraums im Vergleich zu den Ausgangs-Opioid­dosierungen um 48 Prozent in der niedrigsten MME-Gruppe, um 47 Prozent in der mittleren Gruppe und um 51 Prozent in der höchsten. Im Vergleich dazu lagen die MME-Reduktionen bei den Personen der Nichtexposi­tionsgruppe bei nur vier, neun beziehungsweise 14 Prozent. (ah)