Weniger niesen bei allergischer Rhinitis dank einer heißen Tasse Matcha?

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Es gibt jetzt einen weiteren Grund, Japans berühmten Matcha zu lieben: Eine Studie an Mäusen legt nahe, dass das grüne Teepulver den Niesreiz bei Menschen mit allergischer Rhinitis verringern könnte.

Seit dem 16. Jahrhundert ist Matcha Kern der japanischen Teezeremonie. Das leuchtend grüne Pulver wird aus speziell angebauten, getrockneten und gemahlenen Grünteeblättern hergestellt. Außer zur Teezubereitung wird es auch als Aromastoff in vielen Produkten verwendet. Diese sind inzwischen selbst in deutschen Supermärkten verbreitet, ob als Tee oder Schokolade. Dem grünen Pulver werden auch positive Effekte auf die Gesundheit nachgesagt.

Matcha: Antioxidative Wirkung vermutet

So konnten frühere Forschungen zeigen, dass der Tee hohe Mengen biologisch aktiver Verbindungen enthält, etwa Catechine, Carotine oder die Vitamine A, B, C und E. Matcha wird mit einer antioxidativen Wirkung sowie verschiedenen gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht – beispielsweise einer verbesserten Herz- und Gehirnfunktion sowie reduzierter Entzündung.

„Studien am Menschen deuten darauf hin, dass grüner Tee allergische Rhinitis lindern kann, aber wie genau, ist unklar“, erklärt Prof. Osamu Kaminuma vom Forschungsinstitut für Strahlenbiologie und Medizin der Universität Hiroshima (Japan). Er hat die Wirkung von Matcha auf die Symptome allergischer Rhinitis im Mausmodell untersucht.

Mäuse mit allergischer Rhinitis niesen weniger durch Matcha

Die Mäuse waren genetisch so verändert, dass sie Symptome einer allergischen Rhinits zeigten. Kaminuma und sein Team verabreichten den Mäusen über mehr als fünf Wochen hinweg zwei- bis dreimal pro Woche Matcha-Tee. Außerdem erhielten die Mäuse eine zusätzliche Dosis 30 Minuten vor dem Kontakt mit einem Allergen, das ihre Symptome auslösen sollte. Die Ergebnisse der Studie sind in „npj Science of Food“ erschienen (open access).

Kaminuma et al. stellten fest, dass die Mäuse mit allergischer Rhinitis durch die Matcha-Behandlung deutlich weniger niesten als erwartet. Interessanterweise schien der Matcha keine Wirkung auf immunologische Reaktionen zu haben, die von Immunglobulin E (IgE), Mastzellen oder T‑Zellen abhängig sind. Auch auf das Darmmikrobiom hatte Matcha keinen Einfluss.

Wichtige Immunmarker nicht deutlich verändert

Das Team untersuchte die Aktivität des Gens c‑Fos, das als Indikator für neurologische und Verhaltensreaktionen auf starke Reize – wie die Exposition gegenüber einem Heuschnupfenallergen – dient. Dieses Gen wird im ventralen spinalen Trigeminuskern caudalis exprimiert. Dieses Hirnareal ist am Niesreflex beteiligt. Die Forschenden fanden heraus, dass die Expression von c-Fos bei Mäusen mit allergischer Rhinitis anstieg, durch die Matcha‑Behandlung jedoch fast wieder auf das Normalniveau zurückging.

„Oral verabreichter Matcha verringerte das Niesen, ohne die wichtigsten Immunmarker deutlich zu verändern. Stattdessen hemmte er stark die neuronale Aktivierung im Hirnstamm, die mit dem Niesreflex verbunden ist“, erläuterte Kaminuma die Studienergebnisse. Somit reduziere Matcha potenziell Symptome einer allergischen Rhinitis. Dies geschehe unabhängig von einer durch IgE/Mast- oder T-Zellen vermittelten Kaskade, sondern durch ein direktes Herunterregulieren des Nies-Reflexes, resümieren die Studienautoren.

Der nächste Schritt besteht für die Studienautoren darin, zu untersuchen, ob diese Effekte auch beim Menschen auftreten. „Unser Ziel ist eine evidenzbasierte, lebensmittelgestützte Option als Ergänzung zur Standardbehandlung von Symptomen der allergischen Rhinitis“, so Kaminuma. (ja/BIERMANN)