Wenn das Verlangen nach Cannabis zur Sucht wird10. Juni 2024 Dae-In Chang ist Oberarzt im Behandlungsbereich für Abhängigkeitserkrankungen und bietet seit Kurzem auch eine ambulante Sprechstunde für Menschen mit einer Cannabiskonsumstörung an. (Foto: LWL/privat) Die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin des Universitätsklinikums Bochum im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) stellt für Erwachsene ab 18 Jahren in ihrer Institutsambulanz ein neues Angebot bereit: die Cannabissprechstunde im Behandlungsbereich der Abhängigkeitserkrankungen. Wenn Menschen nicht in der Lage sind, mit dem Cannabisrauchen aufzuhören, und Anzeichen einer Konsumstörung zeigen – wie andauernder Cannabiskonsum trotz gesundheitlicher und gravierender sozialer Probleme im persönlichen Umfeld und im Alltag –, spätestens dann ist Hilfe angezeigt. Hierfür stellt die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin des Universitätsklinikums Bochum im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) für Erwachsene ab 18 Jahren in ihrer Institutsambulanz ein neues Angebot bereit: die Cannabissprechstunde. „Unser Angebot richtet sich an Menschen, die einen erhöhten Leidensdruck im Zusammenhang mit dem Cannabiskonsum an sich feststellen“, beschreibt Oberarzt Dae-In Chang. „Dazu gehören ein starkes Verlangen nach Cannabis wie aber auch erfolglose Versuche, mit dem Konsum aufzuhören, sowie Antriebsschwierigkeiten und mangelnde Leistungsfähigkeit in der Schule oder am Arbeitsplatz.“ In seine Sprechstunde kommen Patienten zunächst für ein Vorgespräch und Diagnostik. Erst dann wird ein individuelles Behandlungsangebot gemacht. „Oft reicht eine ambulante Behandlung“, erklärt Chang. „Wenn zusätzlich psychichiatrische Begleiterkrankungen wie Depressionen und Angststörungen festgestellt werden, werden diese mitberücksichtigt und behandelt.“ In sehr schweren Fällen kann auch eine stationäre qualifizierte Cannabisentgiftung erforderlich sein. Je früher die Betroffenen eine Therapie beginnen, umso größer sei der Behandlungserfolg, weiß Chang. Bei fortschreitender Cannabisabhängigkeit ist das Risiko für andere negative Folgen, wie Aufmerksamkeits-, Gedächtnis- und Lernprobleme sehr hoch. Im schlimmsten Fall löst der Drogenkonsum Psychosen oder andere schwerwiegende psychische Störungen aus. Erhöhte Vorsicht ist für Patienten geboten, die bereits unter einer endogenen Psychose leiden. Diese kann erneut auftreten oder sogar chronisch werden und zum Beispiel mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen einhergehen. Neben der Beratung der Betroffenen sowie von Angehörigen aus Familien- oder Freundeskreisen umfasst das Behandlungsangebot weiterhin psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung, Psychoedukation und ein verhaltenstherapeutisches Therapiekonzept.
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