Wenn der Knochenbruch nicht heilt: Infektion kann die Ursache sein15. Oktober 2026 Bild: praisaeng – stock.adobe.com Experten diskutieren über die neue S2k-Leitlinie „Frakturassoziierte Infektionen nach Osteosynthese“ auf dem Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2026. Infektionen nach operativ versorgten Knochenbrüchen gehören zu den schwerwiegendsten Komplikationen der Orthopädie und Unfallchirurgie. Bei offenen Frakturen können bis zu 35 Prozent der Betroffenen eine solche Infektion entwickeln, konstatiert die Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Erstmals gebe es nun in Deutschland eine eigene Leitlinie, die Empfehlungen dazu bündelt, wie Infektionen nach einem Knochenbruch verhindert, erkannt und behandelt werden können. Die „S2k-Leitlinie Frakturassoziierte Infektionen nach Osteosynthese“1 wurde unter Federführung der DGOU erarbeitet. „Mit der neuen Leitlinie schaffen wir erstmals eine gemeinsame Orientierung für die Versorgung dieser schwerwiegenden Infektionen. Auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie diskutieren wir die neuen Empfehlungen mit den Ärztinnen und Ärzten, die sie künftig im Versorgungsalltag anwenden“, so Prof. Frank Hildebrand, Präsident des DKOU und DGOU-Präsident. Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Orthopädie und Unfallchirurgie – Mitteilungen und Nachrichten“ (OUMN)2 stellt die neue Leitlinie vor; ein kompakter Diagnostik- und Therapiealgorithmus bietet Ärztinnen und Ärzten zusätzlich einen praxisnahen Leitfaden für den Versorgungsalltag. Biofilme verursachen frakturassozierte Infektionen Frakturassoziierte Infektionen entstehen, wenn Bakterien in den Bereich eines Knochenbruchs gelangen und dort Knochen, umliegendes Gewebe sowie eingesetzte Schrauben, Platten und Nägel besiedeln, die für die Stabilisation des gebrochenen Knochens notwendig sind. Auf der Implantat-Oberfläche können die Bakterien dann einen Biofilm bilden, eine Art Schutzschicht, die es dem Immunsystem und Antibiotika erschwert, die Erreger zu beseitigen, erläutert die Fachgesellschaft. Besonders gefährdet seien offene Knochenbrüche: Hier können Keime über die offene Wunde direkt in das verletzte Gewebe gelangen. Aber auch nach geschlossenen Frakturen treten Infektionen auf; hier liegt das Risiko bei etwa ein bis zwei Prozent. Infektionen sind nicht immer sofort zu erkennen Das Tückische ist laut der Experten, dass eine solche Infektion nicht immer sofort zu erkennen ist. Eine gerötete oder nässende Wunde, Fieber oder Eiter können deutliche Warnzeichen sein. Manchmal zeige sich die Infektion aber lediglich dadurch, dass der Knochen nicht so heilt, wie er sollte. Bis zu einem Drittel der Pseudarthrosen könne infektionsbedingt sein. Deshalb empfehle die neue Leitlinie, bei einer ausbleibenden Knochenheilung immer auch eine Infektion als mögliche Ursache abzuklären. „Eine Infektion muss nicht bedeuten, dass die Wunde eitert. Wenn ein Knochen über längere Zeit nicht heilt, müssen wir auch an eine Infektion denken. Je früher wir sie erkennen, desto gezielter können wir behandeln“, so Prof. Volker Alt, Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Regensburg und federführender Autor der Leitlinie. Leitline mit Empfehlungen zur Prävention, Therapie und Nachsorge Die neue Leitlinie beschreibt erstmals ein abgestimmtes Vorgehen von der Vorbeugung bis zur Nachsorge. Bei offenen Brüchen gehört dazu beispielsweise, frühzeitig Antibiotika zu geben und verschmutztes oder abgestorbenes Gewebe sorgfältig zu entfernen. Besteht der Verdacht auf eine Infektion, sollen zur Bestimmung der Erreger mehrere Gewebeproben aus tiefen Gewebsschichten entnommen werden. Ein einfacher Abstrich von der Wunde reicht dafür nicht aus. Referenzen:1. S2k-Leitlinie Frakturassoziierte Infektionen nach OsteosyntheseGültig bis: 01.02.20312. Alt V et al. Frakturassoziierte Infektionen nach Osteosynthese. S2k-Leitlinie unter Federführung der DGOU. Orthopädie und Unfallchirurgie 2026;5. DKOU-Session:Sektion Muskuloskelettale Infektionen | Moderne Therapieaspekte bei Infektionen in O&UMittwoch, 21.10.2026, 12:00-13:00 UhrNew York 1
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