Wenn die Akkommodation verloren geht und die Brille stört: IOL zur Presbyopiekorrektur

Keynote-Lecturer Ramin Khoramnia (l.) erhält von Thomas Kohnen die Ehrenurkunde und ein „Dankeschön“-Präsent der AAD. Foto: Schulz/Biermann Medizin

Mit dem Alter kommt die Alterssichtigkeit – eine Einschränkung, die heute auch für jene kein Problem mehr sein muss, die die Brille als störend empfinden. Die refraktive Linsenchirurgie bietet zahleiche Optionen der Korrektur. Doch welche Linse ist für wen die richtige?

Prof. Ramin Khoramnia, Direktor der Universitätsaugenklinik Dresden, gab in seiner Keynote zur refraktiven Chirurgie einen umfassenden Überblick über Linsentypen und -eigenschaften. Grundsätzlich gilt: Die eine optimale Lösung existiert nicht, gewisse Nachteile sind in Kauf zu nehmen. „Es gibt keinen „free lunch in optics“, fasste Khoramnia in einem Satz zusammen.
Das Patientengespräch ist daher entscheidend, um die geeignete Optik zu finden. Wichtig ist auch, so der Rat des Experten, den Patienten nie zu viel zu versprechen Diese freuten sich dann um so mehr, wenn das Ergebnis besser sei als erwartet („underpromise, overdeliver“).

EDOF-IOL und trifokale Linsen

Seinem Referat stellte Khoramnia einen Blick auf die ESCRS-Klassifikation der Simultaneous Vision IOLs voran. Danach konzentrierte er sich unter anderem auf EDOF- und trifokale IOL. Immer wieder präsentierte er zu einzelnen Modellen die Defokuskurven, seien diese doch entscheidend für die IOL-Performance und -Klassifikation.
EDOF-Linsen sind laut Khoramnia bei der Presbyopie-Korrektur bereits fast genauso stark vertreten wie der trifokale Linsentyp. Die EDOF-IOL wiederum unterteilte er in den diffraktiven und refraktiven Typ sowie in die Lochblenden- und X-Wave-Technologie.
Der Vorteil der EDOF-IOL bestehe darin, dass sie deutlich weniger photische Phänomene verursachten, unterstrich Khoramnia. In der Nahdistanz seien sie aber „nur“ alltagstauglich. So gäben in Real-World-Untersuchungen rund 50 Prozent der Patienten mit EDOF-IOL an, eine Lesebrille zu benötigen. Insgesamt erzielten EDOF-Linsen jedoch hohe Zufriedenheitswerte von rund 90 Prozent – sowohl bei Katarakt- als auch bei RLE-Patienten.

Als Full-range-IOL stellte Khoramnia die Gruppe der die Trifokallinsen vor. Umfragen zufolge würden diese von 43 Prozent der Operateure bei der Presbyopie-Korrektur bevorzugt. Ihr Vorteil: exzellente Nahbereichsergebnisse. Ihr Nachteil: photische Phänomene und vermindertes Kontrastsehen. Doch die Innovation geht weiter, die Kontrastminderung werde von Neuentwicklungen mehr und mehr reduziert, berichtete der Experte.

Beim Wunsch nach maximaler Brillenfreiheit führe seines Erachtens kein Weg an einer Trifokallinse vorbei, meinte Khoramnia. Auch sei das Alter der Patienten bei der Linsenwahl zu beachten. Jüngere RLE-Patienten stellten in der Regel sehr hohe Erwartungen an den Eingriff, immerhin müssten sie auch die gesamten Kosten dafür übernehmen.

Monofokalplus-IOL

Als wichtige Ergänzung im Bereich der Partial-range-IOL hatte Khoramnia auch auf die Monofokalplus-IOL verwiesen. Für fast zehn Prozent der Operateure sei dieser Typ bereits die bevorzugte Option bei der refraktiven Linsenchirurgie. Er selbst sehe sie jedoch weniger für die Presbyopiekorrektur, sondern eher als Ersatz der klassischen Monofokallinse.

Weitere Optionen der Linsenchirurgie

Weitere in der Keynote diskutierte Varianten der Presbyopiekorrektur waren die reversible Multifokalität mit einer primären IOL im Kapselsack und einer additiven IOL im Sulcus sowie die phake presbyopiekorrigierende IOL. Letztere vermeide die sonst beim RLE zeitlich vorgezogene Entfernung der körpereigenen Linse, erklärte Khoramnia. Das sei insbesondere für myope Patienten von Vorteil, da bei ihnen eine Linsenentfernung das Amotiorisiko erhöhen könne. Dieser IOL-Typ schließe hier und auch bei RLE-skeptischen Patienten eine Lücke.