Wenn die Operation erforderlich wird – Besonderheiten bei rheumatischen Erkrankungen14. September 2026 Bild: santypan – stock.adbobe.com Verbesserte medikamentöse Therapieoptionen haben operative Eingriffe bei Rheuma verändert, aber nicht überflüssig gemacht. Hinzu kommen nur schwer medikamentös beherrschbare arthritischer und später sekundärarthrotische Manifestationen am Bewegungsapparat als Herausforderung für eine OP bei Rheuma. Die operative Therapie nimmt bei der Rheumatherapie nach wie vor einen wichtigen Platz ein – etwa bei der Beseitigung entzündeter Strukturen (z.B. Beispiel Gelenk- und Sehnenschleimhaut) oder bei fortschreitender Gelenkdestruktion, betonte Dr. Roger Scholz Kongresspräsident der DGORh auf der Pressekonferenz zum Rheumatologiekongress in Leipzig. „Bei gut supprimierter Entzündung können heute operative Eingriffe zum Teil, ähnlich denen beim Nicht-Rheumakranken, durchgeführt werden“, so Scholz weiter. Die Gesamterkrankung im Blick behalten Wie häufig im Leben habe man auch in der Rheumatologie bisweilen die Qual der Wahl die für den jeweiligen Patienten in der konkreten Situation dafür geeignetste Maßnahme auszuwählen. „So kann es von Vorteil sein bei einem orthopädischen Rheumatologen, der einerseits die Gesamterkrankung mit all ihren Besonderheiten und differenten Manifestationen im Blick hat, sowohl die konservative als auch die Entscheidung zu bisweilen notwendigen und sinnvollen Operationen zum richtigen Zeitpunkt zu erhalten“, erläuterte der Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie und Facharzt, unter anderen für Orthopädische Rheumatologie an der Collm Klinik Oschatz. Generalisten von Spezialisten immer mehr in den Hintergrund gedrängt Er monierte, dass aktuell Generalisten gegenüber Organspezialisten immer mehr in den Hintergrund gedrängt würden – auch in der Chirurgie des Bewegungsapparates, wo es heute Spezialisten für zum Beispiel Hand, Fuß, Schulter-Ellenbogen, Knie et cetera gebe. Für Patienten mit einer chronischen Systemerkrankung spielten aber die Gesamtbetrachtung und individuelle angepasste Therapien eine entscheidende Rolle. Dazu gehöre auch zu erkennen, ob und wann ein Eingriff notwendig sei. „Ein solches integratives Vorgehen ist für den Rheumapatienten vielfach wesentlich hilfreicher als sogenannte reine operative Auftragsleistungen beim Organspezialisten“, so Scholz. Eine weitere Besonderheit sei, dass Operateure umfangreiche Kenntnisse zur rheumatischen Erkrankung, den individuellen Krankheitsverlauf als auch die laufende antirheumatische Medikation haben sollten. Sich auf rein operationstechnische Prozesse zu fokussieren, genüge dem häufig nicht. Herausforderung perioperative Medikation In diesem Zusammenhang verwies er auch auf die Empfehlungen zum perioperativen Umgang mit der Medikation, die eine interdisziplinäre Expertengruppe der Fachgesellschaft erstmals 2014 publiziert hatte und die immer wieder um aktuelle Entwicklungen angeglichen werde, deren Umsetzung im Alltag aber nicht immer unproblematisch sei. „Die tägliche Praxis zeigt heute, dass das präoperative Pausieren bestimmter Therapeutika für die elektive Chirurgie schon recht gut etabliert ist. Die Patienten leiden aber vielfach darunter, dass sich im weiteren Behandlungsverlauf oftmals viel zu lange Pausen bis zum Wiederbeginn der sogenannten Basistherapie ergeben“, erläuterte der Rheumaexperte. Letztere beruhten vor allem auf Unsicherheiten der Kollegen, die die Weiterbehandlung vornehmen. Deshalb sei es von Vorteil, wenn die postoperative Weiterbehandlung in einer Hand, bleibe, günstigstenfalls beim orthopädischen Rheumatologen. Dieser sollte den frühestmöglichen Wiederbeginn der DMARD – und / oder Biologikatherapie im Auge haben. Rheumatherapie bedarf Gesamtkonzept von Ärzten und Gesundheitspolitik Schließlich maß Scholz der gesundheitspolitischen Situation in Deutschland, die zu immer kürzeren stationären Behandlungen führt, eine besondere Brisanz zu. „Viele der notwendigen Weiterbehandlungsmaßnahmen sind zwar ambulant möglich, die Erreichbarkeit einer zeitnahen ambulanten Versorgung ist aber nicht regelmäßig gegeben“, kritisierte er. Dies treffe regional unterschiedlich auch nicht nur die ärztlichen, sondern auch insbesondere ergo- und physiotherapeutischen Leistungen. „Letztlich müssen alle am Behandlungsprozess beteiligten Disziplinen und auch die Gesundheitspolitik erkennen, dass nur das Gesamtkonzept zu einem optimalen Ergebnis für die Betroffenen führen kann“, so Scholz. (hr/BIERMANN) Literatur: Albrecht K et al. Perioperative Behandlung von Patienten mit entzündlichen rheumatischen Erkrankungen: Aktualisierte Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie. Z Rheumatol 2023;73 (1):77-84. doi:10.1007/s00393-013-1301-z Mehr zum Thema:Rheumachirurgie: Operative Versorgung der Rheumatischen Hand – Fallstricke
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