Wenn Myopie gefährlich wird17. März 2018 Augenhintergrund eines Patienten mit pathologischer Myopie. Foto: J. Wachtlin Die Myopiewelle rollt: Schon 46 Prozent der 25-jährigen Menschen in Europa sind kurzsichtig. Bis 2050 wird erwartet, dass 50 Prozent der Weltbevölkerung myop sind, davon zehn Prozent hochmyop (> -6 dpt). Das bedeutet, dass auch die Folgeschäden häufiger werden. Darauf machte PD Joachim Wachtlin (Berlin) bei der Auftakt-Pressekonferenz der AAD aufmerksam. Ein Augapfel ist circa 23,5 mm lang; ab einer Länge von mindestens 26,5 mm liegt eine krankhafte Myopie vor. Ein besonders langer Augapfel ist auch „dünnwandig“: Netzhautlöcher oder eine daraus entstehende Netzhautablösung können auftreten und krankhafte Gefäßneubildungen im Bereich der Makula sind möglich. Zudem treten eine myope makuläre Retinoschisis und ein Glaukom häufiger auf. Die Katarakt setzt bei myopen Menschen oft schon früher ein. Die krankhafte Myopie ist in Westeuropa für sieben bis neun Prozent der Fälle von Blindheit und Sehbehinderung verantwortlich. Myope Menschen, besonders jene mit hochmyopen Augen, sollten sich bewusst sein, dass sie unter einer krankhaften Veränderung leiden und das Risiko für teils schwerwiegende Augenerkrankungen steigt. Gerade kurzsichtige Menschen, so Wachtlin, sollten daher ihre Augen regelmäßig untersuchen lassen und besonders sensibel auf Sehverschlechterungen achten. Ändere sich das Sehen bei hoher Myopie, sollte stets eine Augenerkrankung als Ursache ausgeschlossen werden. Viel seltener als bei Personen mit leichtem Sehfehler sei eine neue Brille nötig, es könne vielmehr eine Operation erforderlich werden. Augen-OPs und Gerinnungshemmer Augenoperationen, vor allem bei älteren Patienten, werfen oft die Frage auf, ob Antikoagulanzien umgestellt oder abgesetzt werden müssen. Prof. Hans Hoerauf (Göttingen) erläuterte, dass für die häufigsten ophthalmochirurgischen Eingriffe – Katarakt-OP und IVOM – keine Umstellung erfolgen müsse, solange eine Tropf- oder intrakamerale Anästhesie möglich sei.Für viele andere Operationen aber fehlten bislang hinreichende Daten, sodass in der Augenheilkunde dringend gute Studien notwendig seien, um das Risiko ernsthafter Blutungen einschätzen zu können. Erst auf dieser Basis könnten dann auch verlässliche Empfehlungen für den perioperativen Umgang mit Gerinnungshemmern (Bridging, Switching, Absetzen) gegeben werden. Solange müssten die Entscheidungen rein patientenindividuell getroffen werden – eine im Klinikalltag für den Ophthalmochirurgen, der seine Patienten nur kurz sehe, keineswegs leichte Aufgabe, erfordere sie doch enge Absprachen beispielsweise mit Internisten oder Neurologen. Quelle: AAD 2018 / BVA/DOG
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