Wenn Verhalten süchtig macht30. April 2018 Foto: © lassedesignen – Fotolia.com Glücksspiele, Pornos oder Shopping können Süchte auslösen. Was die Forschung darüber weiß, diskutierten vom 23. bis 25. April mehr als 300 Wissenschaftler auf der International Conference on Behavioral Addictions (ICBA). Sie fand erstmals in Deutschland statt. Exzessives Verhalten ist problematisch für die Betroffenen und ihre Angehörigen, sei es unkontrolliert im Internet zu spielen oder Soziale Medien zu nutzen, kauf- oder sexsüchtig zu sein. „All dies hat in den letzten Jahren stark zugenommen, schließlich sind die entsprechenden Angebote jederzeit online verfügbar. Deshalb befasst sich jetzt auch die psychologische Grundlagen- und klinische Forschung damit”, sagte Prof. Matthias Brand von der Universität Duisburg-Essen (UDE), der den Kongress mit organisiert hatte. Die Risiken einer zunehmenden Digitalisierung des Alltagslebens waren zentrale Themen der Tagung. „Die große Anzahl von Beiträgen zu internetbezogenen Störungen zeigt ganz klar, dass dieses Thema die internationale Forschungsgemeinschaft stark bewegt. Etwa eine Million erwachsene Deutsche leiden unter einer Form von Internetsucht”, sagte Brand. Ein besseres Verständnis der Verhaltenssüchte und daraus abgeleiteter Therapien erfordert disziplinübergreifende Forschung: „Viele Konferenzbeiträge wurden gemeinsam von Medizinern, Psychologen, Neurowissenschaftlern und Therapeuten eingereicht“, betonte Prof. Astrid Müller von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und ergänzte: „Die Vielzahl der vorgestellten klinischen Studien zeigte auch, dass Verhaltenssüchte längst in der Praxis angekommen sind. Der Ausbau des Hilfesystems ist dringend erforderlich.“ Sie sprach sich dafür aus, die Problematik der Verhaltenssüchte ausgewogen zu betrachten: „Überpathologisierung und Hysterie sind unangemessen; wenngleich das Problem nicht verharmlost werden darf, damit den Betroffenen auch geholfen werden kann“. Sportsucht und Essstörungen Auf dem Kongress wurden deshalb auch die Behandlungsmöglichkeiten besprochen, z.B. erfolgsversprechende Ansätze in der Psychotherapie. Weitere Themen waren Sportsucht und suchtartiges Essverhalten (Food Addiction). „Dies wird ja durchaus kontrovers diskutiert. Interessant ist beispielsweise, wie häufig eine reine Sportsucht völlig unabhängig von einer Essstörung auftritt. Ob bestimmte Nahrungsmittel ähnlich abhängig machen können wie Drogen, wurde ebenfalls auf dem Kongress besprochen“, sagte Müller.
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