WHO erweitert das Spektrum sicherer Verhütungsmethoden5. Oktober 2026 Symbolbild © New Africa/stock.adobe.com Von der Notfallverhütung über länger anwendbare Implantate bis hin zu künftigen Verhütungsmethoden für Männer empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine größere Auswahl an sicheren und wirksamen Optionen. Damit sollen Menschen Verhütungsmethoden wählen können, die ihren individuellen Bedürfnissen entsprechen. Schätzungsweise 164 Millionen Frauen, die eine Schwangerschaft hinauszögern oder vermeiden möchten, verhüten nicht. Dies unterstreicht den dringenden Bedarf an einem besseren und erweiterten Zugang zu Verhütungsmitteln. Mit der neuen Publikation „WHO guidelines on expanding contraceptive options“ möchte die WHO Länder dabei unterstützen, den Zugang zu Methoden zu verbessern, die durch die besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse gestützt werden. Dies kann dazu beitragen, dass Menschen über eine größere Auswahl an Optionen verfügen und fundierte Entscheidungen darüber treffen können, ob sie verhüten möchten, welche Methode für sie geeignet ist und wann sie diese wechseln oder absetzen möchten. Alternative Anwendungsmöglichkeiten für existierende Methoden Die neuen Leitlinien bieten alternative Anwendungsmöglichkeiten für bereits bestehende Methoden. So empfiehlt die WHO beispielsweise, kombinierte orale Kontrazeptiva als Alternative zur zyklischen Einnahme auch über längere Zeiträume von bis zu sechs Monaten oder durchgehend bis zu einem Jahr einzunehmen. Zudem unterstützt die WHO die Anwendung von Verhütungsimplantaten für einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren. Dies kann die Notwendigkeit von Austauschverfahren und Klinikbesuchen sowie die damit verbundenen Kosten verringern. Die WHO empfiehlt Mifepriston als zusätzliche Option zur Notfallverhütung. Es sollte so bald wie möglich, spätestens jedoch innerhalb von fünf Tagen nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr, eingenommen werden. Die vorliegenden Daten deuten darauf hin, dass Mifepriston in einer Dosierung von 10 bis 50 mg voraussichtlich ebenso sicher und wirksam ist wie andere Methoden der Notfallverhütung. „Die Wahlmöglichkeit ist eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit“, erklärt Pascale Allotey, Direktorin der WHO-Abteilung für sexuelle und reproduktive Gesundheit sowie Gesundheit von Müttern, Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen. „Es gibt keine Universallösung für die Verhütung. Sowohl Männer als auch Frauen benötigen eine Reihe von Optionen, die dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Innovation entsprechen und dabei Aspekte wie Anwenderfreundlichkeit, Invasivität, erforderliches Verhalten, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit berücksichtigen. Echte Wahlfreiheit bedeutet, die Sicherheit und Kontrolle zu haben, eine Methode auszuwählen, sie zu wechseln oder sie abzusetzen.“ WHO rät von unzureichend belegten Methoden ab Ein erweiterter Zugang bedeutet auch, Klarheit darüber zu schaffen, für welche Methoden noch keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz vorliegt. In diesem Zusammenhang hat die WHO zu weiterer Forschung zu Ormeloxifen aufgerufen, bevor dieses in Familienplanungsprogramme aufgenommen wird, da die derzeitige Datenlage zur Sicherheit begrenzt ist. Zudem raten die neuen Leitlinien davon ab, quinestrolhaltige Verhütungspillen in nationale Verhütungsprogramme aufzunehmen, da nur begrenzte Nachweise vorliegen und über schwerwiegende unerwünschte Ereignisse berichtet wurde. Mehr Optionen für die männliche Verhütung Während die neue Leitlinie die Evidenzbasis für bestehende Verhütungsmethoden erweitert, arbeitet die WHO auch daran, das Spektrum der künftig verfügbaren Verhütungsmittel zu vergrößern. Derzeit stehen Männern nur wenige Methoden zur Verfügung, die sie selbst kontrollieren können – vor allem Kondome, der Coitus interruptus und die Vasektomie. Dennoch verlassen sich rund 30 Prozent der Paare auf eine vom Mann kontrollierte Verhütungsmethode. Forschungsergebnisse der WHO stellen die langjährige Annahme infrage, Männer seien nicht bereit, neue Verhütungsmittel zu nutzen. Mehr als 75 Prozent der befragten Paare gaben an, sie wären bereit, ein neues Verhütungsmittel für Männer zu verwenden. Über 85 Prozent der Frauen äußerten, sie würden ihren Partnern zutrauen, die Verantwortung für die Verhütung zu übernehmen. Zielprofil für männliche Verhütungsmethoden Um diese Nachfrage in konkrete Produkte umzusetzen, hat die WHO ihr erstes „Target Product Profile“ (Zielprofil) für männliche Verhütungsmethoden erstellt. Darin sind die Eigenschaften festgelegt, die künftige Methoden aufweisen sollten – etwa hinsichtlich Sicherheit, Wirksamkeit, Akzeptanz und Erschwinglichkeit. Ziel ist es, Forschenden, Geldgebern und Entwicklern eine klarere Orientierung zu bieten und einen Markt mitzugestalten, der den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen besser entspricht. Derzeit wird an verschiedenen hormonellen und nicht-hormonellen Methoden für Männer geforscht; einige vielversprechende Ansätze befinden sich bereits in fortgeschrittenen klinischen Studien. Dies deutet darauf hin, dass innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre neue reversible Verhütungsmittel für Männer auf den Markt kommen könnten. Die WHO unterstützt Länder dabei, ihre Strategien und Pläne zur Familienplanung auf der Grundlage der besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse zu aktualisieren. (lj/BIERMANN)
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