Wichtiger Krebs-Prognosefaktor bei Vierbeinern nur unzureichend erforscht2. Mai 2024 (Symbolbild) Foto: © rihaij – pixabay.com In zwei aktuellen internationalen Studien unter Leitung der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersuchten Forschende anhand vorhandener wissenschaftlicher Erkenntnisse den prognostischen Wert der mitotischen Aktivität für Tumoren bei Hunden und Katzen. Einer der wichtigsten prognostischen Indikatoren für Tumoren ist die zelluläre Proliferation, die am häufigsten anhand der mitotischen Aktivität der Krebszellen gemessen wird. Die Mitose ist jene Teilung des Zellkerns, bei der zwei Tochterkerne mit, im Normalfall, gleicher genetischer Information entstehen. Ziel der beiden systematischen Übersichtsarbeiten war es, die Methoden und die prognostische Relevanz der histologischen Messung der mitotischen Aktivität zu analysieren, über die in der Literatur für Hunde- und Katzentumoren berichtet wurde. Gemäß der beiden Arbeiten sind die mehr als 180 untersuchten internationalen Studien in ihrer Aussagekraft nur unzureichend und eine sichere Aussage kann nur für wenige Tumortypen getroffen werden. Durch eine Literaturrecherche und ein Eignungs-Screening wurden insgesamt 137 Artikel identifiziert, die die mitotische Aktivität bei Hundetumoren zum Überleben der vierbeinigen Patienten in Bezug setzten. Die Methoden zur mitotischen Aktivität umfassten in 126 Studien die Mitosezahl (MC, Anzahl der Mitosefiguren pro Tumorfläche), in sechs Studien vermutlich die MC (Methode nicht angegeben) und in fünf Studien den Mitoseindex (MI, Anzahl der Mitosefiguren pro Anzahl der Tumorzellen). Katzen-Studien: Kleine Stichproben, statistische Mängel, Diversität an Methoden Weitere 42 in Frage kommende Artikel wurden für Katzen identifiziert, wobei hier die MC in 39 Studien und der MI in drei Studien bewertet wurde. Das Risiko einer Verzerrung wurde bei den meisten Katzen-Studien als hoch eingestuft, da die Studienpopulationen klein waren, die MC/MI-Methoden nicht ausreichend beschrieben wurden und statistische Mängel vorlagen. Auch die MC/MI-Methoden variierten von Studie zu Studie. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen hohen MC und kurzen Überleben der Katzen wurde in 20 von 28 (71 %) Studien festgestellt, während eine Studie einen umgekehrten Effekt beobachtete. Lediglich für cutane Mastzelltumore, Mammakarzinome und cutane Weichteilsarkome lagen mindestens drei Studien vor, welche zusammen eine sichere Aussage der prognostischen Relevanz der MC erlauben. Hunde-Studien: Hohes Verzerrungsrisiko, statistische Schwächen, Vielzahl an Methoden Auch die untersuchten Hunde-Studien waren hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Qualität nicht über alle Zweifel erhaben. So stellten die Wissenschaftler aus Österreich, USA (Schwarzman Animal Medical Center, New York) und Deutschland (Freie Universität Berlin) ein besonders hohes Verzerrungsrisiko hinsichtlich der MC-Methoden und der statistischen Analysen fest, bei denen die prognostische Unterscheidungsfähigkeit der MC oft nicht quantifiziert wurde. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen einer hohen MC und einem kurzen Überleben wurde in 72 von 109 (66 %) Studien festgestellt. Keine der Studien, die den MI verwendeten, wies eine prognostische Relevanz nach. Bei Betrachtung der verschiedenen Studien zu einem Tumortyp konnte eine sichere Aussage zu einem hohen prognostischen Wert der MC für folgende Tumortypen getroffen werden: (sub)cutane Mastzelltumore, cutane Melanome, und (sub)cutane Weichteilsarkome. Bessere, aussagekräftigere Studien gefordert Aufgrund der Datenlage zieht Christof A. Bertram, Assistenzprofessor für Pathologie an der Vetmeduni, folgendes Resümee: „Unsere beiden Übersichtsarbeiten unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Studien mit standardisierten Methoden und einer angemessenen Analyse der Unterscheidungsfähigkeit, um den prognostischen Wert von MC und MI bei verschiedenen Tumorarten besser zu belegen.“ Zudem betont er, dass zukünftige Studien erforderlich sind, um den Einfluss der Leistung einzelner Pathologen auf die Qualität der prognostischen Schwellenwerte zu bewerten und Methoden zu entwickeln, um die Reproduzierbarkeit der Untersuchungsergebnisse zu verbessern.
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