Wie Adipositas den Impfschutz beeinträchtigt

Menschen mit Adipositas profitieren womöglich nicht von derzeit verfügbaren Impfstoffen gegen Krankheitserreger wie Pseudomonas aeruginosa, die schwere Lungeninfektionen auslösen können. Symbolbild: Payel/stock.adobe.com

Eine aktuelle US-Studie legt nahe, dass sich Adipositas negativ auf den Impfschutz auswirken könnte. Im Mausmodell beeinträchtigt Adipositas die Antikörperproduktion nach einer Impfung gegen Pseudomonas aeruginosa. Gewebsständige Gedächtnis-T-Zellen könnten dieses Defizit kompensieren.

Pseudomonas aeruginosa ist eine der Hauptursachen für schwere Lungenentzündungen bei Menschen mit Adipositas. Die Behandlung der Infektion wird durch Antibiotikaresistenzen jedoch zunehmend erschwert. Zusätzlich deuten Ergebnisse einer US-Studie nun darauf hin, dass Adipositas auch den Schutz durch mögliche Impfstoffe beeinträchtigen könnte.

Adipositas schränkt humorale Immunität ein

Wie die Untersuchungen in einem High-Fat-Diet-Mausmodell zeigen, wirkt sich Fettleibigkeit offenbar negativ auf die Qualität und Dauer der Antikörperreaktion auf einen Pseudomonas-aeruginosa-Impfstoff aus. Insbesondere die Titer der Immunglobuline IgA, IgG1 und IgG3 waren reduziert. Die verminderte Antikörperproduktion ging mit Defekten in den Keimzentren einher, in denen B-Zellen Antikörper produzieren und ein immunologisches Gedächtnis gegen Krankheitserreger aufbauen. Die Ergebnisse sind im „Journal of Immunology“ veröffentlicht.

Die Erkenntnisse seien eine wichtige Erklärung dafür, warum herkömmliche Impfstoffe, die auf einer hohen Antikörperproduktion beruhen, bei Menschen mit Adipositas oft weniger wirksam sind, argumentieren die Autorinnen und Autoren. Trotz der verminderten Antikörperreaktion löste der Impfstoff jedoch eine Expansion der gewebsständigen Gedächtnis-T-Zellen in der Lunge der Mäuse aus. Nach der Impfung boten diese einen frühen und entscheidenden Schutz vor der Infektion, der bei Mäusen mit normaler oder fettarmer Ernährung nicht beobachtet wurde. Gewebsständige Gedächtnis-T-Zellen könnten einen Antikörpermangel bei Adipositas potenziell kompensieren.

Impfschutz unabhängig vom Stoffwechsel

Wendy Picking, Professorin am Institut für Pathobiologie und Integrative Biomedizinische Wissenschaften der University of Missouri (USA) und Korrespondenzautorin der Studie, hofft, dass ihre Erkenntnisse den Weg für eine gezieltere Impfstoffentwicklung für adipöse Menschen ebnen. „Anstatt lediglich den Antikörperspiegel im Blut zu erhöhen, sollten wir Impfstoffe gezielt so entwickeln, dass sie die gewebsständige Immunität stärken. So würde der Schutz direkt dort gewährleistet, wo Krankheitserreger wie Pseudomonas in den Körper eindringen“, erklärt sie.

Das Forschungsteam plant, auf diesen Erkenntnissen aufzubauen und möchte die spezifischen molekularen Signale identifizieren, die die Aktivierung der gewebsständigen Gedächtnis-T-Zellen in der Lunge bei Adipositas ermöglichen. Davon erhoffen sie sich, Impfstoffformulierungen womöglich optimieren und so die Gedächtniszellen stärken zu können. Ziel ist es, einen Impfstoff zu entwickeln, der allen Menschen unabhängig von ihrem Stoffwechselstatus einen umfassenden Schutz bietet.

(mkl/BIERMANN)