Wie das Immunsystem bei Alzheimer helfen kann12. Juli 2018 Foto: © quickshooting – Fotolia.com Die gezielte Stärkung des Immunsystems kann die bei der Alzheimer-Krankheit typischen Hirnschäden verhindern und kognitive Fähigkeiten wie Erinnerung und Orientierung erhalten. Dies berichtete Prof. Michal Schwartz vom israelischen Weizmann Institute of Science auf dem FENS-Forum der Neurowissenschaften in Berlin. Bisher nahmen viele Forscher an, dass es keine Kommunikation zwischen Gehirn und Immunsystem gibt. Auch galten Immunzellen, die in das Gehirn eindringen, als Verursacher der krankhaften, Hirngewebe zerstörenden Entzündungen, die mit der Alzheimer-Krankheit einhergehen. Die Behandlung zielte folglich darauf ab, das Immunsystem und somit Entzündungen zu unterdrücken. Tatsächlich jedoch, so Schwartz, schützt das Immunsystem das Gehirn vor Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen. So entdeckte sie in den letzten Jahren vor allem, dass eine Adergeflecht genannte Hirnregion nicht nur Gehirnflüssigkeit produziert, sondern auch als Schnittstelle der Blut-Hirn-Schranke fungiert, die den Übergang von Immunzellen ins Gehirn steuert. Wenn wir altern, erklärte die Forscherin, wird diese Kommunikation zwischen Immunsystem und Gehirn abgeschaltet. „Wir haben das traditionelle Denken auf den Kopf gestellt“, sagte Schwartz. „Wir wissen jetzt, dass Entzündungen – statt Schäden zu verursachen – das Gehirn schützen und für die Reparatur von Hirngewebe unerlässlich sind.“ Schwartz führte Studien an speziell gezüchteten Mäusen durch, um die verlorene Kommunikation zwischen Gehirn und Immunsystem wiederherzustellen. Dabei fand sie heraus, dass in diesen Mausmodellen die Aktivierung des Immunsystems eine Kaskade von Prozessen auslöst. Dadurch gelangen Makrophagen und andere weiße Blutkörperchen ins Gehirn, die geschädigtes Nervengewebe verdauen. Diese gesteigerte Immunaktivität verbesserte das Gedächtnis und die kognitive Leistung und milderte den Krankheitsverlauf. Die Ergebnisse legen nahe, dass eine gezielte Aktivierung des Immunsystems außerhalb des Gehirns die krankhaften Prozesse einer fortschreitenden Alzheimer-Erkrankung im Gehirn positiv beeinflussen kann. Eine solche Immuntherapie wäre die erste krankheitsmodifizierende Behandlung für Alzheimer. Schwartz strebt als nächste Phase ihrer Forschung eine klinische Studie an.
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