Wie das Kleinhirn unsere Gefühle beeinflusst30. Juni 2021 Foto: ©decade3d – stock.adobe.com Ein Forschungsteam der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) untersucht im Rahmen des EU-Programms „Horizon 2020“, welche Rolle das Kleinhirn bei der Kontrolle von Emotionen spielt. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen am Ende in patientennahen Anwendungen münden. Das Kleinhirn macht nur circa zehn Prozent des Gehirns aus. Name und Größe werden dessen Aufgaben jedoch kaum gerecht: Denn der als Zerebellum bezeichnete Teil des Zentralnervensystems steuert wesentliche Bewegungsabläufe des Körpers, ist für dessen Gleichgewicht und Koordination verantwortlich. Und: zum Kleinhirn-Portfolio scheint auch die Gefühlsregulation zu gehören. „Jedoch ist dessen Rolle bei der Kontrolle von Emotionen bislang weitgehend unverstanden“, sagt Prof. Dagmar Timmann-Braun, die die Arbeitsgruppe Experimentelle Neurologie an der UDE-Klinik für Neurologie leitet. Sie gehört als stellvertretende Netzwerk-Koordinatorin zum Forschungskonsortium „Cerebellum & Emotional Networks“ (CEN), das diese Forschungslücke schließen möchte. „Uns interessiert vor allem das Zusammenspiel des Zerebellums mit anderen Hirnteilen und mögliche Folgen von Fehlfunktionen des Kleinhirns, zum Beispiel auf negative Emotionen wie Angst und Furcht“, fasst Timmann-Braun zusammen. Für die Studie werden neben gesunden Menschen auch Personen ausgewählt, deren Kleinhirn bereits erkrankt ist. Darüber hinaus wird es Teilnehmende geben, die an emotionalen Problemen wie Angststörungen leiden. Die Forschenden arbeiten innerhalb des CEN-Konsortiums auch mit Fachleuten von außeruniversitären Einrichtungen zusammen, beispielsweise mit Prof. Mario Siebler von der Mediclin Fachklinik Rhein/Ruhr, sowie mit Universitäten in England, Frankreich, Italien und Schweden sowie mit Nichtregierungsorganisationen und Selbsthilfegruppen. „Wir legen Wert darauf, dass unser wissenschaftlicher Nachwuchs nicht nur bei der Grundlagenforschung und in der klinischen Praxis herausragt. Sie sollen auch lernen, sich professionell zu vernetzen“, betont Timmann-Braun. Die Forschenden sind Teil eines länderübergreifenden Marie-Skłodowska-Curie-Trainingsnetzwerks, das für vier Jahre mit 4,5 Millionen Euro von der EU unterstützt wird. Davon gehen 500.000 Euro an den Essener Standort. Es läuft seit Anfang Juni dieses Jahres.
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