Wie Eierstockkrebs den Bauchraum umprogrammieren kann9. Januar 2026 Foto: © Tom/stock.adobe.com Eierstockkrebs bildet häufig Tochtergeschwüre, vor allem im Omentum. Forschende der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel (beide Schweiz) haben untersucht, was passiert, wenn der Krebs dieses Organ „kapert“. Eierstockkrebs bleibt oft lange unerkannt. Bei sieben von zehn Betroffenen hat der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Tochtergeschwüre im Bauchraum gebildet. Besonders häufig entstehen diese Metastasen in einem Gewebe namens Omentum. „Bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs stellt sich die Frage, ob neben den sichtbaren Tumoren und Metastasen auch prophylaktisch das komplette Omentum chirurgisch entfernt werden sollte, um das Wiederauftreten von Tumoren zu verringern“, erklärt Co-Studienleiter Dr. Francis Jacob. Um diese Frage zu beantworten, analysierte das Team um Jacob und Prof. Viola Heinzelmann-Schwarz 36 Gewebeproben von 15 Patientinnen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht. Zellatlas von gesundem und krankem Zustand Die Proben wurden von verschiedenen Stellen des Omentums entnommen. Einerseits stammten sie von Eierstockkrebs-Patientinnen, die bereits Tochtergeschwüre in diesem Organ aufwiesen. Andererseits von Patientinnen, die an anderen Krebsarten ohne Beteiligung dieses Organs erkrankt waren, deren Omentum also als krebsfrei gelten konnte. Die Forschenden analysierten genau, welche Zellen sich in den Proben befanden. So erstellten sie einen Zellatlas des Omentums in erkranktem und gesundem Zustand. Das Ergebnis: Das gesunde Omentum weist eine ausgewogene Zellzusammensetzung auf, das heißt, an allen untersuchten Stellen kommen etwa die gleichen Zellen in gleicher Menge vor. Dazu zählen vor allem Oberflächenzellen, Stammzellen des Bindegewebes und Immun-Gedächtniszellen. Umbau begünstigt Tumorausbreitung Bei den Eierstockkrebs-Patientinnen zeigte sich jedoch, dass der Krebs das Omentum in ein Milieu umbaut, welches die Tumorausbreitung begünstigt: In den Gewebeproben waren mehr Immunzellen vorhanden, darunter insbesondere solche Zelltypen, die den Angriff des Immunsystems auf Tumorzellen dämpfen und somit dem Krebs helfen. Auch befanden sich in diesen Omentum-Proben weniger Oberflächen- und Stammzellen. Womöglich verwandeln sich diese in andere Zelltypen, die ebenfalls ein günstiges Umfeld für Metastasen schaffen. „Eine zentraler Befund ist, dass sich auch Gewebe fern vom Tumor in seiner Zusammensetzung verändert und bereits einzelne Tumorzellen enthält. Wenn Krebszellen in das Omentum einwandern, kapern sie das gesamte Organ“, erklärt Jacob. Dabei gehen die normale Gewebestruktur und Regenerationsfähigkeit des Omentums verloren. Erfolgreichere Therapien möglich Auf Basis dieser Erkenntnisse könnte es laut den Wissenschaftlern günstiger sein, bei der Operation zur Entfernung der Tumore mehr Omentum zu entfernen anstatt nur den sichtbar erkrankten Teil. Damit ließen sich womöglich Rückfälle verringern. Ob dieses Vorgehen tatsächlich zu einer besseren Prognose führt und mit welchen Konsequenzen für die Lebensqualität, müsse jedoch in einer klinischen Folgestudie überprüft werden, betont Jacob.
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