Wie ein Fahrradergometer hilft, Intensivpatienten wieder fit zu machen27. Juni 2023 Die UKL-Physiotherapeutinnen Mandy Dennhardt (re.) und Anja Barthel überwachen eine „Fahrt“ mit dem Bike-Labyrinth-System. Foto: ©Stefan Straube/UKL Dank einer Firma aus den Niederlanden können sich Intensivpatientinnen und -patienten am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) seit Mitte Mai virtuell bewegen: Ein spezielles Fahrradergometer ermöglicht aus dem Klinikbett Bildschirm-Fahrradtouren durch die ganze Welt. Ursprünglich für Menschen mit Demenz entwickelt, kommt das Bike-Labyrinth-System mittlerweile auch in anderen medizinischen Bereichen zum Einsatz, wie der Interdisziplinären Operativen Intensivstation (IOI) des UKL. Dort wird es seit Mitte Mai genutzt, um Patientinnen und Patienten schneller zu mobilisieren – mit Erfolg, wie das UKL vermeldet. Für Herrn G. ist es der „Höhepunkt des Tages“, wenn eine der Pflegekräfte der IOI des UKL ihm den Bewegungstrainer ins Zimmer rollt. Das Bike-Labyrinth-System ist eine Art Fahrradergometer mit angeschlossenem 43-Zoll-Bildschirm. Damit tritt sich der 63-Jährige im Bett liegend derzeit durch die Welt und zurück ins Leben, denn G. wurde Ende Mai ein Teil der Leber seiner Frau transplantiert. Auf der IOI hat er nun Zeit, wieder zu Kräften zu kommen. Mit seinen mehr als 600 verschiedene virtuelle Radtouren mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen soll das Bike-Labyrinth-System erleichtert das Training der Patientinnen und Patienten erleichtern. Das Spektrum reicht von Metropolen wie Tokio, London oder Rom bis hin zu speziellen Gebirgs- oder Wüstentouren. G. hat sich für den Red Rocks Park in Colorado (USA) entschieden – laut Hersteller eine ruhige Tour durch die Natur und damit genau richtig für Patienten wie ihn, sagt Sylvia Köppen, die pflegerische Bereichsleitung der IOI. Sie hat das Bike-Labyrinth-System am UKL initiiert und passt auf, dass sich G. weder physisch noch psychisch überlastet. „Die Touren sind sehr lebensecht gestaltet mit Hintergrundgeräuschen, Gegenverkehr, Kreuzungen, an denen man sich für eine Richtung entscheiden muss, Fußgängerinnen, Roller- oder Skateboardfahrern, die einen plötzlich überholen. Das ist einerseits gut, weil es die Patientinnen und Patienten nicht nur motorisch, sondern auch kognitiv fordert. Andererseits können an einem Ort wie einer Intensivstation zu viele Reize kontraproduktiv sein.“ Abgesehen davon fällt Köppens Fazit nach den ersten Wochen durchweg positiv aus: Das Bike-Labyrinth-System sei leicht zu bedienen und stelle eine sinnvolle Ergänzung zur Therapie durch Pflegekräfte, Physiotherapeutinnen und -therapeuten dar. Darüber hinaus trage es besser als jeder Fernseher zur Abwechslung und Ablenkung bei. „Unsere Patientinnen und Patienten werden mit Hilfe verschiedener Trainingsgeräte täglich zwischen 15 und 30 Minuten mobilisiert. Und egal, ob sie dabei elektrisch unterstützt werden oder dafür eigene Kraft aufbringen – ohne den visuellen Reiz, den Bewegung in der Regel mit sich bringt, wird das auf Dauer langweilig. Unsere Hoffnung ist, dass sie sich mit dem Bike-Labyrinth-System mit mehr Freude und dadurch mit mehr Ausdauer bewegen.“ Bei G. geht die Rechnung laut UKL auf. Er habe bereits eine zweite Tour gestartet: Konstant tritt er sich an den Wasserfällen rund um Ithaca im US-Bundestaat New York entlang. Neun Kilometer in gut zwölf Minuten werden es am Ende sein – genug Bewegung und Eindrücke für einen Tag.
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