Wie eine Bakterientherapie zur Vorbeugung wiederkehrender bakterieller Vaginose wirkt

Eine neue Studie des Ragon Institute (USA), veröffentlicht in Cell Host & Microbe, liefert ein detailliertes Bild davon, wie eine Bakterientherapie zur Vorbeugung wiederkehrender bakterieller Vaginose wirkt und warum sie bei manchen Frauen besser anschlägt als bei anderen.

Bakterielle Vaginose ist die weltweit häufigste vaginale Erkrankung. Mehr als 25 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter sind betroffen, wobei Frauen mit niedrigem sozioökonomischem Status sowie Angehörige ethnischer Minderheiten überproportional häufig betroffen sind. Bakterielle Vaginose ist mit Ausfluss, Schmerzen und einem erhöhten Risiko für Frühgeburten, Gebärmutterhalskrebs und sexuell übertragbare Infektionen, einschließlich HIV, verbunden. Eine Standardbehandlung mit Metronidazol führt oft zunächst zur Heilung der bakteriellen Vaginose, doch tritt die Erkrankung bei über der Hälfte der Frauen innerhalb eines Jahres erneut auf.

Ein Grund für das Wiederauftreten ist, dass sich das vaginale Mikrobiom nach der Antibiotikatherapie oft nicht in eine Bakteriengemeinschaft umwandelt, die von dem nützlichen Bakterium Lactobacillus crispatus dominiert wird. Dieses Bakterium ist wichtig für die langfristige vaginale Gesundheit.

L. crispatus verringert das Rezidiv-Risiko bakterieller Vaginose

LACTIN-V ist ein lebendes Biotherapeutikum mit L. crispatus. In einer kürzlich im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichten randomisierten, placebokontrollierten Studie reduzierte es das Wiederauftreten von bakterieller Vaginose signifikant, wenn es nach Metronidazol verabreicht wurde. Der Behandlungserfolg war jedoch nicht vollständig: Bei 30 Prozent der mit LACTIN-V behandelten Frauen trat die BV erneut auf.

Um zu verstehen, wie die Behandlung mit LACTIN-V das vaginale Mikrobiom der Frauen in dieser Studie beeinflusste und warum einige Frauen profitierten, andere jedoch nicht, analysierten das Kwon Lab und Kollegen über 1100 Proben von 213 Studienteilnehmerinnen mittels Mikrobiomsequenzierung, L. crispatus-Stammanalyse, Immunprofilierung und klinischen Daten.

Die Ergebnisse zeigten, dass 12 Wochen nach Behandlungsbeginn 30 Prozent der mit LACTIN-V behandelten Frauen ein gesundes, von L. crispatus dominiertes vaginales Mikrobiom entwickelt hatten, verglichen mit nur 9 Prozent der Frauen in der Placebogruppe – was den Behandlungserfolg weitgehend erklärt. Die Besiedlung mit L. crispatus wurde primär durch den Bakterienstamm in LACTIN-V vorangetrieben, wobei in einigen Fällen die natürlich vorkommenden L. crispatus-Bakterien der Frauen die Oberhand gewannen.

Zusammensetzung des vaginalen Mikrobioms vor Behandlung entscheidend für Erfolg

Die Studie ergab außerdem, dass das vaginale Mikrobiom einer Frau vor der Behandlung vorhersagte, wie gut sie auf LACTIN-V ansprechen würde. Frauen, deren Mikrobiom überwiegend aus Prevotella- oder Gardnerella-Arten bestand, profitierten am meisten, während Frauen mit einem überwiegend aus Candidatus Lachnocurva vaginae (auch bekannt als BVAB1), einem stark mit bakterieller Vaginose assoziierten Bakterium, bestehenden Mikrobiom nur geringe oder gar keine Verbesserung zeigten. Weitere Faktoren, die mit einer erfolgreichen Besiedlung mit L. crispatus in Verbindung standen, waren niedrigere Bakterienkonzentrationen und ein niedrigerer vaginaler pH-Wert nach der Metronidazol-Behandlung sowie bestimmte Immunprofile vor der Behandlung.

„Die Ergebnisse dieser Studie liefern wichtige Erkenntnisse für die vaginale Gesundheit“, berichtet Seth Bloom, einer der Erstautoren der Publikation. Er begann die Forschung als Postdoktorand im Kwon-Labor und hat inzwischen sein eigenes Labor gegründet. „Unsere Ergebnisse liefern einen Leitfaden für die Entwicklung und Anwendung von LACTIN-V und ähnlichen lebenden Biotherapeutika, um die Gesundheit von Millionen Frauen weltweit zu verbessern, die an bakterieller Vaginose leiden.“

Das Kwon-Labor erforscht zudem das Potenzial vaginaler lebender Biotherapeutika in verschiedenen Kontexten. Eine kürzlich in Südafrika durchgeführte Phase-II-Studie zeigte, dass die Behandlung das HIV-Risiko bei jungen Frauen senken kann.

„Diese Studie liefert den bisher detailliertesten Einblick, wie ein lebendes Biotherapeutikum das vaginale Mikrobiom verändern und so die langfristige vaginale Gesundheit fördern kann. Indem wir die mikrobiellen und Wirtsfaktoren identifizieren, die die erfolgreiche Ansiedlung von Lactobacillus crispatus bestimmen, können wir präzisere und wirksamere Behandlungen zur Verbesserung der Frauengesundheit entwickeln“, so Kwon, Leiter der Studie.

(lj/BIERMANN)

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