Wie eine latente CMV-Infektion die Heilung nach Herzinfarkt beeinflusst26. Oktober 2026 Eine latente Zytomegalievirus-Infektion verändert das Immunmilieu des Herzens dauerhaft. Nach einem Herzinfarkt kann sie Entzündungsprozesse verstärken und die ungünstige Umgestaltung der Herzkammer fördern. (Abbildung: ©UKW/JMU) Laut neuesten Forschungserkenntnissen könnte eine latente Infektion mit dem Zytomegalievirus (CMV) die Immunreaktion nach einem Herzinfarkt verändern und dadurch die Erholung des Herzens beeinträchtigen. Die Heilung des Herzens nach einem Infarkt ist kein passiver Prozess. Sie wird vom Immunsystem orchestriert. In den ersten Tagen beseitigen Entzündungszellen das abgestorbene Gewebe. Anschließend muss die Entzündung rechtzeitig abklingen, damit eine feste und stabile Narbe aufgebaut werden kann. Ist die Entzündung zu stark oder hält sie zu lange an, kann sich die Schädigung ausweiten und das Herz ungünstig umgebaut werden. Das Ergebnis eines Infarkts hängt daher nicht nur davon ab, wie viel Herzmuskel verloren gegangen ist. Es wird auch vom individuellen Immunsystem beeinflusst. Genau diese kardio-immunen Schnittstellen untersucht der Sonderforschungsbereich SFB 1525 des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Im Mittelpunkt stehen die Fragen, inwiefern das Immunsystem Herzkrankheiten beeinflusst und ob sich Wechselwirkungen therapeutisch nutzen lassen. CMV: Ein unbemerkter Begleiter fürs Leben Ein Fokus liegt dabei auf Infektionen, die ein Mensch im Laufe des Lebens hatte und die das Immunsystem prägen, wie etwa CMV. CMV gehört zur Familie der Herpesviren. Diesen ist gemein, dass sie nach der Erstinfektion latent im Körper verbleiben. Das Immunsystem muss das Virus daher ständig überwachen, was zu einer chronischen, unterschwelligen Entzündung im Körper führt. Eine CMV-Infektion ist sehr häufig und verläuft bei gesunden Menschen meist unbemerkt. Viele Menschen wissen daher gar nicht, dass sie das Virus in sich tragen. In einer kürzlich im Fachjournal „Circulation Research“ veröffentlichten Studie fand eine Forschungsgruppe des SFB 1525 gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität von Rijeka (Kroatien) nun heraus, dass eine CMV-Infektion die Immunreaktion verändern und dadurch die Erholung des Herzens nach einem Infarkt erheblich beeinträchtigen kann. Versuche mit murinem CMV in Mäusen mit Herzinfarkt Da sich das murine CMV bei Mäusen ähnlich wie das humane Virus beim Menschen verhält, ist das Mausmodell geeignet, um diese Infektionen genauer zu untersuchen. Die Forschenden aus Würzburg und Rijeka konnten zeigen, dass die Herzen latent infizierter Mäuse deutlich mehr Immunzellen enthalten und ihr Gewebe auf molekularer Ebene Anzeichen einer stillen Entzündung aufweist. Dieser Zustand allein schädigt das Herz oder die allgemeine Gesundheit der Tiere noch nicht. Erleidet eine latent infizierte Maus jedoch einen Infarkt, verstärkt sich das Entzündungsmilieu und beeinträchtigt die Heilung, so dass sich die Herzfunktion im Vergleich zu nicht infizierten Mäusen weniger gut erholen kann. Bestätigung in retrospektiven Patientenkohorten Diesen Befund wollten die Forschenden im Menschen bestätigen. Dazu analysierten sie retrospektiv zwei Patientenkohorten aus Würzburg und Newcastle (Großbritannien). Auch hier entdeckten sie einen Zusammenhang zwischen CMV-spezifischen Zellen und Antikörpern einerseits und dem Krankheitsverlauf nach einem Myokardinfarkt andererseits. „Diese Ergebnisse zeigen zunächst eine Assoziation“, erklärt Prof. Stefan Frantz, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I (Med I) am UKW und Sprecher des SFB 1525. „Ob und inwieweit eine stärkere Immunantwort auf CMV mit einer schlechteren Erholung der Herzfunktion einhergeht, müssen weitere prospektive klinische Studien klären. Unsere experimentelle Forschung liefert jedoch neue Einblicke in die Mechanismen, die hinter diesem klinischen Zusammenhang stehen könnten.“ Weitere gemeinsame Untersuchungen sollen nun klären, wie Virusinfektionen die Herzgesundheit beeinflussen und ob sich daraus neue Möglichkeiten für die Behandlung nach einem Herzinfarkt ergeben.
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