Wie gefährlich wird COVID-19 im Winter?19. Oktober 2020 Foto: © Maridav – Adobe Stock In einer virtuellen Pressekonferenz gaben Prof. Dr. Uwe Janssens (Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und Chefarzt/Sektionsleiter Intensivmedizin, St.-Antonius-Hospital, Eschweiler), Prof. Dr. Clemens Wendtner (Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin sowie Leiter der dortigen Spezialeinheit für hochansteckende lebensbedrohliche Infektionen, Klinik Schwabing, München) und Prof. Dr. Reinhard Busse (Leiter des Fachgebiets Management im Gesundheitswesen, TU Berlin und Co-Direktor des European Observatory on Health Systems and Policies, Berlin) eine Einschätzung über bisherige klinische Erfahrungen und worauf sich die Intensivstationen für den Winter einstellen. Busse startete die Pressekonferenz mit einem Überblick über die aktuellen Zahlen. Er hebte die Niederlande und Belgien hervor, da sich Deutschland zahlenmäßig gerade ungefähr auf dem Stand dieser Länder vor 5 Wochen befindet. Genauer gesagt lag Deutschland in er Woche 7.-13.10. bei 32 Neuinfektionen, was 5 Wochen hinter Belgien oder den Niederlanden liegt. Pro 100.000 Einwohner gibt es aktuell 1,5 stationäre Aufnahmen und 0,8 intensivmedizinisch betreuten Patienten, was dem belgischen Niveau der Woche 2.-8.9. entspricht, aber über dem niederländischen Niveau liegt. In Belgien und den Niederlanden hat sich seitdem die Anzahl der stationären Fälle um den Faktor 6 bzw. 8 erhöht und die Anzahl der intensivmedizinischen Fälle um den Faktor 5 bzw. 6 verändert. Janssens betonte wie gut es in Deutschland trotz Defiziten, z.B. bezüglich des Vorhandenseins von Schutzausrichtungen, geklappt hat die Pandemie Anfang dieses Jahres zu meistern. Die Einführung des Intensivregister ist eine weitere deutsche Besonderheit. Er stellte fest, dass die Neuinfektionen gerade zunehmen, was wahrscheinlich auch an der gesteigerten Anzahl von durchgeführten SARS-CoV-2-Testungen liegt. Weiter führte Janssens aus, dass das durchschnittliche Alter erkrankter Patienten von im April im Mittel 52 Jahren im Sommer auf 32 fiel aber seit September wieder steigt. Das aktuell befürchtete vermehrte Überspringen auf ältere Menschen könnte daher wieder zu einem Anstieg intensivpflichtiger Patienten führen. Ein sehr wichtiges Thema, dass aktuell angegangen werde sollte ist laut Janssens das Problem des Pflegefachkräftemangels bei erwarteten deutlichen Zunahmen intensivpflichtiger Patienten, um Engpässe durch Personalmangel zu verhindern. Trotz des seit September beobachtet Anstiegs der Fallzahlen hält Janssens eine ähnliche Lage wie in Belgien und den Niederlanden und einen parallelen Verlauf in Deutschland aktuell für unwahrscheinlich. Im Vergleich gäbe es hier viele regeln und ältere Menschen seien hier immer noch sehr diszipliniert. Dieses Verhalten könnte helfen die Patientenzahlen schwer erkrankter aus dieser Altersgruppe geringer zu halten. Beruhigende Worte gab es auch von Wendtner. Über die vergangenen Monate hinweg wurde viel über die Behandlung von COVID-19-Patienten dazu gelernt, auch für die Logistik und Triagierung. Im Vergleich zu jetzt war zu Beginn des Jahres noch vieles unbekannt und die Einordnung von COVID-19 im Vergleich zur Influenza unklar. Er betonte allerdings, dass Ausbrüche in Altersheimen problematisch sind und es mit höherer Wahrscheinlichkeit schlechte Prognosen für diese Patienten gibt. Auch Wendtner betonte, dass es nicht nur um die Bettenkapazitäten geht, sondern auch die Fachkräfte für die Betreuung der Betten vorhanden sein müssen. Insgesamt werden keine Probleme hinsichtlich der regionalen Verteilung von COVID-19-Patienten gesehen, diese gab es zuvor und auch jetzt nicht. Eine Kompensation für vorgehaltene leere Betten sei über die Krankenkassen gesichert. Die Daten zur Behandlung der Patienten mit Remdesivir etc. müsste weiterverfolgt werden. Der Eindruck war bisher positiv aber die neuen Daten des Solidarity Trials werfen natürlich Fragen auf. Das Fachpersonal für Anästhesie kann nach Ansicht der Experten auch zukünftig wieder bei Personalmangel zur Hilfe auf den Intensivstationen gezogen werden und zudem laufe die Schulung von zusätzlichem Personal. Generell wird die Situation lockerer gesehen als zu Anfang des Jahres. Neben Vorbereitungen wurden Pandemiepläne entwickelt, die vorliegen und schnell wieder reaktiviert werden können, weshalb keine Überforderung des Gesundheitssystems zu erwarten sei. (Dr. Sonja Hensel)
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