Wie Krankheiten von Darm und Nerven zusammenhängen30. Dezember 2022 Futuristische Darstellung der Darm-Hirn-Achse. (Quelle: © Inna – stock.adobe.com) Dass es eine Wechselwirkung zwischen Nerven- und Immunsystem gibt, daran besteht immer weniger Zweifel in der Forschung. Wie diese jedoch genau aussieht, darüber gibt es bislang nur wenig gesicherte Erkenntnisse. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert nun eine Forschungsgruppe an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), die diese Interaktion bei entzündlichen und degenerativen Erkrankungen untersucht. Seit einigen Jahren elektrisiert das Schlagwort „Darm-Hirn-Achse“ zunehmend die medizinische Forschung. Dahinter steckt die Annahme, dass es einen Zusammenhang zwischen neurologischen Erkrankungen und immunologischen Veränderungen im Gastrointestinaltrakt gibt – und dass sich Krankheiten beider Systeme gegenseitig beeinflussen oder sogar bedingen könnten. So deuten Studien darauf hin, dass Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) ein erhöhtes Risiko aufweisen, später an Morbus Parkinson zu erkranken. Oder dass Multiple Sklerose und CED zusammenhängen könnten. Gesteuert werden die Wechselwirkungen durch eine höchst komplexe Kommunikation, die aus neuronalen, hormonellen, metabolischen, immunologischen und mikrobiellen Signalen besteht. Was diese Kommunikation genau ausmacht, untersucht die neu eingerichtete klinische DFG-Forschungsgruppe 5024 „Immune checkpoints of gut-brain communication in inflammatory and neurodegenerative diseases“ unter der Leitung von Prof. Claudia Günther, FAU-Professur für Gastrointestinale Pathophysiologie, und Sprecherin Prof. Beate Winner, Leiterin der Stammzellbiologischen Abteilung am Uniklinikum Erlangen. Elementar für das junge Forschungsfeld ist nicht nur die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Immunologie, Gastroenterologie und Neurowissenschaften, sondern auch die Integration von Bioinformatik und maschinellem Lernen sowie Medizintechnik. In den kommenden Jahren wollen die Wissenschaftler zunächst die Interaktion zwischen Darm und Gehirn bei entzündlichen und degenerativen Erkrankungen genauer definieren und immunologische Schaltstellen der Darm-Hirn-Kommunikation entschlüsseln. Darauf aufbauend besteht ihr Ziel darin, neue Therapieansätze zu entwickeln, mit denen Erkrankungen des Darms und des Nervensystems wirksam bekämpft oder sogar verhindert werden können.
Mehr erfahren zu: "Augenbewegungstests decken Schädel-Hirn-Trauma Jahre nach Gehirnerschütterung auf" Augenbewegungstests decken Schädel-Hirn-Trauma Jahre nach Gehirnerschütterung auf Eine Studie von Forschenden des CU Anschutz Marcus Institute for Brain Health legt nahe, dass Veteranen mit Gehirnerschütterungen auch mehr als zehn Jahre nach der Verletzung noch subtile, aber messbare […]
Mehr erfahren zu: "Umbrella-Review: Opioide lindern viele akute Schmerzen nur kurzfristig" Umbrella-Review: Opioide lindern viele akute Schmerzen nur kurzfristig Eine neue Übersicht über 59 systematische Reviews verdeutlicht, dass Opioide bei vielen akuten Schmerzzuständen nur eine geringe und kurzfristige Linderung bewirken – bei einigen zeigen sie keinen klaren Vorteil gegenüber […]
Mehr erfahren zu: "Bundestag beschließt Änderungen an Krankenhausreform" Bundestag beschließt Änderungen an Krankenhausreform Eine Neuaufstellung der Krankenhäuser in Deutschland steht eigentlich schon im Gesetz. Union und SPD bringen jetzt aber Nachbesserungen der Krankenhausreform durch.