Wie sich das Leben der Wildkatzen durch menschliche Einflüsse verändert26. Februar 2026 Künstlerische Darstellung: Eine Wildkatze geht im Getreidefeld auf die Jagd – außerhalb ihres üblichen Lebensraums im Wald. Quelle: Peter Nickolaus Copyright: Chris Baumann Haaranalysen von Europäischen Wildkatzen geben Aufschluss über Ernährungs- und Lebensweise der Tiere. Darüber berichtet ein Team des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen in „PLoS One“. Die ursprünglich im Wald beheimatete Europäische Wildkatze nutzt in manchen Gebieten Deutschlands zunehmend auch landwirtschaftlich genutzte Flächen als Jagdgebiet. Sie tut dies vor allem im Sommer, wenn das hochstehende Getreide Deckung bietet. Solche Verhaltensänderungen werden als Reaktion auf den Druck durch menschliche Einflüsse wie die Zerstückelung oder Zerstörung von Waldgebieten und die Intensivierung der Landwirtschaft gesehen. Nicht invasive Untersuchungsmethode: Ideal für langfristige Beobachtung Wie und wo eine Katze lebt, wird indirekt über die Isotopensignatur der Nahrung in ihren Haaren dokumentiert. Das machte sich ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Chris Baumann und Dr. Dorothée Drucker vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen bei der Analyse von Katzenhaaren zunutze. Über diese nicht invasive Untersuchungsmethode will das Team die langfristigen ökologischen Veränderungen in der Lebensweise der Wildkatzen verfolgen. Auch wollen die Forschenden so mehr Informationen für den Schutz der Tiere gewinnen. Dafür sind zoologische Sammlungen als Langzeitarchive essenzielle Voraussetzung; sie erhalten neue Nutzungsmöglichkeiten. Freilaufende Hauskatzen stellen Bedrohung für Wildkatzen dar Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) steht in Deutschland seit 1935 unter Schutz. In den vergangenen Jahrzehnten breitete sie sich hier wie auch sonst in Europa wieder aus. Dabei kommen die dämmerungsaktiven Tiere immer häufiger in Kontakt mit menschlichen Siedlungen und Straßen. Und das, obwohl sie als ortstreue Einzelgänger gelten und dem Menschen normalerweise aus dem Weg gehen. „Ungestörte Waldgebiete als ideale Lebensräume der Wildkatzen werden kleiner, und das Risiko ist groß, dass sie auf unseren Straßen überfahren werden“, berichtet Chris Baumann. Eine Bedrohung für die Wildkatzen stellen auch streunende, verwilderte oder freilaufende Hauskatzen (Felis catus) dar. Diese können Krankheiten übertragen oder durch Artenkreuzung ihren genetischen Bestand beeinflussen. Keine neuen Probenahmen für weitere Forschung nötig Zur weiteren Erforschung der Wildkatzen in Deutschland setzt das Team bei der Ernährungsweise an. Diese lässt indirekt erkennen, an welche Entwicklungen sich Tiere anpassen und wo sie sich aufhalten. Aber auch, mit welchen anderen Arten sie in Konkurrenz stehen. „Wir nutzten ausschließlich Proben von Katzenhaaren, die bereits bei vergangenen Studien gesammelt wurden“, sagt Baumann. Einbezogen haben die Forscherinnen und Forscher Proben aus einer Fallstudie. In dieser wurde eine Wildkatzenpopulation mit niedriger Hybridisierungsrate im Taunus mit einer im Markgräflerland verglichen, wo es häufig zu Artenkreuzungen mit Hauskatzen kam. „Bei dieser Studie wurden für ein genetisches Monitoring der Wildkatzen Haarproben mithilfe von Klebefallen gesammelt“, erklärt der Forscher. Außerdem bewahrte das Phyletische Museum der Universität Jena in Thüringen Haarproben von Wildkatzen aus den vergangenen 26 Jahren auf, teilweise stammten sie von im Straßenverkehr getöteten Tieren. Wildkatzen sind ökologisch stark spezialisiert In den Haarproben aus den drei deutschen Regionen wurden jeweils die Muster stabiler Isotope von Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel analysiert. Isotope sind Atome des gleichen chemischen Elements mit unterschiedlicher Masse. Diese Muster, auch als Signaturen bezeichnet, sind jeweils für Lebewesen aus bestimmten Regionen und mit bestimmter Ernährungsweise charakteristisch. „Die Isotopensignatur in den Zellen der Beutetiere, die die Katzen gefressen haben, oder aus dem von Menschen bereitgestellten Futter geht in deren Isotopensignatur ein“, erklärt Baumann. Die Interpretation der Daten ist aufwendig, aber lässt einige stabile Aussagen zu.Im Ergebnis zeigten sich verschiedene Ernährungsweisen der Katzen. „Wildkatzen, vor allem bei der Population im Taunus, die in ihrem typischen Waldhabitat lebten, hatten eine recht einheitliche Isotopensignatur, sie waren ökologisch stark spezialisiert“, sagt Baumann. „Die Hybride hingegen besetzten eine breite ökologische Nische, ihre Isotopensignatur hatte eine große Überlappung mit den Wildkatzen in den Regionen, wo beide nebeneinander vorkommen.“ Haus-und Wildkatzen konkurrieren kaum um Nahrung Bei den Haus- und Wildkatzen gab es nur geringe Überlappungen, sie konkurrieren kaum in ihren Ernährungsweisen. „Der Langzeittrend bei den Thüringer Wildkatzen ergab Kohlenstoff-Isotopenwerte besonders bei im Sommer gewachsenen Fellhaaren, die auf einen steigenden Anteil von Beute von landwirtschaftlichen Nutzflächen hinweist.“Die Studienergebnisse tragen zur Beobachtung des Wildkatzenbestands in Deutschland bei. Sie helfen aber auch, die nicht invasive rückblickende Methode des Isotopen-Monitorings, bei der archiviertes Gewebe verwendet werden kann, besser zu etablieren.
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