Wie wird ein Grippeimpfstoff hergestellt?17. Oktober 2023 © Wayhome Studio – stock.adobe.com (Symbolbild) Eine Influenza ist mehr als nur eine Erkrankung der Atemwege [1]. Sie betrifft den ganzen Körper und kann in der Folge zu schweren Komplikationen, wie einem Schlaganfall oder Herzinfarkt, führen [2]. Der bestmögliche Schutz vor einer Infektion und möglichen langfristigen Folgen ist die jährliche Grippe-Impfung [3]. Einen lebenslangen Schutz nach einer Grippe-Impfung gibt es nicht. Denn Grippeviren verändern sich stetig, sodass der Impfstoff gegen die Grippe für jede Grippesaison neu angepasst und in einem komplexen Prozess hergestellt werden muss [4, 5]. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) entscheidet vor jeder Saison erneut, wie der Impfstoff zusammengesetzt sein soll, um so gut wie möglich vor der Grippe zu schützen [5]. Dafür behalten die Virologinnen und Virologen der WHO die global zirkulierenden Stämme der Grippeviren im Blick, und geben zwei Mal im Jahr Empfehlungen zu deren Berücksichtigung bei der Impfstoffherstellung auf der Nord- sowie Südhalbkugel. Die Zeitpunkte dazu sind so gewählt, dass für die Produktion und Zulassung die in der Regel notwendigen sechs bis acht Monate Zeit verbleiben. Die gesamte Herstellung eines Grippeimpfstoffs ist ein aufwendiges Verfahren. Die meiste Zeit beanspruchen dabei die Qualitätskontrollen. Für die Produktion werden zunächst aus vier zuvor ausgewählten Virenstämmen sogenannte Saatviren hergestellt. Daraus entsteht innerhalb etwa eines Monats eine Saatvirusbank mit optimierten Saatviruslösungen. Für den nächsten Schritt werden zum Beispiel Hühnereier, die ebenfalls strengen Qualitätskontrollen unterliegen, verwendet. Für eine Impfdosis wird jeweils ein Ei benötigt. Jedes geprüfte Ei wird mit den Viren infiziert und in einem Brutschrank bebrütet. So können sich die Viren im Ei erfolgreich vermehren. In einem mehrstufigen Prozess werden dann aus dem Ei-Inhalt die „herangezüchteten“ und nicht vermehrungsfähigen Bruchstücke der Viren gewonnen. Auch diese müssen eine strenge Qualitätskontrolle bestehen und werden anschließend mit weiteren notwendigen Zusatzstoffen zum fertigen Impfstoff gemischt. Diese Schritte brauchen ungefähr einen weiteren Monat [6]. Nach einer weiteren Qualitätskontrolle kommt es zur Abfüllung in Fläschchen und Spritzen, worauf erneute zeitintensive und aufwendige Kontrollen folgen. Erst dann kann der Impfstoff abgepackt und von den Herstellern sowie den Gesundheitsbehörden, in Deutschland zum Beispiel dem Paul-Ehrlich-Institut, freigegeben werden. Damit alle Impfstoffdosen rechtzeitig zu Beginn der Grippesaison in Arztpraxen und Apotheken verfügbar sind, müssen sie in der Regel bereits bis März vorbestellt werden. Die Auslieferung der Impfstoffe durch die Hersteller beginnt dann meist im September. In Deutschland kann die Grippe in einer Saison bis zu 16 Millionen Ansteckungen verursachen, was jährlich zu 9 Millionen Arztbesuchen, 5 Millionen Krankschreibungen und bis zu 25.000 Toten führen kann [7, 8]. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Grippe-Impfung allen Personen ab 60 Jahre, Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel und Menschen ab 6 Monaten mit bestimmten Grunderkrankungen, wie etwa Asthma, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie empfiehlt die Grippe-Impfung darüber hinaus für medizinisches Fachpersonal, Menschen in Alten- und Pflegeheimen sowie für Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt lebende oder von ihnen Betreute gefährden können [3]. Literatur Paul-Ehrlich-Institut: Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel. Saisonale Influenza-Impfstoffe. Impfstoffe mit Stammanpassung für 2023/2024. Verfügbar unter: https://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoffe/influenza-grippe/influenza- node.html;jsessionid=1D1422BC9FA251432C17261A8A578ED9.intranet222?cms_gts=175392_li st%253Dtitle_text_sort%252Basc&cms_tabcounter=0#anchor. Zuletzt aufgerufen am 19.09.2023. Warren-Gash C et al. Laboratory-confirmed respiratory infections as triggers for acute myocardial infarction and stroke: A self-controlled case series analysis of national linked datasets from Scotland. Eur Respir J 2018;51(3). Robert Koch-Institut. Schutzimpfung gegen Influenza (Grippe). Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/Influenza/Influenza.html. Stand 18.09.2023. Zuletzt aufgerufen am 19.09.2023. Robert Koch-Institut. Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Schutzimpfung gegen Influenza. Gesamtstand 18.09.2023. Verfügbar unter: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Influenza/FAQ_Uebersicht.html. Zuletzt aufgerufen am 19.09.2023. World Health Organization. Questions and Answers. Recommended composition of influenza virus vaccines for use in the northern hemisphere 2023-2024 influenza season and development of candidate vaccine viruses for pandemic preparedness. vfa. Grippeimpfstoffe: Abwehrkraft gegen ein wandlungsfähiges Virus. Verfügbar unter: https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/impfen/grippeimpfstoffe-abwehrkraft-gegen-ein-wandlungsfaehiges-virus. Zuletzt aufgerufen am 19.09.2023. Robert Koch-Institut. Informationsmaterialien zum Impfen. Kurz & Knapp: Faktenblätter zum Impfen. Influenza-Impfung. Stand 26.06.2023. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Materialien/Faktenblaetter/Faktenblaetter_inhalt.html. Zuletzt aufgerufen am 19.09.2023. Robert Koch-Institut. Häufig gestellte Fragen und Antworten zur Grippe. Gesamtstand 18.09.2023. Verfügbar unter: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Influenza/FAQ_Liste.html. Zuletzt aufgerufen am 19.09.2023. Quelle: Sanofi Deutschland, 12.10.2023