Wie wirkt Kurzzeit-Training auf das Immunsystem bei Prostatakrebs-Patienten?11. August 2020 Kurzzeitiges Training mit moderater Belastung scheint einen positiven Effekt auf das Immunsystem von Prostatakrebspatienten zu haben. Foto: ©Boris Franz – stock.adobe.com Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass bei Prostatakrebs-Patienten durch eine moderate Belastung in einem Kurzzeit-Training die Anzahl von natürlichen Killerzellen (NK) auf einem normalen Niveau gehalten wurde. 24 Stunden nach einem moderaten Zyklus hatte sich die Zahl der NK wieder auf einen Ruhewert eingestellt. Prostatakrebsbehandlungen, einschließlich der Androgendeprivationstherapie (ADT), haben zahlreiche nachteilige Auswirkungen, welche die körperliche Funktion und die Lebensqualität beeinträchtigen. Sport wird für Krebsüberlebende empfohlen, um die Nebenwirkungen der Behandlung zu reduzieren, und es hat sich gezeigt, dass er viele Vorteile hat. Sport hilft dem Immunsystem bei der Mobilisierung, indem er bewirkt, dass NK-Zellen ins Blut gelangen und in Bereiche transportiert werden, in denen Bedarf besteht, zum Beispiel an Infektionsstellen oder Tumoren. Dort verlassen diese Zellen den Kreislauf und können bei Krebspatienten den Tumor infiltrieren und möglicherweise die Wachstumsrate des Tumors verlangsamen. Dies sei in Tiermodellen gezeigt worden, jedoch gebe es nur weniger Studien dazu mit Prostatakrebs-Patienten, schreiben die Forscher der Victoria University in Melbourne (Australien), im Fachjournal “Experimental Physiology”. Die Studienautoren ließen die Teilnehmer zunächst ein Fahrrad-Training ausführen, um deren maximale aerobe Fitness zu bestimmen. Unter den Teilnehmern waren elf Prostatakrebspatienten, die zur Studienzeit eine ADT erhielten, 14 Männer mit Prostatakrebs, die keine ADT erhielten, und acht gesunde Kontrollpersonen. Die Wissenschaftler entschieden sich für eine Trainingseinheit mit mäßiger Intensität, die den aktuellen Richtlinien für von sportlichen Übungen bei onkologischen Patienten entsprach, aber auch geeignet für ein selbstständiges Training war. Um sicherzustellen, dass die zur Stimulierung des Immunsystems verwendete Intensität für alle gleich hoch war, standardisierten sie diese auf der Grundlage der maximalen Anstrengung. Um die Immunfunktion zu bestimmen, wurden vor dem Training, unmittelbar nach und zwei Stunden nach Beendigung des Radfahrens Blutproben entnommen. Die Teilnehmer kamen dann am nächsten Tag (24 Stunden) nach dem Training zurück und die Immunfunktion wurde nach einer Nacht der Erholung erneut bewertet. Auch mehrere wichtige Hormonspiegel wurden gemessen, einschließlich Adrenalin und Noradrenalin, da sie eine Rolle bei der Aktivierung und Mobilisierung der NK-Immunzellen spielen. Die Forscher fanden heraus, dass 24 Stunden nach einem moderaten Zyklus die NK-Anzahl wieder auf ein ruhendes Niveau zurückgekehrt war. Sie zeigten auch, dass die Mobilisierung von Immunzellen durch körperliche Betätigung während der Behandlung von Prostatakrebs nicht signifikant verändert zu sein scheint. Daraus schließen Erik D. Hanson und Kollegen, dass kurzzeitiges Training, das unter die aktuellen onkologischen Richtlinien fällt, auch für das Immunsystem von Vorteil zu sein scheint. Eine Einschränkung der Studie ist die kleine Zahl an Probande; zudem wurden zwar Zytokine und Proteinen untersucht, die mit der NK-Funktion zusammenhängen, aber die Effektivität der NK-Zellen wurde nicht direkt beurteilt. (ms)
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