Wiederbelebung: Schneller Start wichtiger als professionelle Umsetzung18. März 2025 Symbolfoto: ©Platoo Studio/stock.adobe.com Eine jüngst präsentierte Studie aus Italien zeigt: Bei einem Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses ist ein schneller Start der Herz-Lungen-Wiederbelebung entscheidend für das Überleben und das Outcome der Betroffenen – und nicht die Person, die sie durchführt. Der außerklinische Herzstillstand (OHCA) bei Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden, ist ein zeitkritischer medizinischer Notfall, der eine sofortige kardiopulmonale Wiederbelebung (CPR) erfordert. Auf dem diesjährigen Kongress der European Society of Cardiology (ESC) für akute kardiovaskuläre Versorgung in Florenz (14.–15. März) präsentierte ein Forscherteam von der Universität Triest (Italien) unter der Leitung von Prof. Aneta Aleksova in Zusammenarbeit mit dem interventionellen Kardiologen Dr. Andrea Perkan ermutigende Erkenntnisse zur Wiederbelebung bei OHCA. Demnach ist in der autonomen Region Friaul-Julisch-Venetien im Norden Italiens in den letzten zwei Jahrzehnten der Anteil der unbeteiligten Personen, die eine CPR durchführen, gestiegen. Besonders interessant dabei: Der entscheidende Faktor für das Überleben und die langfristigen Ergebnisse der Betroffenen besteht ihren Erkenntnissen zufolge darin, wie schnell die Wiederbelebung eingeleitet wird, und nicht darin, ob sie durch einen Laien oder den Rettungsdienst durchgeführt wird. „Unsere Daten machen deutlich, wie relevant eine sofortige Reanimation ist, und unterstreichen, wie wichtig es ist, die Bevölkerung zu sensibilisieren und Schulungen in Basismaßnahmen der Wiederbelebung durchzuführen, um das Überleben nach einem OHCA weiter zu verbessern“, heben die Autoren hervor. Häufigere Laienreanimation Die Forscher analysierten die Daten von 3315 Patienten mit ST-Hebungsinfarkt (STEMI), die über einen Zeitraum von 22 Jahren (2003–2024) in die kardiologische Abteilung des Universitätsklinikums Triest eingeliefert wurden. Während des gesamten Studienzeitraums erlitten 172 von diesen einen OHCA, bei 44 erfolge eine Wiederbelebung durch einen Laien, der zugegen war. Aleksova und Kollegen unterteilten den Studienzeitraum in fünf Intervalle (2003–2007, 2008–2011, 2012–2015, 2016–2019 und 2020–2024). Über die Jahre hinweg beobachteten die Autoren einen signifikanten Anstieg des Anteils der Patienten, die eine Wiederbelebung durch einen Helfer erhielten. Eine statistische Analyse ergab, dass der Anteil der Patienten, die von einem Laien reanimiert wurden, von 26 Prozent in den Jahren 2003–2007 auf 69 Prozent in den Jahren 2020–2024 anstieg. Einfluss der Wiederbelebungsdauer und patientenspezifische Faktoren auf die Überlebensrate Die mediane Zeit bis zur Wiederherstellung des Spontankreislaufs (ROSC) betrug insgesamt zehn Minuten, war aber bei der Wiederbelebung durch Laien (20 min) länger als bei der Wiederbelebung durch medizinisches Personal (5 min). Eine endotracheale Intubation musste häufiger bei Patienten durchgeführt werden, die von einem Laien wiederbelebt wurden (91%) als durch den Rettungsdienst (65 %). Insgesamt überlebte ein Viertel der Patienten (25,6 %) die Krankenhauseinweisung nicht. Patienten, die im Krankenhaus starben, waren im Durchschnitt älter (67 vs. 62 Jahre) und wiesen mehr Begleiterkrankungen auf, als diejenigen, die überlebten. Außerdem waren laut statistischer Analyse eine schlechtere linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF), eine längere Zeit bis zur ROSC und ein höheres Alter Prädiktoren für die Sterblichkeit im Krankenhaus, und zwar unabhängig von der rettenden Person. Genauer gesagt waren jede Verlängerung der Zeit bis zur ROSC um fünf Minuten und eine Abnahme der LVEF um fünf Prozentpunkte mit einem um 38 Prozent erhöhten Sterberisiko assoziiert, während jede Zunahme des Alters um 5 Jahre mit einem um 46 Prozent erhöhten Sterberisiko einherging. Während der medianen Nachbeobachtungszeit von sieben Jahren verstarben 18 Patienten (14 %), aber die Analyse der Autoren zeigte, dass die Sterblichkeit nicht davon abhing, wer die Rettungsmaßnahmen durchführte. Studienlimitationen Einschränkend erklären die Forscher, dass die von ihnen beobachteten Überlebensraten höher seien als die typischen Überlebensraten von OHCA-Patienten. Dies führen sie auf verschiedene Faktoren zurück: Zum einen handelte es sich um STEMI-Patienten, bei denen die Heilungschancen im Vergleich zu OHCA-Patienten mit anderen kardialen und extrakardialen Ursachen höher sind. Als weitere Faktoren benennen sie eine überdurchschnittlich hohe Rate an CPR-geschulten Umstehenden und dass gut funktionierende Notfallsysteme es den Rettungskräften ermöglichen, die Opfer schneller zu erreichen. (ah)
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