Wiederkehrende Harnwegsinfekte bei Frauen – den Kreislauf unterbrechen

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Eine Studie US-amerikanischer Forschender belegt erstmals die langfristige Wirksamkeit der Elektrofulguration zur Behandlung chronischer Harnwegsinfektionen (UTI) bei Frauen nach der Menopause.

Die Forscher überprüften die Krankenakten von 96 Frauen, die zwischen 2006 und 2012 am UT Southwestern wegen rezidivierender Harnwegsinfekte (3 oder mehr pro Jahr) mit Elektrofulguration behandelt wurden. Mit Patientinnen, die in letzter Zeit nicht bei ihrem Arzt waren, wurden telefonische Interviews durchgeführt. Das Durchschnittsalter der Patientinnen lag bei 64 Jahren und die durchschnittliche Dauer der Nachbeobachtung betrug 11 Jahre.

Bei 72 Prozent der Patientinnen war die Therapie erfolgreich, das heißt sie hatten nicht mehr als eine Harnwegsinfektion pro Jahr. Für 22 Prozent hatte sich die Situation verbessert, das heißt es traten weniger als drei Harnwegsinfektionen pro Jahr auf. Bei sechs Prozent blieb die Situation unverändert. Darüber hinaus ging der Antibiotikaverbrauch deutlich zurück: Nur fünf Prozent nahmen bei der letzten Nachuntersuchung noch kontinuierlich Antibiotika ein, während es vor der Elektrofulguration 74 Prozent waren.

„Wiederkehrende Harnwegsinfektionen sind für viele Frauen nach den Wechseljahren ein ernstes Problem, das ihre Lebensqualität beeinträchtigt und sie dem Risiko ernsthafter Komplikationen aussetzt”, sagte Studienleiter Dr. Philippe Zimmern, Professor für Urologie und Direktor des John and Felecia Cain Center for Bladder Health an der UT Southwestern in Dallas (USA).

„Die Standardbehandlung für eine Harnwegsinfektion sind Antibiotika, die oft Linderung verschaffen. Manche Frauen entwickeln jedoch innerhalb weniger Tage oder Wochen eine weitere Infektion, die eine weitere Antibiotikagabe erfordert, und der Prozess wiederholt sich ständig. Im Laufe der Zeit können diese Patientinnen resistente Bakterienstämme bilden oder Allergien gegen Antibiotika entwickeln, was die Behandlung ihrer Harnwegsinfektionen extrem schwierig macht. Die Folge kann eine lebensbedrohliche Sepsis sein, und in einigen Fällen muss die Blase operativ entfernt werden“, erläutert Zimmern mögliche Komplikationen.

Die Elektrofulguration zielt auf oberflächliche Bereiche einer chronischen Infektion (Zystitis) innerhalb der Blasenwand. „Eine Blasenentzündung ist meist die Folge einer Harnwegsinfektion, also ein Teufelskreis”, so Dr. Zimmern. „Die Harnwegsinfektion verursacht eine Blasenentzündung, und die Blasenentzündung kann zu chronischen Läsionen tief in der Blasenwand führen, wo Bakterien gedeihen, geschützt vor der Wirkung von Antibiotika.“

Die aktuelle Studie baut auf früheren UTSW-Studien auf, die das Vorhandensein von Bakterienreservoiren in diesen entzündlichen Blasenläsionen sowie die kurzfristige Wirksamkeit der Elektrofulguration zur Verhinderung wiederkehrender Harnwegsinfektionen aufzeigten.

Für Zimmern zeigen die Ergebnisse der Studie, dass die Elektrofulguration eine dauerhafte Lösung bietet. „Genauso wichtig ist, dass die Elektrofulguration ein gut verträgliches Verfahren ist. Angesichts der Zunahme wiederkehrender Harnwegsinfektionen in der alternden Bevölkerung und der Zunahme antibiotikaresistenter Bakterien könnte die Elektrofulguration dazu beitragen, diese Erkrankung bei vielen Patienten viel früher zu behandeln und die Kaskade von Ereignissen zu verhindern, die zu ausgedehnten Läsionen der Blasenentzündung führen“, hebt Zimmern hevor.