“Wir sind noch nicht über den Berg”20. April 2020 Foto: © beerkoff – Adobe Stock “Wir haben viel erreicht”, sagt Professor Dr. Rolf Rossaint, Präsident der “Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin” (DGAI). “Wir sind in der Bewältigung von COVID-19 aber längst noch nicht über den Berg.” Der erfahrene Anästhesist und mehr als 30.000 seiner Kollegen in Deutschland haben in den vergangenen Wochen dazu beigetragen, dass auf den Intensivstationen bundesweit hunderte Menschen mit COVID-19 gerettet werden konnten. Zu Beginn der Corona-Krise wurden mit Hochdruck zusätzliche Kapazitäten geschaffen, Operationen verschoben, fachfremdes Personal ausgebildet und die Zahl der Intensivbetten auf weit über 40.000 mit mehr als 30.000 Beatmungsmöglichkeiten gesteigert. Auch bei den Frauen und Männern mit Mund-Nase-Schutz, Schutzbrille und Schutzkittel, die in den vergangenen Tagen an den Betten der Patienten zu sehen waren, handelte es sich meistens um Pflegekräfte und Ärzte aus der Anästhesiologie und der interdisziplinären Intensivmedizin. Mehr als zwei Drittel aller deutschen Intensivstationen werden von Anästhesisten besetzt oder sogar geleitet. Sie wenden Verfahren zur Beatmung und zur Therapie des “Akuten Lungenversagens” an, die sie seit Jahrzehnten entwickelt und erprobt haben. Die im Augenblick häufig genutzte “Extrakorporale Membranoxygenierung” (ECMO) zum Sauerstoff- und Kohlendioxid-Austausch außerhalb des Körpers wurde vor etwa 35 Jahren von den Anästhesisten in die Medizin eingeführt. “Durch die Corona-Pandemie ist die deutsche Anästhesiologie in den letzten Wochen auf eine harte Probe gestellt worden”, beschreibt Rossaint weiter. Umso sicherer sei man jetzt aber, solche Extremsituationen gemeinsam bewältigen zu können und dafür auch die passenden Konzepte und medizinischen Leitlinien griffbereit zu haben. Ein Beispiel ist die seit langem etablierte S3-Leitlinie zu Beatmung und ECMO-Therapie. Verwundert sind die Anästhesisten über Äußerungen einzelner Ärzte anderer Fachrichtungen oder mit begrenzter intensivmedizinischer Erfahrung, wonach die frühe, indikationsgerechte Intubation und Beatmung von schwer kranken COVID-19-Patienten angeblich nicht die richtige Behandlung sei und die Patienten dadurch möglicherweise geschädigt würden. “Intubation und Beatmung sind kein Selbstzweck, sondern essentielle Bestandteile einer lebensrettenden Therapie, deren Ziel die Sauerstoffzufuhr für den Körper ist”, macht Rossaint deutlich. Bei einem schweren Lungenversagen darauf zu verzichten, könne zu schweren Schäden bis hin zum Tode führen: “Drei von vier auf der Intensivstation behandelten Patienten überleben das Lungenversagen und das oftmals begleitende Nierenversagen gerade durch Maßnahmen wie Intubation, Beatmung, ECMO und Nierenersatztherapie.” Der DGAI-Präsident betont außerdem, dass jeder Fall individuell bewertet werde und jeder Intensivpatient die Behandlung erhalte, die genau für ihn die richtige ist. Dazu gehöre auch die Wahl einer angemessenen Versorgung durch Sauerstoffgabe oder Beatmung: “Höchste Priorität hat dabei – neben der rein medizinischen Bewertung- aber auch immer der Patientenwille zur Beatmung und Intensivtherapie, ob mündlich geäußert oder in einer Patientenverfügung schriftlich verfasst.”
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