Wird schnell übersehen: Migräne bei Frauen mit sehr großer Oberweite18. Februar 2026 Dass Frauen mit Makromastie häufig unter Kopfschmerzen leiden, ist ein bekanntes Phänomen. Neue Daten deuten an, dass migräneartige Kopfschmerzen in dieser Population ein häufiges Phänomen sind. (Foto: vladimirfloyd/stock.adobe.com) Klagt eine Frau mit übermäßig großen Brüsten über häufige Kopfschmerzen, werden diese schnell als Spannungskopfschmerzen infolge der großen Oberweite abgetan. Eine zugrundeliegende Migräne kann dabei leicht übersehen werden, wie eine Studie aus den USA andeutet. Es ist ein naheliegender Zusammenhang: Eine sehr große Oberweite wirkt sich auf die Haltung und Stützmuskulatur im Rücken aus, führt zu Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich und löst damit Spannungskopfschmerzen aus. Zwar ist dieser Zusammenhang nicht von der Hand zu weisen, dennoch kann sich eine eingehendere Untersuchung lohnen. Denn auch bei Frauen mit Makromastie kann eine Migräne die Ursache für die Kopfschmerzsymptomatik sein. Migräne bei Frauen mit Makromastie möglicherweise übersehen Eine kürzlich im Fachmagazin „Cephalgia Reports“ veröffentlichte Pilotstudie klassifizierte die Kopfschmerzen von 34 Frauen, die sich aufgrund einer Makromastie einer operativen Brustverkleinerung unterzogen und an mindestens vier Tagen im Monat Kopfschmerzen aufwiesen, genauer. Anhand eines speziellen Migräne-Screenings (ID-Migraine) wurden 91 Prozent der inkludierten Frauen positiv auf Migräne getestet. Jedoch berichteten diese auch über atypische Kopfschmerzsymptome (Red-Flag-Features), die eine weitere neurologische Untersuchung erforderlich machten. „Kopfschmerzen sind eine häufige Beschwerde bei Frauen mit Makromastie oder vergrößertem Brustgewebe, die sich einer Brustverkleinerung unterziehen, doch oft werden sie nicht eingehend untersucht“, sagt Dr. Kristyn Pocock, Assistenzprofessorin für Neurologie an der Wake Forest University School of Medicine (Winston Salem, USA) und korrespondierende Autorin der Studie. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass wir Migräne in dieser Population möglicherweise übersehen, was für die Diagnose, Behandlung und Lebensqualität von Bedeutung ist.“ Charakterisierung der Kopfschmerzen vor und nach Brust-OP Die Studienteilnehmerinnen waren im Durchschnitt 35 Jahre alt, hatten einen Body-Mass-Index von 30,9 kg/m² und eine Körbchengröße von mindestens C (70 % F–J). Vor der Operation füllten sie validierte Fragebögen zu Kopfschmerzen und Gesundheit aus und nahmen an einem Interview mit einem Kopfschmerzspezialisten teil. Folgebefragungen erfolgten drei bis vier Monate nach der Operation sowie bis zu zwei Jahre später. Die inkludierten Patientinnen litten im Median an zehn Tagen pro Monat (Interquartilsabstand 7–19,5) an Kopfschmerzen mit einer mittleren Intensität von 6,2 auf einer Zehn-Punkte-Skala. Der mittlere MIDAS(Migraine Disability Assessment)-Score betrug 49,8, was auf eine starke Beeinträchtigung hindeutet. Der Großteil der Teilnehmerinnen (91 %) wurde im Migräne-Screening positiv auf Migräne getestet. Die gleichen Teilnehmerinnen erfüllten – mit Ausnahme des Kriteriums E („[Kopfschmerzen], die nicht besser durch eine andere ICHD-3-Diagnose erklärt werden können“) – auch die international anerkannten ICHD-3-Kriterien für Migräne. Diesen folgend wurde die Migräne der meisten Teilnehmerinnen (58 %; 18/31) als episodisch eingestuft, bei 42 Prozent (13/31) galt sie als chronisch. Bei 38 Prozent (5/13) derjenigen mit chronischer Migräne wurde zudem ein übermäßiger Gebrauch von rezeptfreien Medikamenten festgestellt. Alle Studienteilnehmerinnen mit Migräne hatten ferner Red-Flag-Features. Zu den für Migräne untypischen Warnzeichen, die auf mögliche alternative Diagnosen hindeuten, gehörten pulsierender Tinnitus (81 %), durch Valsalva ausgelöste (25 %) oder verschlimmerte Kopfschmerzen (52 %) und Sehstörungen (32 %). Interessanterweise besserten sich viele der Symptome nach der Operation. So berichteten die Teilnehmerinnen nach drei bis vier Monaten über weniger Kopfschmerztage, eine geringere Schmerzintensität und weniger Beeinträchtigungen im Alltag. Auch der Schlaf und die Nackenschmerzen verbesserten sich. Diese Verbesserungen hielten bis zu 28 Monate an. Wie wahrscheinlich ist eine „echte“ Migräne? Also doch alles „nur“ Spannungskopfschmerzen? Bei einer Migräne würde man prinzipiell keine Besserung durch eine operative Brustverkleinerung erwarten. Das positive Migräne-Screening in Verbindung mit den ICHD-3-Kriterien, das typische Patientenprofil (Frauen im Alter von Mitte 30) und die starke Belastung der Patientinnen in Verbindung mit einem Medikamentenübergebrauch sprechen jedoch für das Vorliegen einer Migräne – auch wenn einige Ausschlusskriterien fehlen und die Diagnose somit nicht vollständig gesichert ist. Doch wie erklären die Forschenden den möglichen Zusammenhang von Migräne und Makromastie? Dazu formulieren sie mehrere Hypothesen: Kopfschmerzen im Zusammenhang mit einer Makromastie könnten eine bisher nicht erkannte sekundäre Kopfschmerzerkrankung mit einem Migräne-Phänotyp („Kopfschmerzen aufgrund von Makromastie“) darstellen, analog zu posttraumatischen Kopfschmerzen. Die Makromastie könnte eine zugrunde liegende Migräne verschlimmern, was die Besserung nach der Brustverkleinerung erklären könnte, jedoch nicht die Red-Flag-Features. Der Zusammenhang könnte auf eine nicht diagnostizierte sekundäre Kopfschmerzerkrankung wie idiopathische intrakranielle Hypertension hindeuten, insbesondere bei jungen Frauen mit erhöhtem BMI, pulsierendem Tinnitus und möglichen Sehstörungen. Schließlich könnten mehrere Mechanismen eine Rolle spielen, analog zu medikamenteninduzierten Kopfschmerzen, die Migräne verschlimmern und als sekundäre Ursache wirken können. Kopfschmerzspezialisten früher einbeziehen Ob eine dieser Hypothesen tatsächlich zutrifft, muss in weiteren Studien geklärt werden. Auch zu der Frage, ob eine Brustverkleinerung eine therapeutische Option für Kopfschmerzen bei Frauen mit Makromastie ist, bedarf es einer großen randomisierten kontrollierten Studie, sagt Pocock. „Aber diese Ergebnisse zeigen uns, dass wir bessere Fragen stellen, Kopfschmerzspezialisten früher einbeziehen und die zugrunde liegende Biologie genauer untersuchen müssen.“ „Unser Ziel ist einfach“, fügt die Neurologin hinzu. „Wir möchten, dass die Symptome von Frauen ernst genommen und genau beurteilt werden, damit sie die Behandlung erhalten, die sie verdienen.“ (ah/BIERMANN)
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