Wissenschaftler identifizieren Biomarker für frontotemporale Demenz

Prof. Tobias Madl (Foto: © Med Uni Graz)

Forscher der Medizinischen Universität Graz haben gemeinsam mit einer Kollegin in Großbritannien untersucht, zu welchen Störungen im Gehirnstoffwechsel es bei der frontotemporalen Demenz (FTD) kommt. Die neuen Erkenntnisse könnten dabei helfen, diese schwer diagnostizierbare Erkrankung von anderen alterungsbedingten Krankheiten zu unterscheiden.

Patienten mit Frontotemporaler Demenz (FTD) haben ähnliche Symptome wie Patienten mit der Alzheimer-Krankheit, weshalb es oft zu falschen Diagnosen kommt. Es besteht daher ein großer Bedarf, Biomarker zu identifizieren, um FTD von Alzheimer und anderen Demenztypen zu unterscheiden sowie weiter zwischen FTD-Unterarten zu differenzieren. Um neue Ansätze für die (Früh-)Erkennung und Behandlung von genetischen und altersbedingten Demenzerkrankungen zu finden und die Ursachen des Alterns besser zu verstehen, sind solche Biomarker ebenfalls essenziell.

Die Wissenschaftler der Med Uni Graz konnten nun in Zusammenarbeit mit einer Kollegin des College London aufklären, dass es bei FTD und Alzheimer-Erkrankungen zu Störungen im Stoffwechsel des menschlichen Gehirns kommt. Das internationale Team zeigte auf, dass Stoffwechselprodukte im menschlichen Gehirngewebe nach dem Tod mittels Kernresonanzspektroskopie (NMR) untersucht werden können und dass Veränderungen in den Konzentrationen bestimmter Stoffwechselprodukte es ermöglichen, sowohl FTD und ihre Subtypen als auch Alzheimer voneinander zu unterscheiden.

Arginin-Methylierung – Ein neues therapeutisches Ziel für die Behandlung von FTD?

In diesem Zusammenhang hat die Gruppe um Prof. Tobias Madl herausgefunden, dass Störungen bei der körpereigenen Modifikation von Proteinen darauf hindeuten, dass die Arginin-Methylierung ein Treiber der FTD-Erkrankung ist, weshalb sie ein vielversprechendes therapeutisches Ziel darstellen könnte. Bei der Arginin-Methylierung werden Methylgruppen zu einem Protein hinzugefügt, dies kann die Funktion des Proteins verändern. „Darüber hinaus dient unsere Studie als proof of concept für unsere zukünftigen Planungen, die darauf abzielen, in Stoffwechselwege therapeutisch einzugreifen und die Beziehungen zwischen Stoffwechsel, FTD und der Alzheimer-Erkrankung aufzuklären”, erklärte Madl. Umfangreiche Studien sind in Arbeit, um die Grundlagen von FTD und Alzheimer besser zu verstehen.

Mit ihrer Forschungsarbeit konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die NMR-Spektroskopie es ermöglicht, Biomarker für die Diagnose neurodegenerativer Erkrankungen zu entdecken, was wichtig ist, um altersbedingte Erkrankungen besser zu verstehen und neue pharmakologische Strategien zu entwickeln. „Die Untersuchung neurodegenerativer Erkrankungen mit der NMR-Spektroskopie wird im Rahmen einer umfangreichen Studie nun erweitert“, blickt Madl in die Zukunft.