Wissenschaftlerinnen des Paul-Ehrlich-Instituts gewinnen Forschungspreis des Landes Rheinland-Pfalz9. Mai 2022 Labor 3R-Tetanustoxin-Prüfung Foto: © B. Morgenroth/Paul-Ehrlich-Institut Dr. Beate Krämer und Dr. Heike Behrensdorf-Nicol, Wissenschaftlerinnen der Abteilung Veterinärmedizin des Paul-Ehrlich-Instituts, haben den Forschungspreis des Landes Rheinland-Pfalz für ihre Untersuchungen zur „Relevanz des Irreversibilitätstests für Tetanustoxoide“ gewonnen. Dr. Beate Krämer und Dr. Heike Behrensdorf-Nicol, Wissenschaftlerinnen der Abteilung Veterinärmedizin des Paul-Ehrlich-Instituts, haben den Forschungspreis des Landes Rheinland-Pfalz für ihre Untersuchungen zur „Relevanz des Irreversibilitätstests für Tetanustoxoide“ gewonnen. Die Forschungsarbeiten in Zusammenarbeit mit weiteren Kolleginnen des Paul-Ehrlich-Instituts haben dazu geführt, dass vorher verpflichtende Tierversuche aus dem Europäischen Arzneibuch gestrichen wurden. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. Das Land Rheinland-Pfalz schreibt den Preis seit 2008 aus. Bei der Herstellung der Tetanusimpfstoffe wird aus dem Toxin des Bakteriums Clostridium tetani durch chemische Inaktivierung ein ungefährliches Toxoid hergestellt. Das Toxoid wird als Antigen des Impfstoffs verabreicht und löst die schützende Immunantwort aus. Dabei muss sichergestellt sein, dass im Impfstoff kein aktives neurotoxisches Tetanus-Toxin vorhanden ist. Eine Impfstoffcharge mit noch detektierbarem Neurotoxin wäre bedenklich. Deshalb schreibt das Europäische Arzneibuch vor, dass bei der Impfstoffproduktion jede Charge des Tetanustoxoids an Meerschweinchen auf ihre Unbedenklichkeit getestet werden muss. Bis zum Jahr 2020 war hierfür unter anderem ein Test auf Irreversibilität (Unumkehrbarkeit) des Toxoids vorgeschrieben: Um zu bestätigen, dass das inaktivierte Material seine Giftwirkung auch während einer längeren Lagerung nicht wiedererlangt, musste das Toxoid nach einer sechswöchigen Lagerung bei 37°C im Tierversuch getestet werden. Parallel wurden als Kontrolle bei 5°C gelagerte Toxoide getestet. Insgesamt wurden zur Bestätigung der Irreversibilität für jede hergestellte Toxoidcharge zehn Meerschweinchen benötigt. Forschungsergebnis: Test auf Unumkehrbarkeit verzichtbar Die Preisträgerinnen gingen der Frage nach, ob bei der Herstellung von Tetanusimpfstoffen unter Anwendung moderner, validierter Produktionsprozesse die bisher angenommene Gefahr besteht, dass es zu einer Reversion von Tetanustoxoiden kommt, also die Giftwirkung wiedererlangt werden könnte. Ausführliche wissenschaftliche Recherchen unterstützten ihre Vermutung, dass eine Reversion von Tetanustoxoiden bei der Impfstoffherstellung keine reale Gefahr darstellt. Die Forscherinnen wiesen durch eigene experimentelle Untersuchungen unter Verwendung eines am Paul-Ehrlich-Institut entwickelten In-vitro-Tests zudem nach, dass der Irreversibilitätstest in seiner bislang vorgeschriebenen Form keine aussagekräftigen Ergebnisse liefert. Tierversuch auf Irreversibilität für Tetanustoxoide ersatzlos gestrichen Die Wissenschaftlerinnen stellten ihre Ergebnisse den Expertengruppen der Europäischen Arzneibuchkommission vor, die über verpflichtende Tests entscheiden. Die wissenschaftliche Diskussion der Expertinnen und Experten über die Relevanz des Irreversibilitätstests für Tetanustoxoide führte schließlich dazu, dass diese Prüfung ersatzlos aus den Arzneibuch-Vorschriften für Human- und Veterinärimpfstoffe gestrichen wurde. Diese Neuregelungen traten Anfang 2021 in Kraft, sodass seither alle europäischen Impfstoffhersteller auf diesen Tierversuch verzichten können. Das Paul-Ehrlich-Institut engagiert sich inzwischen seit mehreren Jahrzehnten für die Entwicklung von Alternativtests zu Tierversuchen und wurde bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Weitere Informationen des Paul-Ehrlich-Institutes: Auszeichnungen
Mehr erfahren zu: "Der letzte Stachelbilch Europas" Der letzte Stachelbilch Europas Ein Team des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und der Ludwig-Maximilians-Universität München findet einen 11,6 Millionen Jahre alten Nachweis des Nagetiers in der Fundstelle […]
Mehr erfahren zu: "Welche Lehren Experten aus der Vogelgrippe-Welle ziehen" Welche Lehren Experten aus der Vogelgrippe-Welle ziehen Mehr als 500.000 Tiere sind allein in Sachsen der Vogelgrippe zum Opfer gefallen. Warum Experten mit weiteren Ausbrüchen rechnen und warum auch flächendeckende Impfungen das Töten nicht verhindern.
Mehr erfahren zu: "Braunvieh-Dame Veronika kratzt sich am Allerwertesten und sorgt für Kuh-Hype" Braunvieh-Dame Veronika kratzt sich am Allerwertesten und sorgt für Kuh-Hype Mit der Zunge greift die österreichische Kuh Veronika zum Schrubber und kratzt sich ausgiebig. Sie setzt dabei erstaunlich filigrane Techniken ein. Von wegen „dumme Kuh“: Warum Veronika’s Intelligenz Zweifel an […]