Wissenschaftlern zufolge hat das Lesen aus Vergnügen Vorteile in jedem Alter23. September 2026 Symbolbild © candy1812/stock.adobe.com Forschern zufolge steht das Lesen aus Vergnügen – sei es ein Klassiker von Jane Austen oder eine „Heartstopper“-Graphic-Novel – in Zusammenhang mit einer besseren psychischen Gesundheit, mehr Empathie und einem geringeren Demenzrisiko. Forschende der University of Cambridge (England) haben sich mit „The Queen’s Reading Room“ – der von Ihrer Majestät der Königin gegründeten Wohltätigkeitsorganisation – zusammengetan, um im Rahmen des „National Year of Reading“ (Nationales Jahr des Lesens) die Vorteile des Lesens aus Vergnügen in jedem Alter hervorzuheben. In einer in der Fachzeitschrift „Psychological Medicine“ veröffentlichten Übersichtsarbeit legen Professorin Sahakian und Dr. Langley vom Fachbereich Psychiatrie in Cambridge gemeinsam mit Vicki Perrin, der Geschäftsführerin von „The Queen’s Reading Room“, dar, dass es keine Rolle spielt, was oder wie wir lesen: Lesen aus Freude kann enorme Vorteile bieten. Noch größere positive Effekte lassen sich durch das gemeinsame Lesen erzielen – sei es in einem Buchclub oder wenn Eltern ihren Kindern vorlesen. Sahakian erklärt: „Lesen ist eine hervorragende Möglichkeit, die Gesundheit unseres Gehirns zu fördern, wichtige kognitive Fähigkeiten zu entwickeln und unser Wohlbefinden zu steigern. Angesichts der zunehmenden Belege für die Vorteile – insbesondere für Kinder – sollten wir das Lesen schon früh fördern. Doch eigentlich ist es nie zu spät, damit zu beginnen; es kann uns ein Leben lang bis ins hohe Alter zugutekommen.“ Immer weniger Kinder und Jugendliche lesen Umfragen zufolge ist das Lesen bei Kindern und Jugendlichen auf einem historischen Tiefstand, insbesondere bei Jungen im Teenageralter und Kindern aus benachteiligten Verhältnissen. Doch selbst diejenigen, die angeben, am wenigsten Freude am Lesen zu haben, erkennen dessen Bildungswert an: Fast die Hälfte von ihnen sagt, dass es ihnen hilft, neue Wörter oder neue Dinge zu lernen. Belege für die Vorteile des Lesens aus Vergnügen fand eine Studie von Sahakian, Langley und ihren Kollegen, an der mehr als 10.000 junge Menschen teilnahmen. Die Studie ergab, dass Kinder, die schon früh in ihrem Leben aus Vergnügen zu lesen begannen, von verschiedenen Vorteilen profitierten, darunter: bessere Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistung und exekutive Funktionen, höhere schulische Leistungen, weniger psychische Probleme sowie ein gesünderer Lebensstil mit mehr Schlaf und weniger Bildschirmzeit. „Angesichts der großen Vorteile, die das Lesen aus Freude im jungen Alter mit sich bringt, sollten wir alles daransetzen, Kinder und Jugendliche an das Lesen heranzuführen. Entscheidend ist dabei, Themen zu finden, die sie wirklich interessieren – sei es im Zusammenhang mit einer Fernsehsendung oder einem Spiel –, und diese als Einstieg zu nutzen. Auch das Lesen von Comics und Graphic Novels kann einen hilfreichen Zugang bieten, da diese oft als weniger einschüchternd und vielleicht auch weniger langweilig empfunden werden als herkömmliche Romane.“, kommentiert Langley. Es überrascht kaum, dass Lesen eng mit einer verbesserten Lese- und Schreibkompetenz verknüpft ist; darüber hinaus besteht jedoch auch ein Zusammenhang mit mathematischen Leistungen, da Lesen und Mathematik auf ähnlichen kognitiven Prozessen beruhen – etwa Sprachkompetenz, Gedächtnisleistung und exekutiven Funktionen. Lesen ist die beliebteste Methode zum Stressabbau Die positiven Auswirkungen beschränken sich nicht nur auf Kinder und Jugendliche. Studien belegen zahlreiche Vorteile für Erwachsene, insbesondere im Hinblick auf das Wohlbefinden: Dazu zählen Stressabbau und bessere Entspannung, mehr Empathie und Verständnis für andere sowie eine tolerantere Haltung gegenüber unterschiedlichen Sichtweisen. Lesen hat sich als beliebteste Methode zum Stressabbau etabliert; fast zwei von fünf Erwachsenen (38 %) betrachten Bücher als das ideale Mittel, um abzuschalten. Eine im Jahr 2024 von „The Queen’s Reading Room“ in Auftrag gegebene neurowissenschaftliche Studie ergab, dass bereits fünf Minuten Lektüre von Belletristik den Stress um bis zu 20 Prozent senken können. Zudem fördert das Lesen die Konzentration sowie die Problemlösungsfähigkeit und wirkt dem Gefühl der Einsamkeit entgegen. Einer Umfrage zufolge greifen mehr Menschen zu Büchern, wenn sie Trost suchen (35 %), als zu Wein (31 %) oder einem heißen Bad (10 %). Lesen verringert das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen Diese Vorteile können gerade im späteren Leben von großer Bedeutung sein. Freizeitaktivitäten, die das Gehirn anregen – insbesondere das Lesen –, werden bei älteren Menschen mit einem langsameren kognitiven Abbau und einem geringeren Demenzrisiko in Verbindung gebracht. So zeigte beispielsweise eine Studie mit fast 5.500 Erwachsenen ab 55 Jahren, dass Personen, die häufig Aktivitäten wie Lesen nachgingen, über einen Beobachtungszeitraum von fünf Jahren mit deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit kognitive Beeinträchtigungen entwickelten. Eine weitere Studie ergab, dass das Lesen von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern mit einer Verringerung des Alzheimer-Risikos um 33 % einherging. Warum ist das Lesen aus Freude also so vorteilhaft? Bildgebende Verfahren zeigen einen Zusammenhang zwischen Lesen und Veränderungen der Gehirnstruktur, darunter: ein größeres Volumen und größere kortikale Flächen in Hirnregionen, die an Sprache, Lernen, Emotionsregulation und exekutiven Funktionen beteiligt sind; eine stärkere Vernetzung der weißen Substanz, welche die Sprachverarbeitung unterstützt; sowie eine größere kortikale Dicke in zentralen sprachrelevanten Hirnarealen. Hinweise auf einen ursächlichen Zusammenhang häufen sich Während die meisten Studien lediglich Zusammenhänge aufzeigen, mehren sich die Hinweise auf einen ursächlichen Zusammenhang. Es konnte nachgewiesen werden, dass auf Leseinterventionen strukturelle Veränderungen im Gehirn folgen. So ergab beispielsweise eine kleine Studie mit elf Kindern im Alter von 7 bis 11 Jahren, die unter Legasthenie litten, dass ein achtwöchiges Trainingsprogramm – das sich auf mentale Vorstellungsbilder, Artikulation sowie das Nachzeichnen von Buchstaben, Buchstabengruppen und Wörtern konzentrierte – die Lesefähigkeiten signifikant verbesserte; diese Verbesserungen gingen zudem mit einer Zunahme des Volumens der grauen Substanz in wichtigen Hirnregionen einher. (lj/BIERMANN)
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