Wochenbett-Depression: Hormonelle Veränderungen auch bei Vätern

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Werdende Väter durchlaufen während und nach der Schwangerschaft ihrer Partnerin hormonelle Veränderungen, die mit depressiven Symptomen und der Vater-Kind-Bindung korrelieren. Darauf deutet eine Pilotstudie der Universitätskliniken in Würzburg und Frankfurt hin.

Die Postpartale Depression (PPD) galt lange als Phänomen, das nur bei Müttern beobachtet wird. Inzwischen gibt es wissenschaftliche Belege dafür, dass auch Väter von Depressionen nach der Geburt betroffen sind. Doch für die paternale PPD bestehen bislang keine offiziellen Diagnosekriterien und auch das Hilfsangebot für betroffene Väter ist ausbaufähig.

Rund fünf Prozent der Väter betroffen

Eine bereits im Juni veröffentlichte Studie der Unikliniken Würzburg und Frankfurt unter der Leitung von Prof. Sarah Kittel-Schneider liefert neue Erkenntnisse zu den hormonellen Veränderungen, die Väter während und nach der Schwangerschaft ihrer Partnerin durchlaufen. Die Ergebnisse sind ein wichtiger Schritt mit Blick auf angemessene Screening- und Diagnoseverfahren sowie die Entstigmatisierung der psychischen Gesundheit von Männern.

„Schätzungsweise fünf Prozent aller Männer entwickeln nach der Geburt ihres Kindes eine behandlungsbedürftige Depression“, erklärte Kittel-Schneider, inzwischen Inhaberin des Lehrstuhls für Psychiatrie am University College Cork (Irland), in einem Beitrag der Uniklinik Würzburg bereits im Jahr 2019.

Die prospektive Pilotstudie umfasste rund 70 Teilnehmende Paare. Den Vätern wurde vor sowie drei und sechs Monate nach der Geburt ihres Kindes Blut abgenommen. Die Hormonkonzentrationen, darunter Testosteron, Kortisol und Vorläuferhormone, wurden mittels Massenspektrometrie bestimmt. Zusätzlich füllten die Väter mehrere Fragebögen aus, anhand derer die Forschenden depressive Symptome und die Vater-Kind-Bindung bewerteten.

Niedrigeres Testosteron korreliert mit Symptomen

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Hormonkonzentrationen im Vergleich zum Ausgangswert bei den werdenden Vätern nach der Geburt signifikant veränderten. Vor allem die Konzentrationen der Hormone Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEA-S), Dehydroepiandrosteron (DHEA) und 11-Deoxycortisol waren sechs Monate nach der Geburt merklich reduziert.

Diese perinatale hormonelle Veränderung bei werdenden Vätern konnte bereits in anderen Studien gezeigt werden. In der aktuellen Studie wurden nun auch die Zusammenhänge mit depressiven Symptomen untersucht. Eine ausgeprägtere Symptomatik korrelierte dabei mit niedrigeren Testosteronwerten sowohl drei als auch sechs Monate nach der Geburt. Die Vater-Kind-Bindung ging ebenfalls mit niedrigeren Testosteron- sowie DHEA- und Progesteron-Werten einher.

Weitere Studien notwendig

Die Studie weist mehrere Limitationen auf, darunter die geringe Größe der Kohorte und die auffällig niedrige Inzidenz klinisch depressiver Episoden bei den beobachteten Vätern. Auch das Fehlen einer Kontrollgruppe, also Männer, die keine Väter wurden, schränkt die Aussagekraft der Ergebnisse ein. Laut den Autoren seien demnach weitere Studien notwendig, um die beobachteten hormonellen Veränderungen und Korrelationen zu bestätigen und ein umfassendes Risikoprofil für gefährdete Väter zu entwickeln.

Dennoch weist die Studie darauf hin, dass diese objektiven, messbaren Biomarker auch für die psychische Gesundheit von Vätern hilfreich sein können. Eine angemessene Behandlung könnte darüber hinaus auch die Gesundheit der werdenden Mütter positiv beeinflussen. Betroffenen Eltern bietet die Uniklinik Würzburg eine ambulante Sprechstunde an.

(mkl/BIERMANN)