Wolffram-Preis 2020 zur Kopfschmerzforschung verliehen3. November 2020 Foto: © gallofilm – Adobe Stock Alle zwei Jahre wird der Wolffram-Preis für Kopfschmerzforschung von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG e.V.) verliehen. Die drei Preisträger konnten ihre Arbeiten in internationalen Fachzeitschriften veröffentlichen und lieferten so interessante Beiträge auf dem Gebiet der Kopfschmerzforschung. „Calcitonin Gene Related Peptide“ in Tränenflüssigkeit als Biomarker Der erste Preis (5.000 €) ging an Frau Katharina Kamm aus München. Sie ist Assistenzärztin der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Klinikums der Universität München in Großhadern. Sie konnte zeigen, dass sowohl Migräne- als auch Clusterkopfschmerzpatienten bereits außerhalb von Kopfschmerzattacken gegenüber gesunden Kontrollen erhöhte Spiegel des Schmerzbotenstoffes „Calcitonin Gene Related Peptide“ (CGRP) in der Tränenflüssigkeit aufweisen. Die Einnahme einer Akutmedikation führt zur Normalisierung dieser Werte in der Tränenflüssigkeit. Dies zeigt, dass die Bestimmung von CGRP in der Tränenflüssigkeit eine einfache und verlässliche Methode ist, um das Neuropeptid bei Kopfschmerzpatienten nachzuweisen. Bislang konnte CGRP nur in Venenblut gemessen werden. „Diese Arbeit wurde als preiswürdig erachtet, da sie im Alltag eine Bestimmung von CGRP aus der Tränenflüssigkeit erlaubt, die leicht durchführbar, schnell zu erlernen ist und gut toleriert wird“, so PD Dr. Tim Jürgens, Präsident der DMKG e.V. Testsystem zur psychometrischen Beurteilung bei Clusterkopfschmerz Den zweiten Preis (2.500 €) erhielt Herr Dr. phil. Timo Klan, Psychotherapeut am Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er stellte in seiner Arbeit ein Testsystem zur psychometrischen Beurteilung von Menschen mit Clusterkopfschmerz vor. Durch die als Selbstbeurteilungsfragebogen konzipierten „Clusterkopfschmerz-Skalen“ ist eine umfassende und für den Clusterkopfschmerz spezifische Einschätzung relevanter psychosozialer Faktoren wie Beeinträchtigung und Krankheitsbewältigung möglich, die über die Messung der Kopfschmerzaktivität hinausgeht. „Damit können therapeutische Interventionen im klinischen Alltag, aber auch in wissenschaftlichen Studien noch besser beurteilt werden, sodass Behandlungsmaßnahmen besser geplant werden können“, so Dr. Thomas Dresler, Psychologe am Universitätsklinikum Tübingen und Leiter der Begutachtungskommission der DMKG. C-taktiler Berührungs-empfindlicher Nervenfasern bei Migräne Der dritte Preis (1.000 €) wurde an Frau Hanna Sophie Lapp verliehen, Assistenzärztin an der Klinik und Poliklinik für Neurologie des Universitätsklinikums Dresden. Sie untersucht in ihrer Arbeit erstmals eine spezielle Form der Berührungswahrnehmung mittels sogenannter C-taktiler Berührungs-empfindlicher Nervenfasern bei Patienten mit Migräne. Frau Lapp konnte zeigen, dass bei Migränepatienten eine veränderte Gewöhnung (Habituation) für C-taktile Reize vorliegt. Als ursächlich werden eine zentrale und periphere Überempfindlichkeit (Sensitisierung) gegenüber diesen mechanisch taktilen Reizen diskutiert. Diese klinische Studie unterstützt die These der veränderten Reizwahrnehmung von Patienten mit Migräne und erweitert diese Theorie um die C-taktile Komponente. „Dies legt nahe, dass Patienten mit Migräne aufgrund ihrer Erkrankung ein verändertes Berührungs- und Kommunikationserleben haben und bisher unbekannte und noch zu untersuchende soziokulturelle Folgen davontragen könnten“, so Jürgens.
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