Women’s Health Initiative: Assoziation von Herzinsuffizienz und Brustkrebs weiter fraglich19. November 2020 Foto: ©Fox_Dsign/ stock.adobe.com Eine amerikanische Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Herzinsuffizienz (HI) und Brustkrebs bei postmenopausalen Frauen innerhalb der WHI(Women’s Health Initiative)-Kohorte. Im Fachjournal „JACC: CardioOncology“ berichten die Forschenden, dass das Vorliegen einer HI nicht mit einer erhöhten Inzidenz von Brustkrebs assoziiert sei und umgekehrt. Jedoch führte das Neuauftreten von Brustkrebs oder HI bei Frauen mit prävalentem invasiven Brustkrebs bzw. prävalenter HI zu einer erhöhten Mortalität. In der Kohorte mit 44.174 Frauen (mittleres Alter 63,7 Jahre) erkrankten 2188 an invasivem Brustkrebs und 2416 an stationär behandelter HI im Verlauf einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 14 bzw. 15 Jahren. Im Vergleich zu einer Brustkrebs- und HI-freien Kohorte gab es weder eine Assoziation zwischen vorliegender HI und invasivem Brustkrebs noch zwischen prävalentem Brustkrebs und stationär behandelter HI. Über die gesamte Kohorte hinweg war die mediane Überlebenszeit nach einer neu aufgetretenen, stationär behandelten HI im Vergleich zu einer neuen Diagnose von invasivem Brustkrebs schlechter (5 bzw. 19 Jahre). Bei Frauen mit invasivem Brustkrebs war eine vorliegende HI mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert (HR 2,28; 95%-KI 1,31−3,95). Umgekehrt war auch bei Frauen mit neu aufgetretener HI, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden, ein bereits vorliegender Brustkrebs mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko assoziiert (HR 1,66; 95%-KI 1,03−2,68). Die Todesursache nach einer neu auftretenden HI unterschied sich nur zwischen Frauen mit und ohne prävalentem bzw. zwischenzeitlich aufgetretenem Brustkrebs. Kommentar zur Studie weist auf mehrere Limitationen hin In einem Kommentar zu der Studie weisen Wendy Bottinor und Gregory Hundley auf die vielfältigen Limitationen der Studie hin. So stützten sich die Basisprävalenz von Brustkrebs und HI auf selbstberichtete Daten, was die tatsächliche Inzidenz der Krankheiten beeinflussen könne. Zudem wurde die Inzidenz einer HI als definitiver oder möglicher Krankenhausaufenthalt wegen HI definiert, wodurch die tatsächliche HI-Inzidenz vermutlich weit unterschätzt wurde. Zudem sei bekannt, dass Anthrazykline, Bestrahlung und Trastuzumab, welche typischerweise zur Behandlung von Brustkrebs eingesetzt werden, ebenfalls kardiotoxische Effekte aufweisen. Vor diesem Hintergrund sei es überraschend, dass keine Assoziation zwischen einem vorherrschenden Brustkrebs und einer neu auftretenden HI festgestellt werden konnte. Da die Studienautoren keine Angaben zur Brustkrebstherapie machen, bliebe die Signifikanz des Ergebnisses ungewiss. Schließlich merken Bottinor und Hundley an, dass das Studiendesign nicht die Umsetzung von präventiven Strategien zur Vermeidung einer HI bei Hochrisikofrauen berücksichtige. Die Kommentatoren raten daher zu Vorsicht bei der Interpretation der Studienergebnisse. Sie unterstreichen die Bedeutung der Durchführung zusätzlicher Untersuchungen, um den Zusammenhangs zwischen Brustkrebs und HI und anderen Formen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei postmenopausalen Frauen zu bestimmen. (ah)
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