Woran sollen wir forschen?18. Mai 2021 © pixabay.com Ein internationales Forschungsteam fragte verschiedene Zielgruppen, welche Themen in der Hunde-Epilepsie-Forschung für sie am wichtigsten sind. Epilepsie ist die häufigste chronische Gehirnerkrankung bei Hunden. Die unterschiedlichen Medikamente, die gegen die wiederkehrenden epileptischen Anfälle zur Verfügung stehen, wirken bei vielen Hunden leider nicht und sind nicht immer gut verträglich. Um Forschung an idiopathischer Epilepsie beim Hund stärker mit den Bedürfnissen der Tiere und der Patientenbesitzerinnen und -besitzer abzustimmen und die zukünftige Forschung so zu gestalten, dass die Lebensqualität der betroffenen Tiere und ihrer Besitzer sich deutlich verbessert, führten Professor Dr. Holger Volk, Klinik für Kleintiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) und Dr. Rowena Packer, Dozentin für Companion Animal Behaviour and Welfare Science am Royal Veterinary College (RVC) zusammen mit RVC-Doktorand Gareth Jones eine Studie durch. Sie befragten Hundehalterinnen und -halter, niedergelassene Tierärztinnen und Tierärzte sowie spezialisierte Veterinärneurologinnen und -neurologen nach den ihrer Meinung nach drängendsten Forschungsthemen und erarbeiteten aus den Befragungsergebnissen eine Liste mit Priorisierungen. Zudem fragten sie nach den Meinungen zu nicht-medikamentösen Therapien für Epilepsie, die in der Forschung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Ergebnisse dieser Befragung veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift „Journal of Veterinary Internal Medicine“. Die Ergebnisse Insgesamt nahmen 414 Besitzerinnern und Besitzer von Hunden mit Epilepsie sowie spezialisierte Tierärztinnen und Tierärzte für Neurologie und Allgemeinmedizin an der Online-Umfrage teil. Folgenden Themen ordneten die Befragten, die höchste Forschungspriorität zu: – Verbesserung bestehender medikamentöser Behandlungen von Epilepsie, Entwicklung neuer antiepileptischer Mittel und die Verbesserung der Ausbildung von Tierärztinnen und Tierärzten in Bezug auf Epilepsie. – Entwicklung neuer antiepileptischer Medikamente, Identifizierung genetischer Ursachen von Epilepsie und die nicht-medikamentöse Behandlung von Epilepsie. – Von den zehn nicht-medikamentösen Therapien wurden fünf als die Vielversprechendsten bewertet: Verhaltensmanagement, Gen-Editing, CBD-Öl-Supplementierung, Supplementierung mit Mittelkettigen Fettsäuren (MCT) und Epilepsiechirurgie. – Die Prioritäten unterschieden sich zwischen Tierärzten und Besitzern, wobei die Besitzer die alltägliche Lebensqualität ihres Hundes, wie beispielsweise Verhaltensprobleme oder die Nebenwirkungen von Medikamenten, in den Vordergrund stellten. Im Gegensatz dazu legten die Tierärzte den Schwerpunkt auf klinische Fragen wie die Identifizierung der genetischen Ursachen von Epilepsie und die Klassifizierung der verschiedenen Anfallsarten. Volk sagt: „Die Ergebnisse der Studie haben deutlich gezeigt, dass der Forschungsbedarf sehr unterschiedlich sein kann, je nachdem, welche Gruppe man fragt. Das müssen wir für unsere zukünftigen Forschungsprojekte berücksichtigen.“ Packer ergänzt: „Die Besitzer legten mehr Wert auf Themen, die sich auf ihr tägliches Leben und das ihres Hundes auswirken, wie beispielsweise Nebenwirkungen und verhaltensbedingte Komorbiditäten der Epilepsie, wohingegen Tierärzte und Neurologen sich stärker auf klinische Themen und längerfristige Strategien zur Behandlung oder Vorbeugung von Epilepsie konzentrieren.“ Die Originalpublikation Gareth Michael Couper Jones, Holger Andreas Volk, Rowena Mary Anne Packer (2021): Research priorities for idiopathic epilepsy in dogs: Viewpoints of owners, general practice veterinarians, and neurology specialists., Journal of Veterinary Internal Medicine, https://doi.org/10.1111/jvim.16144
Mehr erfahren zu: "Rinder können auch ohne embryonales Interferon-tau trächtig werden" Rinder können auch ohne embryonales Interferon-tau trächtig werden LMU-Forschende widerlegen ein jahrzehntealtes Modell: Genetisch veränderte Rinderembryonen führen auch ohne Interferon-tau zu einer erfolgreichen Trächtigkeit und entwickeln sich zu gesunden Kälbern.
Mehr erfahren zu: "Gene in Wurmparasiten aus- und anschalten – Forschende etablieren CRISPR/Cas-Technik" Gene in Wurmparasiten aus- und anschalten – Forschende etablieren CRISPR/Cas-Technik Forschenden der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ist es mit einem Team aus den USA gelungen, die Genscheren-Technik bei Schistosomen zu etablieren. Dies eröffnet neue Perspektiven für die Erforschung der komplexen Parasitenbiologie.
Mehr erfahren zu: "WWF: Schutz der Natur verbindlich in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verankern" WWF: Schutz der Natur verbindlich in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verankern Weltweit sind Wildtiere unter Druck, ihre Bestände nehmen seit Jahrzehnten immer weiter ab. Verantwortlich ist dafür der Mensch – der aber auch etwas tun kann.