Wunden nähen und Zähne ziehen: Was Astronauten für Notfälle lernen

Um auf medizinische Notfälle reagieren zu können, absolvieren Raumfahrer auch ein medizinisches Training. (Bild: ©rusdi/stock.adobe.com)

Von der ISS in die Notaufnahme: Das geht nicht so einfach. Astronauten lernen darum, Notfälle wie Wunden und Zahnprobleme selbst zu behandeln.

Wegen eines medizinischen Problems holt die US-Raumfahrtbehörde Nasa eine Besatzung vorzeitig von der ISS zurück. Wer betroffen ist und welches Problem vorliegt, wurde nicht bekannt. Offensichtlich genügte aber nicht die Hilfe von Astronautenkollegen.

Raumfahrer absolvieren medizinisches Training

Weil sie im Notfall selbst handeln müssen, bekommen Raumfahrer stets auch eine medizinische Ausbildung. „Ärzte können Raumfahrer zwar telemedizinisch betreuen, aber letztlich müssen die da oben auch alleine klarkommen“, sagte Bimba Hoyer, Fliegerärztin der europäischen Raumfahrtbehörde Esa. Das medizinische Training vor einer Mission finde unter anderem im Krankenhaus statt. 

Raumfahrer lernen nach Esa-Angaben unter anderem, Blut abzunehmen, eine Wunde zu nähen, einen Zahn zu ziehen und eine provisorische Füllung einzusetzen. Auch Wiederbelebungsmaßnahmen sowie Ultraschall- und Augenuntersuchungen beherrschen sie. An Bord der ISS helfe eine spezielle medizinische Checkliste mit klaren Anweisungen bei der Diagnose und Behandlung kranker oder verletzter Besatzungsmitglieder, sagte Hoyer. Zudem gebe es eine umfangreiche Bordapotheke. 

Taschen voller Medikamente

„Der Besatzung stehen mehrere Medikamententaschen mit Aspirin oder anderen milden Arzneimitteln und ein Notfallkoffer zur Verfügung, der Schmerzmittel, Anästhetika, Medikamente für die Zahnbehandlung, Verbandsmaterial, Stethoskop, Defibrillator und andere komplexere Instrumente und Arzneimittel zur Lebenserhaltung enthält“, heißt es bei der Esa. Zudem spreche ein Fliegerarzt in einer Art privaten Sprechstunde regelmäßig mit jedem Esa-Astronauten, um potenzielle Gesundheitsprobleme zu erörtern. 

Die Nasa hatte bekanntgegeben, dass sie die vier Mitglieder der Crew-11 – bestehend aus US-Astronaut Michael Fincke, seiner Kollegin Zena Cardman sowie dem japanischen Raumfahrer Kimiya Yui und dem russischen Kosmonauten Oleg Platonow – wegen eines medizinischen Problems vorzeitig zur Erde zurückholt. Es ist das erste Mal in der Geschichte der ISS, dass dies nötig wird.