Wundheilung bei Diabetes: Hydrogel imitiert Reparaturmechanismen der Haut21. November 2025 © megaflopp – stock.adobe.com (Symbolbild) Forschende haben ein bioinspiriertes, mehrkomponentiges Hydrogel entwickelt, das antibakterielle, immunmodulatorische und regenerierende Eigenschaften für die Behandlung chronischer Wunden vereint. Diabetische Wunden stellen eine der größten Herausforderungen der Diabetologie dar und führen häufig zu chronischen Ulzera, Infektionen und sogar Amputationen. Mit der Entwicklung eines „intelligenten“ Hydrogels, das die natürlichen Heilungsprozesse der Haut nachbildet, konnte eine beschleunigte und effektivere Wundheilung erreicht werden. Die im „Journal of Bioresources and Bioproducts“ veröffentlichte Studie beschreibt eine neue Hydrogel-Verbundstruktur, die bakterielle Zellulose (BC), leitfähiges Polypyrrol (PPy) und plättchenreiches Plasma (PRP) zu einer multifunktionalen Plattform vereint. Das Hydrogel, als PBP (Polypyrrol/Bakterienzellulose/Plättchenreiches Plasma) bezeichnet, adressiert die Hauptbarrieren der diabetischen Wundheilung: persistierende Entzündung, bakterielle Infektion und mangelnde Geweberegeneration. BC bildet ein poröses, biokompatibles Gerüst, das die extrazelluläre Matrix nachahmt. PRP enthält hohe Konzentrationen an Wachstumsfaktoren und fördert die Zellproliferation sowie Angiogenese. PPy verstärkt die antibakteriellen Eigenschaften des Hydrogels durch kapazitive Ladung und ermöglicht die elektrogesteuerte Freisetzung von Wachstumsfaktoren. Wirksam gegen Erreger diabetischer Wunden In Labortests zeigte das geladene PBP-Hydrogel eine antibakterielle Wirksamkeit von über 98 Prozent gegen E. coli und S. aureus. Die Fähigkeit zur elektrischen Stimulation verbesserte zusätzlich die Effekte, insbesondere durch die Förderung des Wachstums von Fibroblasten und Endothelzellen sowie durch die Modulation der Makrophagenpolarisation vom pro-inflammatorischen (M1) zum pro-regenerativen (M2) Phänotyp. Im diabetischen Mausmodell führte die Behandlung mit dem PBP-Hydrogel, insbesondere in Kombination mit elektrischer Stimulation, zu einer signifikant schnelleren Heilung. Nach 14 Tagen zeigte sich nahezu vollständige Wundschließung mit verstärkter Kollagenablagerung, Angiogenese und epidermaler Regeneration. Das Hydrogel hielt das Wundmilieu feucht, absorbierte Exsudat und reduzierte proinflammatorische Zytokine – alles entscheidende Faktoren für eine optimale Wundheilung. Bedarfsgerechte Medikamentenfreisetzung Das besondere der Wundauflage ist ihre Fähigkeit, die physiologischen Phasen der Hautheilung (Entzündungskontrolle, Gewebeneubildung und Remodelling) aktiv zu simulieren. Im Gegensatz zu konventionellen, rein passiven Verbänden nimmt das PBP-Hydrogel aktiv am Heilungsprozess teil. Seine elektroresponsive Funktion erlaubt eine bedarfsgerechte Medikamentenfreisetzung und macht es zu einer potenziellen Plattform für personalisierte Wundbehandlung. Die Forschenden betonen zudem die Nachhaltigkeit und Skalierbarkeit des Ansatzes: BC wird durch bakterielle Fermentation aus erneuerbaren Ressourcen gewonnen, PRP stammt aus autologem Blut und PPy entsteht durch energiearme chemische Polymerisation. Herausforderungen bestehen noch im Bereich der großtechnischen Produktion, z.B. der Optimierung der Hydrogelmorphologie und Herstellungseffizienz, aber Technologien wie „pressurized gyration spinning“ könnten eine Massenproduktion ermöglichen. Zukünftige Forschungen sollen die mechanischen Eigenschaften weiter verbessern, die Wachstumsfaktorkinetik verlängern und die Wirksamkeit in größeren Tiermodellen sowie klinischen Studien beim Menschen validieren. (ins)
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