Wurzelbehandlung XXL15. Oktober 2026 Foto: © Tierpark Berlin Im Tierpark Berlin bekommt Elefantenbulle Simon Besuch vom Zahnarzt. Ein Spezialist aus Belgien behandelt den verletzten Stoßzahn des Jungbullen. Für einen Zahnarzttermin der besonderen Art wurde das Elefantenhaus im Tierpark Berlin kurzzeitig zur größten Zahnarztpraxis Berlins: Der kleine Elefantenbulle Simon (2) hat sich in der vergangenen Woche beim Spielen am Stoßzahn verletzt. Dank der schnellen Zusammenarbeit zwischen dem tierärztlichen Team des Tierpark Berlin, dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und einem international bekannten Tierzahnarzt konnte Simon innerhalb kürzester Zeit behandelt werden. Die gute Nachricht: Der kleine Bulle hat den Eingriff gut überstanden und ist bereits wieder munter an der Seite seiner Mutter Tana (15). „Dass wir Simon innerhalb kürzester Zeit eine so hochspezialisierte Behandlung ermöglichen konnten, zeigt, wie wertvoll die enge Zusammenarbeit zwischen zoologischen Einrichtungen, Wissenschaft und externen Fachleuten ist“, erklärt Tierärztin Frauke Vißmann. „Besonders freut mich natürlich, dass unser kleiner Elefantenbulle schon wieder so agil ist. In den kommenden Tagen erhält Simon weiterhin Schmerzmittel und wird von uns aufmerksam beobachtet. Unsere Hoffnung ist groß, dass sein Stoßzahn wieder ganz normal weiterwächst.“ Für die Behandlung reiste der belgische Spezialist für Veterinärzahnmedizin Dr. Yves Debosschere am Montag (12.10.) nach Berlin. Was selbst für die meisten Zootierärzt*innen eine Ausnahmesituation darstellt, gehört für ihn – dank seiner langjährigen Spezialisierung – beinahe zur Routine. Seine Expertise ist europaweit insbesondere dann gefragt, wenn es darum geht, verletzte Stoßzähne zu erhalten und ihre natürliche Weiterentwicklung zu ermöglichen. „Ein gebrochener Stoßzahn, bei dem das empfindliche Zahnmark freiliegt, ist immer ein medizinischer Notfall – ganz gleich, ob es sich um einen jungen oder einen ausgewachsenen Elefanten handelt“, erklärt Dr. Yves Debosschere. „Entscheidend ist, möglichst schnell zu handeln. Eine Behandlung des lebenden Zahnmarks innerhalb der ersten 48 Stunden bietet die besten Chancen, das Zahngewebe vital zu erhalten und langfristig ein gutes Behandlungsergebnis zu erzielen. Bei Simon konnten wir die verletzte Stelle gezielt behandeln und versiegeln. Eine Garantie für den langfristigen Erfolg gibt es zwar nicht, aber wir sind zuversichtlich.“ Der kleine Patient zeigte sich von seinem außergewöhnlichen Zahnarzttermin erstaunlich unbeeindruckt. Schon kurz nach dem Aufwachen aus der Narkose suchte der kleine Elefantenbulle wieder die Nähe zu seiner Mutter Tana und trank bei ihr – ein besonders erfreuliches Zeichen für das gesamte Behandlungsteam. Details der Behandlung Für den Eingriff wurde Simon von drei erfahrenen Tierärzt*innen des IZW in Narkose gelegt. Dr. Frank Göritz, Leitender Tierarzt des IZW, hat für derartige, oft langandauernde Eingriffe bei großen Wirbeltieren, ein spezielles Narkoseprotokoll entwickelt und bereits bei vielen Stoßzahnoperationen weltweit erfolgreich einsetzen können. Das Vet-Team des Tierpark Berlin unterstützte das intensive Narkosemonitoring indem es den Zustand von Simon kontinuierlich überwachte. Die Narkose verlief ohne Komplikationen. „Die Narkose eines Elefanten ist auch bei einem Jungtier keine Routineangelegenheit. Sie verlangt viel Erfahrung, eine genaue Abstimmung und eine kontinuierliche Überwachung“, erklärt Dr. Frank Göritz. „Mit der erfolgreichen Behandlung konnten wir gemeinsam dazu beitragen, die natürlichen Entwicklungsmöglichkeiten des Stoßzahns zu erhalten. Solche Eingriffe zeigen, was durch die enge Verbindung von veterinärmedizinischer Forschung und praktischer Tiermedizin möglich ist,“ ergänzt Prof. Dr. Hildebrandt, Leiter der Abteilung für Reproduktionsmanagement am IZW. Zunächst wurde der betroffene Stoßzahn geröntgt, um die Verletzung genauer beurteilen zu können. Anschließend bereitete Dr. Debosschere das verletzte Zahngewebe sorgfältig auf und versiegelte die Wunde. Das Verfahren ähnelt einer sogenannten Vitalerhaltung der Zahnpulpa beim Menschen, auch „Pulp Capping“ oder „Pulpaüberkappung“ genannt. Ziel ist es, das lebende Zahnmark und damit die Vitalität des Zahns zu erhalten. So besteht die Chance, dass Simons Stoßzahn auch in Zukunft normal weiterwachsen kann. Die Materialien, die bei einer Vitalerhaltung des Zahnmarks bei Elefanten zum Einsatz kommen, sind genau dieselben wie in der Zahnmedizin beim Menschen. Allerdings werden größere Bohrer und deutlich größere Mengen an MTA, einem speziellen Material, das die Bildung von neuem Zahnbein (Dentin) anregt, sowie mehr Füllungsmaterial benötigt. Zum Vergleich: Die Materialmenge, die für Simons Behandlung verwendet wurde, würde normalerweise ausreichen, um 20 Menschen zu behandeln.
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